Routinier Gary Paffett zählt auch 2013 wieder zu den Topfavoriten auf den Titel

DTM 2013

— 28.04.2013

Paffett und die Rasselbande: "Bin doch kein Fahrlehrer!"

Warum der Ex-Champion mit Formschwankungen bei Mercedes rechnet, er von den Neulingen lernen kann und welche Vorteile der kleinere Kader bringt

Wäre Gary Paffett nicht 2005 mit dem DTM-Titel der große Coup gelungen, ihm würde wohl längst der Ruf des "ewigen Zweiten" vorauseilen. Viermal durfte oder musste sich der Brite bereits Vizemeister nennen. Das Hadern mit Pech und Unfällen des vergangenen Jahres scheint für den 32-Jährigen vorbei. Paffett blickt nach vorne und sieht einer Zukunft entgegen, in der seine fünf Markenkollegen durchweg mindestens acht Jahre jünger sind als er selbst. Zum alten Eisen will er trotzdem nicht zählen.

Frage: "Gary, wie schwierig wird es in der kommenden Saison, mit nur noch sechs Autos um die Meisterschaft zu kämpfen?"
Gary Paffett: "Ich denke nicht, dass es schwieriger wird als bisher. In der Vergangenheit hatten wir bei Mercedes vier HWA-Autos, die konkurrenzfähig waren. Im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass das auf die anderen vier Wagen nicht zutraf, aus welchem Grund auch immer."

"Jetzt sind alle sechs Autos identisch und auf dem gleichen Level. So sollten wir zwei konkurrenzfähige Autos mehr haben. Das Potenzial, um die Spitze zu kämpfen, ist größer als zuvor. Lieber sechs Teilnehmer mit der Chance, das Maximum herauszuholen, als vier weit vorne und vier weit hinten. So gesehen ist es kein Nachteil, sondern bringt uns in eine bessere Position."

Paffett sieht sich als Teamleader

Frage: "Hast du persönlich jetzt mehr Einfluss auf die Entwicklung des Autos?"
Paffett: "Nein, das glaube ich nicht. Das Auto wurde immer mit dem gesamten HWA-Team entwickelt, ganz speziell im vergangenen Winter. Alle vier Fahrer und involviert. Das Testen haben wir uns geteilt, auch Ralf (Schumacher, Anm. d. Red.) ist noch gefahren und hat seinen Input dazugegeben. Wir haben das auf viele Schultern gelegt. Es gilt, einen Boliden für alle Piloten zu bauen und nicht nur für einen einzigen."

"Wir hatten alle einen ähnlichen Eindruck davon, wie sich der Wagen verhält und sehr ähnliche Ideen, was wir von einem Rennauto erwarten. Da gibt es keine großen Unterschiede. Die Tatsache, dass ich der erfahrenste Pilot und schon lange bei Mercedes bin, gibt mir vielleicht etwas mehr Einfluss auf Veränderungen. Aber das liegt wirklich nur daran, dass ich schon so lange dazugehöre."

Frage: "Du siehst dich also als Teamleader?"
Paffett: "Ich denke, das bin ich. Aber ich sage nicht, dass ich besser als jeder andere wäre. Das liegt daran, dass ich mein zehntes Jahr in der DTM angehe. Christian (Vietoris, Anm. d. Red.) hat zwei Saisons hinter sich, Robert und Roberto (Wickens und Merhi, Anm. d. Red.) eine, dazu noch die beiden Neulinge. Da bin ich mit Abstand der Erfahrenste. Die Jungs erwarten von mir, dass ich ihnen die Hand reiche, wenn sie Hilfe brauchen - und das werde ich natürlich auch tun."

Achterbahnfahrt einkalkuliert

"Ich war in der gleichen Situation, als ich zu Mercedes gestoßen bin. Damals war ich 22 Jahre alt, Fahrer wie Bernd Schneider und Jean Alesi waren da. Ich habe von ihnen viel gelernt. Wenn sich die Jungs jetzt etwas von mir abschauen und sich dadurch verbessern, ist das gut. Sie wurden ja nicht umsonst ausgewählt. Viele von ihnen sind Meister in Nachwuchsklassen gewesen, haben selbst Erfolge gefeiert. Sie sind schnell und ich bin mir sicher, dass sie mir ordentlich Druck machen werden. Als Team arbeiten wir im Moment gut zusammen, die Motivation ist hoch."

