Robert Wickens und Christian Vietoris jubelten am Nürburgring gemeinsam

DTM 2013

— 11.10.2013

Vietoris & Wickens: Note Zwei bei "Jugend forscht"

Die Mercedes-Youngster ziehen eine positive Saisonbilanz mit Makeln und schlugen so manchem Routinier ein Schnippchen: Sogar vom Titel durften sie träumen

Fünf Piloten mit vier Jahren DTM-Erfahrung und keinem einzigen Podestplatz auf der Habenseite: Mercedes ging mit seinem Junior-Team an der Seite von Routinier Gary Paffett vor der Saison 2013 ein großes Risiko ein. Sechs Monate später hat sich die Sache zumindest im Fall von Christian Vietoris und Robert Wickens als Glücksgriff herausgestellt. Das deutsch-kanadische HWA-Duo kämpft beim Finale in Hockenheim um den dritten Rang in der Fahrer-Gesamtwertung und die Teamkrone.

Die ehrgeizigen Youngster gehen mit ihren Leistungen kritisch um: "Das ist ein Zwiespalt", sagt der 24-jährige Vietoris im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' über seine Saisonbilanz, die mit Höhen und Tiefen aufwartet. Da wären vier Podestbesuche, eine Pole-Position am Lausitzring und siebenmal Punkte in acht Rennen, aber auch zwei bittere Nullrunden im Herbst, die die Titelsuppe versalzten. "Natürlich bin ich ganz zufrieden. Es war grundsätzlich eine sehr positive Saison. Wenn man aber so lange vorne dabei ist, ist es ärgerlich, nicht bis zum Schluss um die Meisterschaft zu kämpfen."

Allerdings gelang das auch nicht dem ehemals designierten Teamleader Paffett, der als Gesamt-Sechster nur die dritte Geige bei Mercedes spielt - ausschließlich die nackten Zahlen betrachtet. Einer, der dem Ex-Meister auf der Nase herumtanzte, war Wickens. Er hat im Motorhome deshalb keine Luftschlangen verteilt. "Ja und nein", antwortet der 24-Jährige auf die Frage von 'Motorsport-Total.com', ob 2013 mit seinen Erwartungen korrespondiert hätte: "Das Ziel war es, einen Sieg zu holen und mehr als einmal auf dem Podest zu stehen." Dahinter gibt es einen dicken Haken.

Nur zwei Youngster unter den Top 7

Denn gemessen an diesen Vorgaben dürfte Wickens seit dem Premierensieg auf dem Nürburgring, Podien in Brands Hatch und auf dem Norisring samt Pole-Position die Korken knallen lassen. Doch das Lastenheft hat Überlänge. "Ich wollte auch in jedem Rennen Zähler holen, was mir nicht gelungen ist. Wer die Meisterschaft will, muss immer punkten." Der Titel ist für einen Piloten in seinem zweiten Jahr kein bescheidenes Ziel. Seit der DTM-Neuauflage ist das Kunststück niemandem gelungen. Paffet war 2005 in seiner dritten Saison der "unerfahrenste" Champion.

Doch es ist dieser Biss, der die Mercedes-Junioren auszeichnet. Ohne gut gefüllte Vitrine gibt es für die Zukunftshoffnungen Luft nach oben: Schulnoten für die Saison? "Eine Zwei. Wenn es am nächsten Wochenende noch nach hinten geht, dann ein bisschen schlechter", schätzt Vietoris mit Blick auf den Kampf um Rang drei in der Meisterschaft, der im schlechtesten Fall auf dem siebten endet. Wickens, derzeit Vierter und nur einen Punkt hinter Vietoris, schließt sich mit der US-amerikanischen Entsprechung an: "Vielleicht Note B? Ich war stark, manchmal sehr stark."

Unter eben diesen sieben Piloten, die die Spitze der Gesamtwertung formen, sind die beiden das junge Gemüse. Kein anderer Edelmetallkandidat bleibt im Kalenderjahr unter der 30-Jahre-Marke. Spielt Routine also eine so große Rolle in der DTM? Vietoris zeigt sich skeptisch: "Dieses Junior-Team wurde am Anfang in den Medien viel diskutiert. Aber als Fahrer beschäftigt man sich damit nicht. Es zählt, was man im jeweiligen Auto leistet." Der Gönnersdorfer findet: "Ob man fünf Jahre dabei ist oder eines, macht nicht den großen Unterschied."

Auch Wittmann und Tambay im Rampenlicht

Wickens ist vor dem Hintergrund von nur noch 90 Minuten Freiem Training am Rennwochenende unentschlossen: "Es gibt einen Vorteil für erfahrene Piloten, aber das hat nichts mit dem Lernen der Strecke zu tun. Es geht darum, dass man das Auto bestmöglich für das Qualifying abstimmt und das Team kennt", erklärt er. "Wenn man am Anfang steht, dann versucht man zu kapieren, wie alles läuft." Als Indiz dafür, dass der Erfahrungsschatz nicht alles ist, darf die Tatsache gelten, dass Nachwuchskräfte der anderen Hersteller ebenfalls für Glanzlichter sorgten.

Bei BMW ließ Neuling Marco Wittmann - einziger Münchener in seinen Zwanzigern - mit dem zweiten Platz in Spielberg aufhorchen und sorgte mit der Pole-Position in Zandvoort für den nächsten Paukenschlag. Audis Adrien Tambay punktete nach der Sommerpause bei vier Wertungsläufen in Serie. Der restliche Mercedes-Juniorkader sammelte mehrmals Punkte, wobei der hitzköpfige Roberto Merhi mit dem Preisgeld seine üppige Ersatzteilrechnung wohl nicht wird begleichen können. Immerhin darf sich der Spanier über gute Stimmung freuen.

Vietoris und Wickens sind angetan von der Kollegialität unter den Jungspunden: "Wir haben einen guten Teamgeist und einen regen Austausch, gerade mit Robert", versichert der Deutsche, der mit der übrigen Truppe schon mal gemeinsam den Golfschläger schwingt oder im Vorfeld der Rennen etwas anderes unternimmt. "Es war ein cooler Kader in diesem Jahr", findet Vietoris.

Fotoquelle: xpbimages.com

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