Mike Rockenfeller in der Stunde des Triumphes: "So hatte ich es mir vorgestellt"

DTM 2013

— 29.09.2013

Erlöster Rockenfeller: "Es fiel eine Last von mir"

Der frisch gebackene DTM-Champion spricht über seine Emotionen und den Stellenwert des Titels in seiner Karriere: "Es war noch nie so schwierig"

Es war ein Moment, von dem wird Mike Rockenfeller noch seinen Urenkel berichten, wenn er im Schaukelstuhl sitzt. Als der Audi-Pilot am Sonntag in Zandvoort als Zweiter über die Linie fuhr, war sein erster DTM-Titel perfekt. Hatte er sich diese Szene nach vielen Wochen, in denen er als designierter Champion gehandelt wurde, ausgemalt? "Ja, klar", sagt der Audi-Held im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Es sah aus wie jetzt. Aber solche Dinge kann man eigentlich gar nicht planen."

Kaum zwei Stunden nach dem Rennen sind die Gefühle konfus und frisch. In der Audi-Hospitality sitzt der gleiche Rockenfeller wie am Morgen beim Frühstück, aber eben als frisch gebackener DTM-Champion. "Da ich noch keine Ruhe oder einen Moment für mich hatte, konnte ich es nicht sacken lassen", erklärt der 29-Jährige, der sich erst von seinem Team zwischen den Trucks mit Champagner und Gesängen hatte feiern lassen, dann einen Interview-Marathon hinter sich zu bringen hatte.

Intensiv war die Gefühlslage dennoch, als er mit dem RS 5 DTM ein letztes Mal um den Kurs in Zandvoort rollte. "In der Auslaufrunde nach dem Rennen habe ich gemerkt, was für eine Last von mir gefallen ist und wie ich dafür gekämpft habe." Dennoch fällt es Rockenfeller nicht leicht, den Erfolg einzuordnen: "Schwierig", grübelt er und erinnert sich an die Meilensteine seiner Laufbahn, die meistens 24 Stunden dauerten: "Der Le-Mans-Sieg war etwas Besonders, Daytona war für mich auch toll."

Schon zuvor "reif" gewesen

Der große Coup im Tourenwagen bedeutete eine Erlösung: "Die DTM zu gewinnen war das, worauf ich immer gehofft habe. Ich bin stolz" Seit 2007 fährt Rockenfeller in der Serie. In der vergangenen Saison war er bester Audi-Pilot, aber noch nie so wirklich nahe dran am Triumph. "Ich war auch zwei Jahre vorher schon reif dafür", entgegnet der Pfälzer, der seine persönliche Entwicklung nicht für den Durchbruch verantwortlich machen will. "Es ist eine Kombination aus dem Auto, dem Team und den Umständen."

Wenn überhaupt, dann führt Rockenfeller an, dass er sich nur auf die DTM konzentriert und seine Sportwagen-Ambitionen hinten angestellt habe. "Vielleicht. Da gibt es viele Dinge, die eine Rolle spielten." An Erfahrung gewonnen zu haben, streitet der Champion nicht ab: "Man lernt immer dazu, das ist auch klar. Von meiner Einstellung und meiner Herangehensweise habe ich aber nichts anders gemacht." Trotzdem war die Hürde 2013 besonders hoch: Jahreswagen gibt es nicht mehr, Quotenfrauen und PR-wirksame Formel-1-Rentner sind verschwunden, das Leistungsniveau ist völlig ausgeglichen.

Le-Mans-Crash: Wachgerüttelt, aber nicht verändert

Rockenfeller weiß, was für ein hartes Stück Arbeit der Titel war: "Jeder Meister ist verdienter Meister. Aber seit ich DTM fahre, war es noch nie so schwierig", blickt er zurück und streicht die Merkmale einer Einheitsserie heraus: "Es gibt nur Topfahrer, alle haben das gleiche Material. Deshalb bin ich froh, dass ich es ausgerechnet in diesem Jahr geschafft habe." Er genießt den Titel in vollen Zügen. Obwohl Rockenfeller sagt, sein schwerer Crash in Le Mans 2011 habe für ihn "gar nichts verändert", scheint der Vorfall doch im Hinterkopf zu spuken.

Er wird etwas nachdenklich, wenn es um seine Lehren geht: "Es wird einem bewusst, wie schnell sich ein Leben verändern kann, auch im Motorsport." Gleich darauf relativiert er aber: "Mehr war es aber nicht. Es ist eine Lebensgeschichte, bei der man wachgerüttelt wird, einige Dinge lieber früher zu machen als hinten raus zu schieben." Gut, dass Rockenfeller die Sache mit dem DTM-Titel erledigt hat und sich 2014 vielleicht auf zu neuen Ufern machen kann. Oder eben genau da weitermacht, wo er aufgehört hat.

Fotoquelle: xpbimages.com

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