Mika Häkkinen fuhr die Eau Rouge auch im DTM-Auto wie kaum ein anderer

DTM 2013

— 07.04.2013

Der Tourenwagen-Mika

Mit seinem DTM-Einstieg 2005 sorgte Mika Häkkinen für ganz besondere Euphorie in der Szene: Die Erfolge des Formel-1-Champions und der "Barcelona-Bang"

Geschenkt gibt es in der DTM gar nichts. Auf der Strecke geht es genauso eng zu wie im Fahrerlager" - Mit diesen Worten fasste Mika Häkkinen seine ersten Eindrücke von jener Serie zusammen, in der er nach drei Jahren Pause seinem Formel-1-Renterdasein wieder deutlich mehr Speed verlieh. Es war das Jahr 2005, als der sympathische Finne das beschauliche Familienleben in Monaco gegen den sportlichen Wettbewerb auf den Strecken der DTM eintauschte.

Für die DTM-Dachorganisation ITR war das Renn-Comeback des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters ein Traum. Die Erfolge von Jean Alesi und die Anwesenheit von Heinz-Harald Frentzen hatten in den Jahren zuvor bereits deutlich gezeigt, welchen Hype die Stars aus der Königsklasse auslösen können. Mit Häkkinen wurde die Begeisterung potenziert. Sobald der Finne irgendwo im Fahrerlager zu sehen war, schallte ein lautes "Miiikkkaaa" aus hunderten Kehlen.

Für den damals 36 Jahre alten Motorsport-Star war das Leben im Fahrerlager nicht immer leicht. Die HWA-Box des Finnen war stets belagert wie ein Apple-Store in der Nacht vor Erscheinen eines neuen iPhones. Häkkinen nahm es in seiner typischen Art: schelmisch lächelnd und geduldig. Freundlich erfüllte er Autogramm- und Fotowünsche, gönnte sich sogar mehrfach den Spaß, seinen Sohn Hugo die Autogramme schreiben zu lassen. Die Fans schlossen den Mercedes-Piloten sofort ins Herz.

Was für ein Debüt in der DTM

Auch sportlich schlug der blonde Mann aus Vantaa ein wie eine Bombe. Beim Debüt in Hockenheim gleich der erste DTM-Punkt, beim zweiten Rennen als Dritter auf dem Podest und beim dritten Saisonauftritt eine Galavorstellung sondergleichen. Viele Fans werden sich noch an den 15. Mai 2005 erinnern. Seiner sensationellen Pole-Position vom Samstag ließ Häkkinen am Folgetag einen viel umjubelten Sieg in Spa-Francorchamps folgen. "Damals lief wirklich alles perfekt zusammen", erinnert sich der Finne im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Dieser verregnete Sonntag in den Ardennen machte nachhaltig deutlich: Das Comeback des Mika Häkkinen ist kein PR-Gag, sondern eine neue sportliche Herausforderung für einen Vollblutracer. Nach seinem erst dritten DTM-Rennen lag der Publikumsliebling plötzlich hinter Mercedes-Kollege Gary Paffett auf Platz zwei der Gesamtwertung, punktgleich mit seinem ehemaligen Formel-1-Widersacher Jean Alesi. Der Franzose hatte zu jenem Zeitpunkt allerdings schon drei Jahre Erfahrung in der Serie.

Im weiteren Verlauf der Saison 2005 wurde deutlich, wie sehr Häkkinen von seiner Streckenerfahrung aus der Königsklasse profitierte: Viele Punkte am Nürburgring und in Istanbul, ansonsten nur Nullnummern. In der Endabrechnung des ersten DTM-Jahres stand schließlich Rang fünf - hinter den Haudegen Paffett, Ekström, Kristensen, Schneider und noch vor Alesi. Nicht schlecht für einen Rookie, auf dem viel PR-Arbeit und reichlich Lernen lastete.

