Yannick Dalmas war einer von fünf Franzosen, die aus der Formel 1 kamen

DTM 2013

— 07.04.2013

Erst Formel 1, dann DTM: Von Höhenflügen und Crashpiloten

35 Fahrer waren schon in der Königsklasse aktiv, als sie in die DTM gingen: Es gab glänzende Karriereenden, drei Champions und ein medizinisches Wunder

Die jüngste DTM-Vergangenheit hat früheren Formel-1-Assen in der Serie alles andere als einen schmeichelhaften Ruf beschert. Große Prominenz, kleine Erfolge - dafür stand Heinz-Harald Frentzen, dafür stehen Ralf Schumacher und David Coulthard. 62 Punkte und zwei Podestplätze in 83 Rennen sind die magere Bilanz der Mercedes-Piloten. Dennoch: Einen Imagegewinn und Medienpräsenz brachten sie. Doch so war es nicht immer: Viele Königsklassen-Importe sorgten für Furore.

Der erfolgreichste Ex-Formel-1-Star ist der Branchenprimus überhaupt und deutlich bekannter für seine Einsätze in Autos mit geschlossenem Dach als für die neun Starts, die er zwischen 1988 und 1990 für Zakspeed und Arrows in der Beletage des Motorsport absolvierte: "Mr. DTM" Bernd Schneider. 1995 gewann er seinen Premierentitel noch in der ersten Ära der Serie, vier weitere ließ er nach dem Neustart im Jahr 2000 folgen. Der heute 48-Jährige hat in 14 Jahren DTM Rekorde gesammelt wie die Beatles Goldene Schallplatten.

Die Glorreichen Drei: Schneider, Stuck, Larini

Schneider hat an unübertroffenen 236 Rennen teilgenommen, mit 43 Lauferfolgen die meisten Einzelsiege eingefahren und mit 25 Pole-Positions stand er so oft wie kein anderer in der Startaufstellung auf dem Platz an der Sonne. Die Liste ließe sich mit Punktresultaten und Podestplatzierungen weiterführen, nur mehr Meisterschaftszähler holte Klaus Ludwig. Schneider ist nicht der einzige frühere Formel-1-Pilot, der Titel feierte, sondern nur der insgesamt erfolgreichste Pilot eines Trios.

Das Kunststück gelang auch Hans-Joachim Stuck und Nicola Larini. "Strietzel" sicherte sich 1990 in einem Audi V8 quattro die Krone, der schnellste Italiener der DTM erlebte seine Sternstunde 1993. Larini holte im 155 V6 TI die einzige Meisterschaft für Alfa Romeo unmittelbar nach dem Einstieg der FIAT-Marke. Es war auch Larinis persönliches Debüt in der DTM. Gleich mit dem Titel durchzustarten ist ein Coup, der nur zwei weiteren Fahrern gelang: 1986 Kurt Thiim mit dem Rover Vitesse und 1987 Eric van de Poele mit dem BMW M3.

Cecotto, der Alleskönner

Larini, der 1996 außerdem den Bronzerang in der Meisterschaft einfuhr, hält einen der wenigen historischen Rekorde, die nicht Schneider gebühren. Er gewann 1993 zehn von 20 Rennen - so viel wie kein anderer Pilot in einer Saison. Natürlich profitierte der Alfa-Romeo-Star davon, dass damals zwei Wertungsläufe an einem Wochenende ausgetragen wurden. Aber auch in relativen Zahlen bedeutet diese Leistung eine Bestmarke: 50 Prozent Gewinnquote binnen eines Jahres sind nicht mehr übertroffen worden.

Unter die Top 3 der Meisterschaft schafften es noch zwei frühere Stars der Königsklasse: Johnny Cecotto in der Saison 1990 am Steuer eines BMW M3 und Alessandro Nannini 1996 im Alfa Romeo 155 V6 TI. Der Venezolaner, der 13 Laufsiege feierte, ist ganz nebenbei auch der einzige Weltklasse-Motorradfahrer, der es in die DTM schaffte. Ganz nebenbei hat sein Engagement in Deutschland bewirkt, dass sein Sohn Johnny jun., aktuell in der GP2 unterwegs, ein Augsburger wurde.

