Wie schon 2011 ist der Caipirinha-Audi der Dienstagen des DTM-Champions

DTM 2013

— 29.09.2013

Zandvoort: Farfus siegt, "Rocky" feiert den Titel

Audi-Pilot Mike Rockenfeller sichert sich vorzeitig den DTM-Titel: Platz zwei hinter Widersacher Augusto Farfus in Zandvoort - Folgt eine Untersuchung?

Am heutigen Sonntag um 14:45 Uhr ist die Entscheidung um die Meisterschaft in der DTM 2013 gefallen - oder vielleicht doch nicht? Im vorletzten Rennen des Jahres in Zandvoort holte Favorit Mike Rockenfeller nach spannenden 44 Runden in den niederländischen Dünen Platz zwei hinter BMW-Pilot Augusto Farfus. Der Brasilianer konnte gemeinsam mit seinen Markenkollegen nicht verhindern, dass "Rocky" mit 26 Punkten Vorsprung nach Hockenheim reist und somit nicht mehr einholbar ist.

"Es fällt eine große Last von meinen Schultern. Unfassbar", jubelt der vermeintlich neue Champion nach seiner Fahrt auf Rang zwei. "Super, was für ein Jahr. Danke an euch alle!" Der Jubel im Lager von Audi war groß, die Verärgerung in Reihen von BMW sicht- und spürbar. Warum? Rockenfeller war beim Start des Rennens sehr schnell weggekommen. Es gab zunächst eine Untersuchung, aber die Rennleitung konnte keinen Frühstart feststellen.

"Dass wir das Rennen gewonnen haben, freut mich natürlich. Ob die Meisterschaft schon entschieden ist, das würde ich noch nicht unterschreiben. Das sah nach Frühstart aus. Das werden wir uns nochmal anschauen", kündigt BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt einen Besuch bei den Rennkommissaren an. Fällt die Entscheidung womöglich doch erst in Hockenheim, weil Rockenfeller nachträglich bestraft wird? Eine Entscheidung am grünen Tisch, die die DTM in kein gutes Licht rückt? "Es geht um zu viel", erklärt Marquardt.

Frühstart von Rockenfeller?

Mit einem Aufreger begann die Jagd in Zandvoort. Beim Start zuckte der Audi RS5 von Rockenfeller verdächtig früh. Auf den Monitoren leuchtete die Startnummer 19 und der Text "under investigation" auf. Die Zeitlupen ließen erahnen, dass der Phoenix-Pilot einen Traumstart hingelegt hatte - null Reaktionszeit, während die Gegner eine Weile brauchten, um in Gang zu kommen. Entsprechend wurde entschieden: keine Strafe. Jubel der Erleichterung brach an der Phoenix-Box aus. Das Rennen konnte richtig beginnen.

Wie erwartet ließ Polemann Marco Wittmann, der auf den härteren Standardreifen gestartet war, seinen Markenkollegen und Titelkandidaten Augusto Farfus auf den ersten Metern zur Tarzan-Kurve sofort den Vortritt. Rockenfeller konnte sich auf den Optionsreifen nach seinem Raketenstart ebenfalls neben den BMW-Rookie zwängen, aber er kam nicht sofort vorbei, sondern erst im dritten Sektor. Bis dorthin hatte sich Farfus vorne schon ausreichend Luft verschafft.

Der Brasilianer zog in den ersten Runden einsam seine Kreise, baute den Vorsprung auf Rockenfeller konsequent aus. Nach acht Runden bauten die weichen Pneus am BMW von Farfus jedoch rapide ab. Vor allem am Heck verlor der M3 immer mehr Grip. Rockenfeller konnte sich innerhalb von drei Runden heranfahren, der führende Konkurrent ging schnell an die Box, um nicht Opfer seiner verschlissenen Pneus zu werden. Der Audi-Pilot wechselte zwei Runden später auf die Standardgummis.

Scheider und Wittmann als Helfer

Auf der härteren Mischung ging bei Rockenfeller zunächst gar nichts. "Ich habe wildes Übersteuern", so die Klagen im Funk. Aber einigen anderen erging es ähnlich. Nur Farfus nicht, der fortan ein beeindruckendes Tempo zeigen konnte und sich an der Spitze um bis zu 15 Sekunden absetzte. Bis zur zweiten Runde der Boxenstopps waren die Positionen an der Spitze fest bezogen, dann jedoch gab es ein Spannungs-Schmankerl der besonderen Art.