Frage: "Was kann man von den jungen Wilden also erwarten?"
Paffett: "Es ist so wie immer, wenn es um junge, unerfahrene Piloten geht: Der Speed ist da und sie haben das Zeug dazu, schnell zu sein. Aber man muss abwarten, ob es ihnen schon im ersten Rennen gelingt, das umzusetzen. Es geht darum, konstant zu sein, im Qualifying auf Tempo zu kommen und das Rennen zu managen: die Strategie, die Zweikämpfe, die Boxenstopps und alles andere.

"Es wird seine Zeit brauchen, einigen wird es schneller glücken als anderen. Mein erstes Jahr in der DTM war hart und es gab Höhen und Tiefen. Das könnte sie auch erwarten. Aber wir werden von ihnen gute Leistungen sehen. Wo sie in der Meisterschaft mitmischen werden? Das ist die große Frage."

Auch von Rookies kann man lernen

Frage: "Musstest du viele Fragen beantworten?"
Paffett: "Ehrlich gesagt ist es nicht so, dass sie eine Liste machen würden. Wir haben drei oder vier Tests zusammen absolviert. An diesen Tagen sind wir zusammengekommen, oder als wir die Fitnesswoche gemeinsam verbracht haben. Da spricht man miteinander. Ganz allgemein. So sammelt man Informationen. Ich gebe ja keine Fahrstunden! Sie wollen lernen, aber auf der anderen Seite sind sie selbst hochtalentierte Rennfahrer, die nicht ständig um Hilfe bitten müssen."

"Sie können stolz darauf sein, was sie tun. Ich helfe ihnen dann, so gut ich kann. Sie holen schnell auf. Man lernt immer davon, wenn man die Daten anderer Fahrer studiert. Das ist bei mir nicht anders. Sie sind zwar Neulinge. Aber jeder, der etwas auch nur ein bisschen anders macht, eine etwas andere Linie fährt... Ich versuche, das aufzunehmen und auch ein paar Zeitspäne zu finden. Wir lernen also voneinander."

Frage: "Vermisst du die alten Recken wie Jamie oder Ralf?"
Paffett: "Sie sind klasse Typen. Jetzt ist die Situation eine andere als zuvor, aber es ist schwierig zu sagen, ob man jemanden vermisst oder nicht. Jamie ist ein großartiger Fahrer und war mit mir über weite Strecken der vergangenen Saison an der Spitze. Wir hatten einige gute Kämpfe, die Spaß gemacht haben. Wir haben derzeit ein gutes Team und sollten nach vorne schauen."

Wer zuletzt lacht, lacht am Besten

"Mercedes macht einen großartigen Job bei der Ausbildung junger Fahrer, in diesem Jahr haben wir mehr als geplant. Aber so arbeiten die Verantwortlichen hier - glücklicherweise. Auch ich bin zu Mercedes' DTM-Projekt gestoßen, als ich jung war. Das gilt auch für Jamie, für Bruno Spengler und für Paul di Resta. Die jungen Piloten haben also aller Voraussicht nach eine vielversprechende Zukunft vor sich."

Frage: "Was ist dein Saisonziel?"
Paffett: (lacht) "Es gab da die Forderung, dass die Meisterschaft nach neun Rennen enden sollte. Mein Ziel ist es, die Tabelle nach nur einem Lauf anzuführen und das ist hoffentlich das letzte des Jahres. Wir brauchen einen guten Start. Ich erwarte keinen so guten Auftakt wie in der vergangenen Saison. Das halte ich nicht für möglich. Das waren vier unglaubliche Rennen und es wird schwierig, das zu wiederholen. Aber wenn wir ordentlich Punkte holen, haben wir eine gute Basis."

"Das Auto war in der vergangenen Saison gut und weil es im Reglement nur wenige Änderungen gab, sollten wir daran anknüpfen können. Wir könnten sehr wettbewerbsfähig sein. Es geht darum, die Arithmetik des DRS und der Option-Reifen zu verstehen. Das müssen wir schaffen, obwohl die Testeinschränkungen es nicht einfacher machen, das Auto vorzubereiten. Es wird interessant, denn es gibt trotzdem genügend Veränderungen im Vergleich zu 2012. Mit Sicherheit genug, um die Sache spannend zu machen."

Fotoquelle: Msp.lu

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