DTM-Champion 1990 und heute DMSB-Präsident: "Strietzel" Stuck

DTM 2014

— 11.03.2014

"Strietzel, lass die Sau raus!"

Er hätte 1984 beinahe das erste DTM-Rennen gewonnen, holte später mit Audi den Titel und war ein Publikumsliebling: Hans-Joachim "Strietzel" Stuck im Interview

Er führte bis zwei Runden vor Schluss. Stand kurz davor, der erste DTM-Rennsieger zu werden. Doch dann verlor Hans-Joachim "Strietzel" Stuck auf Platz eins liegend ein Vorderrad und schied aus. Das erste DTM-Rennen in Zolder 1984 gewann er also nicht, wohl aber 1990 den Fahrertitel in der DTM. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht Stuck über seine Zeit in der Meisterschaft, ganz besondere Momente, überraschende Erkenntnisse und auch über den aktuellen Zustand der DTM.

Frage: "Herr Stuck, 30 Jahre DTM. Was fällt Ihnen als Erstes dazu ein?"
Hans-Joachim Stuck: "30 Jahre spannender, abwechslungsreicher, super Tourenwagen-Sport."

Frage: "Sie selbst waren maßgeblich an der DTM beteiligt. Ich denke da an Ihren Meistertitel in der Saison 1990, aber auch an das erste Rennen 1984, in dem sie gewissermaßen der tragische Held waren. Sie haben bis zwei Runden vor Schluss geführt..."
Stuck: "Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich zwei Runden vor Schluss ausgefallen bin. Aber was da genau passiert ist, daran kann ich mich nicht mehr im Einzelnen erinnern."

Frage: "Vielleicht können Sie uns aber ein bisschen schildern, wie die Atmosphäre und die Stimmung in der 'Gründerzeit' der DTM waren?"
Stuck: "Das war eine tolle Zeit. Auch, weil der Bezug zur Marke da war. Es war natürlich schon von Anfang an eine relativ große Fangemeinde vorhanden, sowohl auf die Autos als auch auf die Fahrer bezogen. Damals waren schließlich etliche deutsche Fahrer dabei."

"Für mich waren aber die Saisons 1990 und 1991 der Höhepunkt schlechthin. Mit Audi damals, das war unglaublich. Da war in jeder Hinsicht Action geboten, sowohl auf der Strecke als auch auf den Tribünen. Als Fahrer hast du das natürlich sehr genossen. Du kamst in Hockenheim ins Motodrom und da flogen die Böller hoch. Es waren Spruchbänder da mit 'Strietzel, lass die Sau raus!' oder 'Herr der Ringe'. Daran kann ich mich gut erinnern. Das habe ich wirklich in bester Erinnerung."

Anekdoten aus dem Hartwald von Hockenheim

Frage: "Was war Ihr persönlicher Höhepunkt? Der Meistertitel 1990?"
Stuck: "Ja. Mit Sicherheit das letzte Rennen in Hockenheim, wo es um den Meistertitel ging. Und, das muss man auch mal wieder erzählen, obwohl es Michael Schumacher derzeit ja leider nicht so gut geht, damals war Michael Schumacher am letzten Rennwochenende direkt beteiligt. Er hat es mir leichter gemacht."

"Zwischen mir und Cecotto ging es um die Wurst. Und Michael Schumacher ging in einem Mercedes an den Start, stand im Training irgendwo auf Platz 15 oder dergleichen. Beim Start hat er in der ersten Kurve rechts durch die Wiese abgekürzt. Als er wieder auf die Strecke zurückkam, hat er Cecotto abgeschossen. Damit war ich schon Meister, musste nur noch zu Ende fahren. Das hat es mir relativ einfach gemacht."

"Es gibt da aber auch noch eine Geschichte aus dem zweiten Lauf, die ebenfalls nicht so sehr bekannt ist. Es kam nämlich erst viel später raus. Es war in der letzten Rennrunde geschehen. In der damaligen ersten Schikane im Wald war jemand abgeflogen und hatte Steinchen auf die Fahrbahn geschleudert. Und wie ich da drüberfuhr, traten an meinem Auto plötzlich ganz seltsame Geräusche auf."

