DTM-Medientag in Hockenheim

DTM 2014

— 15.04.2014

Was an einem DTM-Testtag passiert

Der Rennfahrer als Roboter: Warum Testfahrten für die Piloten sehr anspruchsvoll sind, was dabei zu tun ist und was bei DTM-Probefahrten vor sich geht

Einfach nur Runden abspulen, stundenlang im Kreis fahren. Das ist, was bei Motorsport-Testfahrten zu passieren scheint. Doch so einfach ist es natürlich nicht. Aber was geht denn nun wirklich vor sich, wenn die ITR zu den offiziellen DTM-Vorsaison-Tests einlädt und die DTM-Teams für jeweils vier Tage auf die Strecke gehen? Und was heißt das für die Fahrer, die eigentlich nur Rennen fahren wollen?

Antwort: Arbeit. Richtig viel Arbeit. Denn an einem Testtag legen die Piloten meist mehr Runden zurück als an einem gesamten Rennwochenende. Und sie sind ganztags gefordert, wie Audi-Fahrer Timo Scheider bei 'Motorsport-Total.com' erklärt: "Ein Testtag beginnt sehr früh - mit dem ersten Meeting um 7:30 Uhr." Bevor sich also nur ein Rad dreht, wird erst einmal der Tagesablauf besprochen.

Die Themen bei einem solchen Meeting: Was ist zu tun? Wann ist es zu tun? Und was wollen wir damit erreichen? All dies mündet in eine ausführliche To-Do-Liste. "Auf diesem Tagesplan stehen dann die wichtigsten Punkte, die du abarbeiten willst", sagt Scheiders Audi-Markenkollege Jamie Green. Und mit diesem roten Faden im Hinterkopf wird es endlich praktisch für die Rennfahrer.

Konstanz ist das A und O beim Testen

Der Tag auf der Strecke beginnt dann gewissermaßen mit einem "Warmup". Wichtig vor allem, wenn die Piloten gerade die lange Winterpause hinter sich gebracht haben. Es gilt, erst einmal ein Gefühl für das Auto aufzubauen, sich noch einmal mit der Teststrecke vertraut zu machen. "Du solltest nämlich auf ein gewisses Niveau gelangen", meint Green. Denn nur mit Konstanz lässt sich sinnvoll testen.

Das ist, so Green weiter, die Grundvoraussetzung für die Arbeit mit dem Team. "Nur so kannst du unterschiedliche Setups und verschiedene Teile miteinander vergleichen. Du willst feststellen, was für einen Effekt es hat, was eine Änderung bewirkt. Unterm Strich hoffst du natürlich darauf, etwas zu finden, das dein Auto schneller macht. Das ist das große Ziel beim Testen", erklärt der Audi-Fahrer.

Oder wie es sein Markenkollege Scheider ausdrückt: "Du versuchst, ein Verständnis für das Auto aufzubauen. Man nimmt verschiedene Änderungen vor und schaut, wie das Fahrzeug darauf reagiert. Zum Beispiel: Was muss ich machen, um vielleicht das eine oder andere Problem zu umfahren oder das Auto insgesamt noch besser abzustimmen? Das ist die einzige Aufgabe bei den Testfahrten."

Rundenzeiten sind sekundär

Und das ist auch der Grund, weshalb Testen keine Spaßveranstaltung ist, sondern für die Teams genau so wichtig wie später die Rennwochenenden. Green: "An einem Testtag ist große Disziplin gefragt. Du willst ja auch klare Ergebnisse haben. Und du willst nicht mit einem Teil fahren, das eben nicht besser ist. Deshalb musst du die Gewissheit kriegen, dass das Teil einen Fortschritt darstellt."

Dafür sitzen die Piloten dann schon mal für einige Runden am Stück im Auto, drehen fleißig ihre Runden. Die Uhr läuft immer mit, natürlich auch für die Konkurrenz. Doch das ist beim Testen nicht entscheidend, meint Scheider. "Die Rundenzeiten sind sekundär. Auch wenn natürlich immer wieder darauf geschaut wird, wer was fährt und wie schnell er dabei ist." Wirklich "lesbar" ist ein Test aber nicht.

"Longruns kannst du natürlich ein bisschen besser bewerten als kurze Versuche", sagt der frühere DTM-Champion Scheider. "Du weißt aber nie, wer mit wie viel Leistung fährt, wer wie viel Gewicht im Auto hat und dergleichen. Von daher ist alles sehr relativ. Es gab schon viele Testkönige, die dann in der Rennsaison im Nirgendwo waren. Und die Hosen werden nun mal erst beim Saisonauftakt runtergelassen."

Wenn die Langeweile einsetzt

Dann wird es spannend für die Beteiligten, vor allem in der ersten Qualifikation des Jahres. Testen mutet dagegen vergleichsweise langweilig an, wenn der Uhr noch nicht mal Beachtung geschenkt wird. Und Green gesteht: "Natürlich wiederholen sich die Abläufe immer wieder. Es ist durchaus ein bisschen monoton." So sehr, dass die Rennfahrer im Rennauto fast selbst zu Maschinen werden.

"Wir probieren etwas aus, vergleichen es mit anderen Teilen", sagt Green. Und so geht das über drei Stunden am Vormittag und über vier Stunden am Nachmittag. Was Green zu folgender Einschätzung bringt: "Als Fahrer musst du im Prinzip ein Roboter sein. Denn je konstanter du agierst, umso besser sind am Ende die Ergebnisse. Variiert dein Fahren zu sehr, könnte das zu falschen Annahmen führen."

"Deshalb, so der britische Audi-Pilot weiter, "nimmst du dir vor, jede Runde genau gleich zu fahren. Nach einhundert Runden kann das aber ein bisschen langweilig werden. So gesehen sind Tests nicht unbedingt das Unterhaltsamste. Es ist aber wichtig, um das Auto konkurrenzfähig zu machen. Und wenn dein Auto konkurrenzfähig ist, kannst du Rennen gewinnen. Es hat also schon seinen Sinn und Zweck."

Um dann als Grundlage dafür zu dienen, was Rennfahrer am liebsten tun: Rennen fahren. "Das ist natürlich am schönsten", sagt Scheider. Zumal die Saisonvorbereitung in der DTM ohnehin recht kompakt ausfällt: Im Anschluss an die individuellen Probefahrten der Hersteller gibt es noch zweimal je vier Tage bei den offiziellen ITR-Testfahrten. Und dann wird es ernst. Erstmals am 4. Mai 2014.

Fotoquelle: xpbimages.com

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