DTM 2012
— 03.12.2012Zanardi: Kampf um die DTM-Chance
Bei BMW ist nach der Beförderung von Marco Wittmann nur noch ein Cockpit vakant - Alex Zanardi ist bereit: "Jetzt bin ich natürlich neugierig"
Bislang macht BMW nicht den Eindruck, als ziehe man Alex Zanardi als ernsthafte Alternative in Betracht. Der sympathische Italiener, der bei den Paralympics in London drei Medaillen gewonnen hatte, durfte eine Fahrt in einem speziell präparierten M3 auf dem Nürburgring machen, aber seitens BMW achtete man stets streng darauf, diesen Einsatz als "einmalige Demofahrt" zu titulieren. Der Ruf nach einem Renncockpit für Zanardi sollte möglichst im Keim erstickt werden.
Dies ist nicht ganz gelungen. Zumindest der 46-jährige Pilot hat mit dem Thema noch längst nicht abgeschlossen. "Klar, es war nur eine Demofahrt. Aber sie verlief gut. Ich weiß, unter welchen technischen Voraussetzungen ich gefahren bin. Daher kann ich sagen: Ich war schnell", so Zanardi gegenüber 'Autosport'. Zanardi war nach eigener Aussage "schneller als man es von einem 46-Jährigen ohne Beine erwarten konnte, der drei Jahre nicht mehr im Rennwagen gesessen hat".
Aus den Worten den Sympathieträgers ist deutlich zu hören, dass es Zanardi nur zu gern noch einmal im Wettbewerb versuchen möchte. "Jetzt bin ich natürlich neugierig geworden. Ich hätte gern eine zweite Chance. Einfach nur, damit ich mir die Frage beantworten kann, ob ich konkurrenzfähig sein würde oder nicht." Sollte sich sein erster Eindruck von seinem Speed bestätigen, dann gäbe es keinen Grund, sich nicht ein Renncockpit in einem der DTM-BMWs zu wünschen, so der Italiener.
"Wenn sie sicher sein könnten, dass ich konkurrenzfähig wäre, dann dürfte es auch keinen Grund geben, warum sie mich nicht in einem ihrer Autos haben wollen", so Zanardi in seiner unnachahmlich deutlichen Art. "Es ist nicht so, dass wir jetzt kurz vor einem Deal stehen, aber es könnte aus einem Traum vielleicht ein Projekt werden. Ich möchte mich mit Motorsportchef Jens Marquardt mal zusammensetzen, um zu hören, ob man vielleicht einen Schritt weitergehen möchte."
Fotoquelle: BMW
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Kommentare zum Artikel (1)
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Ein arroganteres Verhalten als das des Hauses BMW kann man sich wohl kaum vorstrellen. Ist denn ein Mensch mit einer Behinderung ein Mensch zweiter Klasse? Zumal wenn es sich um einen Hochleistungssportler handelt, der seinen unbedingten Siegeswillen ja wohl zur genüge bewiesen hat. Man hat Sigg. Zanardi die Beine amputiert und nicht das Gehirn. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sollte es einem Unternehmen, wie den Bayrischen Motorenwerken AG, wohl möglich sein, ein regelkonformes DTM-Fahrzeug zu schaffen und einem Könner wie Alessandro Zanardi ein Cockpit zur Verfügung zu stellen. Ganz einmal davon abgesehen, wäre es hier möglich, ein Zeichen für die Integration Behinderter zu setzen. Aber diese Möglichkeit sieht man bei BMW offensichtlich nicht. Schade drum!
Helmut K. Theißen