Nannini und das ganz besondere Comeback

Nanninis 14 Laufsiege in 90 Rennen sind besonders erwähnenswert, schließlich verlor der als kommender Formel-1-Weltmeister gehandelte Italiener bei einem Helikopterabsturz seine rechte Hand, ehe sie in einer neunstündigen Operation wieder angenäht wurde. Das Gefühl kehrte jedoch nie gänzlich zurück. Alfa Romeo baute für Nannini, heute erfolgreicher Gourmet-Kaffeeröster in seiner toskanischen Heimatstadt Siena, das Auto speziell nach seinen Bedürfnissen um. Viele hatten ihn schon abgeschrieben.

Damals war ein sequentielles Getriebe mit einem Hebel zum Schieben und Ziehen Standard. Zweiteres war für Nannini jedoch nicht mehr möglich. Deshalb bekam der Wagen zwei Schalthebel verpasst, die der Fahrer beide nach vorne drücken konnte. Geschichte scheint sich eben doch zu wiederholen, was die Personalien Alex Zanardi und Robert Kubica unterstreichen. Ob der frühere ChampCar-Star und der Pole ähnliche Erfolge geglückt wären, bleibt jedoch im Dunkeln - zumindest vorerst.

Alesi schlägt Häkkinen

Die einzigen Formel-1-Weltmeister, die ein Comeback in der DTM wagten, waren zwei Finnen: Keke Rosberg, für Mercedes und Opel im Einsatz und dabei auch Rennsieger, sowie Mika Häkkinen. Er holte zwischen 2005 und 2007 in der Mercedes C-Klasse insgesamt drei Erfolge, einen davon gleich bei seinem dritten Auftritt auf gewohntem Terrain in Spa-Francorchamps. Als Bestleistung steht Platz fünf in der Gesamtwertung für den Finnen zu Buche. Der beste Rückkehrer in der zweiten Ära der DTM ist er damit aber nicht.

Diese Ehre gebührt auch nicht einem Konkurrenten Häkkinens, den er in der Formel 1 noch locker übertrumpfte. Jean Alesi gewann zwischen 2002 und 2006 ebenfalls für Mercedes vier Rennen, war zweimal Fünfter in der Endabrechnung und schloss die Meisterschaft nie schlechter als auf Rang neun ab. Zudem darf sich der Franzose auf die Fahne schreiben, der einzige Pilot zu sein, der DTM-Rennen in Donington gewann. Bei beiden Gastspielen in Leicestershire stand Alesi ganz oben.

Der abgestürzte Holländer

Bessere Werte verbucht nur Christijan Albers, allerdings nahm seine Karriere einen besonderen Verlauf. Der Holländer verdiente sich seine Lorbeeren vor seinem Formel-1-Intermezzo. An die Ränge zwei und drei in der Meisterschaft sowie fünf Laufsiege, die zwischen 2001 und 2004 glückten, knüpfte Albers bei seiner Rückkehr im Vorjahreswagen 2008 nicht mehr an. Bitter: Damals gab es nicht einmal Punkte und die Karriere auf Topniveau ging vor die Hunde. Immerhin war Albers eine ganze Saison aktiv.

Denn mit Aguri Suzuki, 1996 in Suzuka Mercedes-Gaststarter, war ein Ex-Formel-1-Pilot ein echtes One-Hit-Wonder. Wobei der Begriff "Hit" angesichts Rang 23 wohl relativ ist. Auch Manfred Winkelhock war 1984 auf der AVUS nur an einem Wochenende gemeldet, holte aber sofort Punkte. Längst vergessen: Hinter das Steuer eines BMW 635 CSi klemmte sich der junge Gerhard Berger, ein Jahr nachdem er 1984 in der Königsklasse debütiert hatte. Zolder blieb sein einziger DTM-Auftritt.

Der Franzose Olivier Grouillard und Christian Fittipaldi, ITC-Gaststarter in seiner brasilianischen Heimat, waren 1992 und 1996 echte Wochenendausflügler. Jacques Laffite, zwischen 1990 und 1992 zu insgesamt 34 Rennwochenende für BMW und Mercedes gemeldet, war bei seinem ersten und einzigen DTM-Erfolg so alt wie kein anderer Pilot beim ersten Besuch auf der höchsten Stufe des Podestes. 46 Jahre und 208 Tage zählte der Franzose bei seinem Laufsieg 1990 auf dem Nürburgring.

Fotoquelle: DTM/ITR e.V.

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