2006: Kurze Durststrecke für den Star

Aufgrund der sensationell starken Debütsaison ging Häkkinen als einer der Titelfavoriten in die Saison 2006. Das Jahr ging mit einem vierten Rang in Hockenheim solide los, mit Rang drei in der Lausitz gut weiter, aber der große Coup sollte nicht gelingen. Altmeister Bernd Schneider behielt im Titelkampf die Oberhand, als bester Verfolger hatte sich Bruno Spengler (beide Mercedes) etabliert. Häkkinen schloss das Jahr auf Gesamtrang sechs ab - als schlechtester Pilot einer der vier Mercedes-Neuwagen.

"Ich habe dieses Jahr nur noch absolviert, um meinen Vertrag zu erfüllen", polterte Jean Alesi am Ende jenes Jahres. Der Franzose war vor dem Start in die Saison in einen Vorjahreswagen verbannt worden und verlor komplett die Lust an der DTM. Bei Häkkinen war das Feuer hingegen noch vorhanden - zumindest bis zum vorletzten Rennen der Saison 2007. Am 23. September 2007 kam es zum großen Bruch zwischen der Rennserie und dem Topstar der Szene.

Der Finne konnte damals im Saisonverlauf mit zwei Siegen am EuroSpeedway und in Mugello glänzen, blieb aber bei den anderen Rennen eher im Hintergrund. Im Fokus stand er allerdings beim Rennen in Barcelona, das zum großen Eklat ausartete. Sein Markenkollege Bruno Spengler befand sich im engen Titelkampf gegen die beiden Abt-Audi-Piloten Mattias Ekström und Martin Tomczyk. Häkkinen holte am Samstag Startplatz zwei hinter Tomczyk und wollte am Sonntag seinem Markenkollegen Spengler im Titelkampf helfen.

Barcelona 2007: Der große Bruch

In der Frühphase des Rennens wollte sich Häkkinen am führenden Tomczyk vorbeibremsen, geriet mit seiner C-Klasse allerdings an den Audi A4. Als "optimistisch, aber nicht böswillig" bezeichnete man das Manöver vom Kommandostand der Stuttgarter, als "normalen Rennunfall" hakte der Finne den Crash ab, der zum Ausfall beider Piloten führte. Die Gemüter waren erhitzt, die Stimmung kochte später über. Daniel la Rosa geriet mit Ekström aneinander - beide Titelkandidaten von Audi somit aus dem Rennen.

"Sieht so aus, als wollte man unsere Jungs aus dem Weg räumen", schüttelte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich ungläubig mit dem Kopf. Der Österreicher zog eine Konsequenz, die niemand für möglich gehalten hatte: Er rief alle im Rennen verbliebenen Fahrzeuge an die Box. Audi verweigerte die weitere Teilnahme an einem Rennen, das aus Sicht der Ingolstädter nicht sauber verlief. Später hagelte es Strafen - auch für Häkkinen. Der Finne musste beim Saisonabschluss 2007 zehn Startplätze zurück und 22.000 Euro Strafe zahlen.

Für den Strahlemann aus dem hohen Norden war das zu viel. Häkkinen war im Oktober 2007 in Hockenheim nicht mehr nach Grinsen zumute. Er grollte, fühlte sich ungerecht behandelt und zog das Wochenende unter dem Alesi-Motto des Vorjahres ("Vertragserfüllung") durch. "Du lieferst einen guten Job ab und dann so was. Dann kochen die Emotionen automatisch hoch und du verlierst den Glauben und die Motivation", sagte er damals und verkündete wenig später seinen Abschied. "Es ist vorbei", so Häkkinen am 3. November 2007. "Die gute Nachricht für die Wettbewerber: Sie können jetzt Frieden haben auf der Strecke."

Häkkinen schloss seinen Frieden mit der DTM durch Abschied. In seiner insgesamt dreijährigen Karriere in der Serie feierte er drei Siege, fünf weitere Podestplätze und holte in 31 Renneinsätzen insgesamt 77 Punkte. Interessanter Randaspekt: Die DTM-Karriere von Mika Häkkinen ging mit deutlichen Veränderungen im privaten Umfeld einher. Direkt vor seinem ersten Sieg wurde Tochter Aina Julia geboren, kurz nach seinem letzten DTM-Auftritt wurde die Ehe mit Erja geschieden.

Fotoquelle: xpb.cc

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