"Ich dachte nur: 'Was ist das denn jetzt?' Ich fuhr aber zu Ende. Es war ja nur noch eine Dreiviertelrunde. Dann kam die Siegesfeier und dergleichen. Und zwei Tage später ruft mich Franz Braun, unser damaliger Werkstattleiter bei Audi an und sagt: 'Du, Stucki, wenn du mal Zeit hast, komm mal zu mir in die Werkstatt, ich zeig' dir was.'"

"Ein großes Steinchen hatte sich zwischen die Kardanwelle und den Kardantunnel geklemmt und begonnen, die Welle durchzuschleifen. Braun meinte damals: Noch eine Runde und die Welle wäre durch gewesen. Ich wäre ausgefallen und nicht Meister geworden. Das muss man sich mal vorstellen."

Die aktuelle DTM besticht durch Chancengleichheit

Frage: "Geschichten, wie sie der Motorsport schreibt..."
Stuck: "Ja, genau. Das war natürlich eine Geschichte, von der ich erst hinterher erfahren habe. Da gab es dann noch einmal Gänsehaut. Die Saison 1990 war jedenfalls klasse emotional, mit den ganzen Gewichten, immer rein und allem. Das war ein tolles Jahr, muss ich sagen."

Frage: "Wenn Sie die einzelnen Ären der DTM, also die 1980er-, die 1990er-, die 2000er-Jahre und die Neuzeit seit 2012 miteinander vergleichen, welcher Abschnitt ist denn Ihr persönlicher Favorit?"
Stuck: "Ich empfinde die Jetzt-Zeit als unheimlich spannend."

"Es herrscht einfach eine unglaubliche Chancengleichheit unter den drei Herstellern. Es wird um jede Hundertstelsekunde extrem gekämpft, sowohl von der Fahrerseite als auch von der Teamseite über die Taktik als auch von den Herstellern selbst. Es geht darum, das Auto wirklich auf den Punkt zu bringen. Denn die Unterschiede sind so marginal, dass am Ende nur das beste Gesamtpaket gewinnt. Das macht es so spannend."

Frage: "Das unterscheidet die aktuelle DTM aber von der 'Gründerzeit' der 1980er-Jahren, als das Feld noch aus vielen Privatfahrern bestand. Nun ist die DTM ein reiner Werkssport. Ist diese Entwicklung, die der Sport genommen hat, zu begrüßen?"
Stuck: "Die ist auf jeden Fall zu begrüßen. Mit Sicherheit. Wissen Sie: Es ist immer schwierig, die Rennsport-Meisterschaften, die schon lange zurückliegen, mit der heutigen Zeit zu vergleichen. Ich sage immer: Man kann heute auch nicht mit einem Jumbo auf einer Grasnarbe landen. Das geht auch nicht."

"Es war eine andere Zeit, man musste andere Aufgaben meistern. Die Protagonisten sind zwar teilweise noch die gleichen, aber auch die haben sich verändert. Es geht nun um andere Dinge. Für mich ist die aktuelle Zeit in jedem Fall die spannendste und auch die beste. Und ich bin keiner, der gern zurückblickt. Ich schaue lieber nach vorn."

Frage: "Gibt es etwas, was die DTM noch besser machen kann, als sie es ohnehin schon tut?"
Stuck: "Man muss eines festhalten: Das Rad darf nie stillstehen. Man muss immer an den Dingen arbeiten, muss schauen, dass es weitergeht."

"Ich würde sagen: Wir haben mit der DTM eine fantastische, wenn nicht die beste Tourenwagen-Serie der Welt. Auf jeden Fall. Die ITR und die drei Hersteller sowie der DMSB, der für das technische Reglement verantwortlich ist, müssen mit allen Mitteln daran arbeiten, um das noch zu optimieren. Aber wir sind nicht weit weg vom perfekten Zustand. Das darf man sagen."

Fotoquelle: DMSB

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