Jamie Green lässt die Reifen wechseln: Das dauert maximal vier Sekunden

DTM 2013

— 20.10.2013

Dauerbaustelle Reglement: Fallen die Pflichtboxenstopps?

Der Vorschrift von zwei Besuchen bei der Crew droht 2014 das Aus, die DTM-Verantwortlichen wollen aber nicht ohne Stoppsauskommen - Hankook gefragt?

Die DTM hat sich in der Saison 2013 zu einem Strategieschach entwickelt: Option-Reifen und das Drag-Reduction-System (DRS) haben die taktischen Möglichkeiten für die Teams potenziert, nur eines zwängt sie noch ein Korsett: Artikel 39 des sportlichen Reglements oder anders ausgedrückt die Pflichtboxentstopps. Nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' könnte die Bastion in der kommenden Saison fallen. Offenbar wird hinter den Kulissen überlegt, die Reifenstrategie komplett freizugeben.

Wäre das der Fall, würde auch die Pflicht entfallen, beide Mischungen - Standard und Option - im Rennen zu nutzen. Ein Pilot könnte also auf den Standardpneus starten und durchfahren. Dieter Gass ist skeptisch, wenn es um solche Überlegungen geht: "Ich finde das Rennformat persönlich ganz gut, wie es ist", sagt er 'Motorsport-Total.com'. Dem Audi-Rennleiter ist nicht entgangen, dass die DTM bei den Fans zuletzt einen schwierigen Stand hatte: "Wir müssen aufpassen mit zu vielen Änderungen. Ich wünsche mir marginale."

Gass fragt sich: "Warum ist Fußball so erfolgreich? Weil die seit hundert Jahren mit den gleichen Regeln arbeiten. Das darf man nicht ignorieren." Es bestünde die Gefahr, langjährige Fans abzuhängen, ohne damit einen Mehrwert zu generieren. Rennen ganz ohne Boxenstopps will sich Jens Marquardt nicht vorstellen: "Was fasziniert und was ist spektakulär? Was finden die Leute toll?", fragt sich der BMW-Motorsportchef. Ihm persönliche hat es offenbar das eingespielte Crew-Ballett angetan.

Diktiert bald der Reifen die Pflicht?

Schließlich sind nicht nur laut Audi-Technikchef Stefan Aicher die Stopps in der DTM aufwendiger und ausgefeilter als in der Formel 1. Marquardt meint: "Wenn an einem Auto mit geschlossenen Radhäusern die Truppe in drei Sekunden, oder teilweise sogar darunter, vier Räder wechselt, dann finde ich das ein ganz ordentliches Spektakel." Außerdem sei es eine Möglichkeit für die stillen Arbeiter in den Garagen, sich zu zeigen und am Erfolg oder Misserfolg ihres Piloten mit einer zusätzlichen eigenen Leistung teilzuhaben.

Allerdings: Braucht es dafür eine Reglementpassus? Schließlich ist in der Königsklasse auch nichts vorgeschrieben, sondern die Haltbarkeit der Reifen diktiert den Rhythmus. Das Material von Hankook hatte sich dagegen als extrem haltbar erwiesen, wenn nicht sogar zu haltbar erwiesen. Gass fordert: "Man sollte sich ansehen, ob die Fenster optimal sind." Zuletzt war es auf die komplette Renndistanz, abgesehen von den ersten und den letzten drei Runden, ausgedehnt worden. Teilweise hatte das zu einem wilden Durcheinander geführt.

Nachtanken gehört der Vergangenheit an

Der frisch gebackene DTM-Champion Mike Rockenfeller warnt im Gespräch mit 'Spox': "Wir sollten aufpassen, dass die Autos in den Rennen nicht zu sehr auseinander gezogen werden. Die Zuschauer wollen Zweikämpfe sehen. Auch die Fahrer lieben die Action." Den Status Quo nennt er nicht optimal und regt an, das System mit zwei Pflichtboxenstopps und die Darstellung in den Medien zu überdenken. "Außerdem muss sich das Fernsehen noch besser auf die Änderungen einstellen", ergänzt der 29-Jährige.

Schließlich führen unterschiedliche Strategien dazu, dass Piloten ohne Pflichtboxenstopp bis zu 50 Sekunden vor Kontrahenten liegen, die den Halt zweimal erledigt haben - bereinigt aber eigentlich dahinter rangieren. So gesehen hat das Nachtankverbot vor einigen Jahren einen Zweck erfüllt. Für Marquardt ist das ohnehin ein Punkt, an dem das Streben nach Action aufhören sollte. "Das Spektakel, wenn eine Tankkanne durch die Boxengasse fliegt oder irgendwo ein Auto mit Feuer herumfährt, braucht kein Mensch. Aber ich finde Boxenstopps eine schöne Geschichte."

Fotoquelle: xpbimages.com

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