Adrien Tambay und Rahel Frey: In der DTM fuhren Männer auch gegen Frauen

DTM 2014

— 25.05.2014

Frauen gegen Männer in der DTM: Geht das gut?

Sie sprechen aus Erfahrung: Ellen Lohr und Rahel Frey erklären, was es bedeutet, als Frau in der DTM anzutreten - Wie werden die Fahrerinnen akzeptiert?

"Die DTM ist eine der härtesten Rennserien, die sich eine Frau antun kann." Das sagt Rahel Frey. Und sie muss es wissen. Denn die Schweizerin ist eine von nur zehn Frauen, die sich seit 1984 in die DTM gewagt haben. Und Frey ist die bis dato letzte Fahrerin, die es in die DTM-Punkteränge geschafft hat. Dass sie als Frau in einer Männerwelt agierte, hat sie dabei nie gestört - im Gegenteil.

"Wenn wir als Frauen Motorsport betreiben wollen, dann müssen wir es auch mit Männern aufnehmen. Das finde ich auch richtig", meint Frey, die 2011 und 2012 für Audi angetreten ist. Ellen Lohr pflichtet ihr bei. Die einzige DTM-Siegerin hat ihr Engagement in der Meisterschaft stets als Chance verstanden, wie sie sagt: "Es gibt ja nicht viele Sportarten, in denen Frauen direkt mit Männern konkurrieren."

Doch in der DTM hatten meist die Männer die Nase vorn. Beate Nodes gelang zwar schon 1986 ein Top-3-Ergebnis und Lohr fuhr zwischen 1987 und 1994 insgesamt fünfmal auf das Treppchen, aber alle weiteren DTM-Fahrerinnen landeten höchstens in den Punkterängen oder fuhren gar immer außerhalb der Top 10. Bis auf Lohr gelang es in der DTM keiner Frau, für längere Zeit vorn mitzumischen.

Haben es Frauen heute leichter als früher?

Umso größer ist der Respekt vor den Fahrerinnen, die sich trotzdem in der DTM versuchen. Denn: "Keiner von uns kann abschätzen, was es bedeutet, da draußen Rennen zu fahren", erklärt DTM-Teamchef Hans-Jürgen Abt. Er ist allerdings nicht davon überzeugt, dass sich die schnellen Damen mit ihren DTM-Einsätzen "einen Gefallen tun". Frauen und Männer im Rennsport - geht das überhaupt?

"Ich glaube nicht, dass Frauen und Männer im Motorsport zusammenpassen", sagt Abt. Die Leistungsfähigkeit der Geschlechter sei doch zu unterschiedlich. "Und es sollte einfach fair sein. Fair für die Beteiligten, fair für den Sport", meint Abt und fügt hinzu: "Vielleicht setzt man die Frauen aber auch zu sehr unter Druck. Da tun sie mir leid." Aber ist das heute anders als noch vor einigen Jahren?

Lohr meint: In ihrer aktiven DTM-Zeit zu Beginn der 1990er-Jahre sei es "sicher schwieriger" gewesen für Frauen im Motorsport. Ganz einfach deshalb, weil rennfahrende Frauen damals nicht besonders weit verbreitet waren. "Inzwischen", so Lohr weiter, "haben ja schon einige Frauen ihre Leistungen erbracht - Claudia Hürtgen oder Jutta Kleinschmidt. Wir haben ja für die Akzeptanz gesorgt."

Aller Anfang ist schwer

Doch das habe seine Zeit gebraucht, erklärt Lohr. "Es gab viele Ränkespielchen im Hintergrund. Da spielte das schon eine Rolle, dass man als Frau trotz allem nicht hundertprozentig akzeptiert wurde. Das war einfach so", meint sie. "Ich glaube aber, das hat sich geändert. Es ist ja nun schon viele Jahre her. Die Zeiten allgemein haben sich geändert, also haben sie sich auch im Motorsport geändert."

Und auch die DTM selbst hat sich verändert: Erst kam die ITC, dann das zwischenzeitliche Aus, 2000 folgte das Comeback, 2012 ein weiterer Neustart mit einem neuen Reglement. Und ab 2006 waren immer wieder Frauen am Start, die allerdings nicht an die Erfolge von Lohr anknüpfen konnten. "Damals", sagt Abt über die frühen 1990er-Jahre, "war der Sport auch nicht so professionell wie heute."

Zumindest, so Lohr, sei die "neue" DTM "ganz anders" als die originale Meisterschaft. Und fraglich sei auch, welche Art von Unterstützung Fahrerinnen wie Vanina Ickx, Katherine Legge oder Susie Wolff in ihrer Zeit dort erhalten haben, wie Lohr hinzufügt: "Ich glaube, von außen betrachtet, dass diese Fahrerinnen nicht immer die Möglichkeiten bekommen haben, die sie verdient gehabt hätten."

Die DTM als Lebenserfahrung

Frey wusste das von Abt angesprochene, professionelle Umfeld der "neuen" DTM aber sehr zu schätzen. "An die Piloten werden hohe Ansprüche gestellt, es wird sehr viel gefordert. Ich weiß, was ich da gelernt und wie sehr ich davon profitiert habe", sagt sie rückblickend. "Und ich fände es einfach schön, wenn das wieder einmal ein Mädel erleben darf und die Hersteller offen dafür wären."

So oder so: Die DTM wartet weiter auf eine zweite Siegerin. Genau wie Lohr seit ihrem Triumph am Hockenheimring 1992. Sie hätte sich damals nicht träumen lassen, nach mittlerweile 22 Jahren noch immer die einzige DTM-Siegerin zu sein. "Natürlich nicht", wie Lohr heute sagt. Die Erinnerung an diesen Erfolg aber bleibt: "Man wird ja immer wieder positiv daran erinnert." Der Sieg ist schließlich bis heute einmalig.

Fotoquelle: xpbimages.com

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