Timo Scheider, der zunächst rundenlang am Auspuff des drittplatzierten Wittmann gehangen hatte, kam nach seinem zweiten Service plötzlich nicht nur vor dem BMW-Polemann, sondern auch vor Rockenfeller zurück auf die Strecke. In jener Konstellation wäre die Meisterschaftsentscheidung nicht vorzeitig gefallen. Scheider, der womöglich Siegchancen gehabt hätte, musste sich in den Dienst der Rockenfeller-Sache stellen. Ein erster Aufruf zum Positionstausch wurde vom zweimaligen Meister ignoriert. Erst als Abt-Technikleiter Albert Deuring mit Nachdruck darauf hinwies, das Scheider bitte schauen soll, wer hinter ihm fährt, machte der Wahl-Österreicher Platz für seinen Markenkollegen.

Damit war der Weg für Rockenfeller zu Platz zwei wieder frei - vorerst jedenfalls. Nach 39 von 44 Runden kam noch einmal Chaos in die Dünen. Jamie Green und Dirk Werner waren sich bei der Anfahrt zum Audi-S nicht einig. Für den BMW-Piloten ging es im wilden Dreher in den Kies. Das Safety-Car kam auf die Strecke. Der Vorsprung von Farfus an der Spitze war somit weg, der Rückstand von Wittmann auf Scheider und Rockenfeller allerdings auch.

Drei lange Runden schlichen die DTM-Autos hinter dem Safety-Car um den Kurs. Die Bergung des M3 von Werner war nicht das Problem, sondern die Experimentierfreudigkeit eines niederländischen Streckenpostens. Der Marschall zog vor der Bergung des BMW erst einmal am Auslöser des Feuerlöschers. Werner wurde in seinem Cockpit benebelt. Ein Krankenwagen wurde vorsichtshalber zum Ort des Geschehens geschickt. Nach kurzer Zeit Entwarnung: Werner okay, die Strecke wieder frei.

Farfus: der Rennsieger als fairer Sportsmann

Im kurzen Sprint bis zur Zieldurchfahrt konnten die erst drei Piloten ihre Positionen halten: Farfus vor Rockenfeller und Scheider. Dahinter nutzte jedoch Mattias Ekström die Stärke seiner Optionsreifen. Der Schwede schoss sich auf den letzten Metern noch von Rang acht auf Platz vier nach vorne und verdrängte kurz vor dem Ende Polesetter Wittmann auf Rang fünf. Dahinter folgten Adrien Tambay (Audi), Joey Hand (BMW), Filipe Albuquerue (Audi) und Gary Paffett als bester Mercedes-Vertreter. Miguel Molina (Audi) holte als Zehnter noch einen Punkt.

Einen Sonntag der üblen Sorte erwischte Timo Glock. Der BMW-Star konnte in der Frühphase auf seinen Optionsreifen bestens mithalten. Der Ex-Formel-1-Pilot fuhr phasenweise auf dem guten sechsten Rang. Nach dem Wechsel auf die härteren Standardgummis ging dann gar nichts mehr. Glock konnte das Tempo der Konkurrenz nicht mitgehen und wurde letztlich bis auf Rang 18 zurückgereicht. Der noch amtierende Champion Bruno Spengler wurde sogar nur 20.

Bei BMW freute man sich zwar über den Sieg von Farfus, aber der Jubel aus den Audi-Garagen übertönte dies deutlich. "Unglaublich. Es war eine schwierige Saison. Wir mussten wegen Farfus nochmal alles geben", erklärt Phoenix-Teamchef Ernst Moser. Der Schwabe, dessen Mannschaft 2011 den Titel mit Martin Tomczyk geholt hatte, mit Tränen in den Augen: "Dieser Erfolg ist viel mehr wert als der erste. Er erste war vielleicht Zufall. Aber jetzt haben wir uns das hart erkämpft."

"Mike hat es verdient, er hat in der gesamten Saison tolle Leistungen gebracht. Ich habe alles versucht. Ich habe einen weiteren Sieg eingefahren. Das war es. Auf die Ergebnisse der anderen habe ich keinen Einfluss", zeigt sich Farfus nach dem verlorenen Titelduell als fairer Sportsmann. Der Brasilianer kann sich trösten. "Ich bin im zweiten Jahr in der DTM. Was will ich eigentlich mehr?" Vielleicht ist der Traum vom Titel nicht ausgeträumt. Gegen Rockenfeller könnte nicht nur wegen des vermeintlichen Frühstarts, sondern auch wegen einer gefährlichen Aktion in der Box (Beinahe-Kollision mit Joey Hand) noch eine Strafe folgen.

Fotoquelle: xpbimages.com

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