Harte Duelle auf den Strecken: Eng geht es in der DTM eigentlich immer zu

DTM 2014

— 01.07.2014

Kritik an der DTM: Fahrer beziehen Stellung

Häufige Regeländerungen in der laufenden Saison, nicht nachvollziehbare Strafen, zu wenige Rennen: Die kritischen Stimmen der DTM-Fahrer werden lauter

Die DTM hat derzeit ein nachhaltiges Imageproblem. Die Zuschauerzahlen auf den Tribünen und vor den TV-Schirmen entwickeln sich nicht nach Wunsch, die Szene steht immer deutlicher in der Kritik. Die Verantwortlichen suchen nach Lösungen, kommen auf dem Weg zu einer "besseren DTM" allerdings nur in kleinen Schritten voran. Zwei Trainings am Samstag, der Wegfall des Boxenstoppfensters bei Regen - wird das der sogenannten "populärsten Tourenwagenserie Europas" auf die Beine helfen? Wohl kaum.

In der DTM sind umfangreichere Maßnahmen gefragt. Wer mehr Popularität will, muss den Fans mehr bieten. Mit dieser Einschätzung hat sich vor einigen Wochen BMW-Star Timo Glock in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet. Der Wersauer plädiert für mehr Rennen, mehr Action, weniger Gerede - und er findet im DTM-Fahrerlager mit diesen Ansagen eindeutige Unterstützer. Die Piloten beobachten die aktuellen Entwicklungen teils mit Sorge und melden sich entsprechend nun immer mehr zu Wort.

"Es ist natürlich immer schwierig, es allen recht zu machen. Das werden wir nicht schaffen. Jeder hat seine Vorlieben, ob Fan, Fahrer oder Hersteller. Alle können wir nicht zufriedenstellen", sagt Audi-Pilot Timo Scheider. "Es ist aber schon mal ein positives Zeichen im System der DTM, dass man so sensibel und gewillt ist, Dinge zu ändern - auch in der laufenden Saison. Das finde ich sehr positiv. Es gibt zwar ein paar Sachen, die ich anders machen würde, aber schlechtreden kannst du die Dinge immer."

Mehr Racing, weniger Verwirrung

"Fakt ist, dass wir momentan noch einiges an Diskussionsbedarf haben. Da geht es um Bestrafungen, Gelbphasen, Verlassen der Rennstrecke und dergleichen mehr. Da gibt es unterschiedliche Meinungen", nennt Scheider einige seiner Kritikpunkte. "Ich bin ziemlich enttäuscht von den Sportkommissaren, die immer wieder unterschiedliche Urteile fällen. Mehr oder weniger ähnliche Situationen werden unterschiedlich geahndet. Mein Wunsch wäre, permanente Rennkommissare zu haben, die die komplette Saison bewerten."

"Ich würde auch gern zwei Rennen fahren, samstags und sonntags. Gern mit zwei Qualifyings oder das Ergebnis des ersten Rennens als Startaufstellung für Lauf zwei heranziehen. Auch das wäre möglich", macht Scheider einen ähnlichen Vorschlag wie sein Kumpel Glock. "Wir könnten jedenfalls noch mehr Racing zeigen, glaube ich. Das wollen auch die Fans sehen. So ein Qualifying oder ein Freies Training sind nicht unglaublich spannend."

"Die DTM muss viele Rennen bieten, muss geile Rennen liefern", stimmt Mike Rockenfeller zu. "Es kann nicht sein, dass man erwartet, dass nach einer Winterpause von Oktober bis Mai plötzlich beim ersten Rennen drei Millionen Zuschauer vorm Fernseher sitzen. Man muss versuchen, es zu verbessern. Wir haben gute Fahrer und grundsätzlich coole Autos. Es ist nicht schlecht, was wir in der DTM haben. Das Niveau ist sehr hoch. Mehr Offenheit und Transparenz für Fans wären wichtig - und mehr Rennen fahren."

Mehr Transparenz und Offenheit

Neben einer etwaigen Veränderung der Anzahl der Rennen spricht der amtierende Champion genau das an, was auch Audi-Markenkollege Mattias Ekström sehr intensiv beschäftigt: die Transparenz. Der Schwede hat sich viele Gedanken gemacht. Mit der Erfahrung von über 13 DTM-Saisons samt zwei Titelgewinnen nimmt sich der 35-Jährige heraus, einfach mal Klartext zu sprechen, wenn es um das aktuelle Image und die Zukunft "seiner DTM" geht.

"Die Frage ist, wie kommt ein Sieg zustande. Wenn einer nach einem erfolgreichen Rennen in die Boxengasse fährt, dann müssten eigentlich alle schauen und sagen: verdient hat er das. Es darf nicht so sein, dass alle denken, dass das jemand wegen irgendetwas anderem gewonnen hat", drückt sich Ekström zunächst vorsichtig aus. Dann nennt er die Dinge beim Namen: "Robert Wickens hat seinen Sieg verdient, keine Frage. Aber: Warum fährt Mercedes zuerst hinterher und am Norisring plötzlich deutlich vorne? Weil sie am Auto Teile wechseln dürfen. So ist es doch."

"Ich akzeptiere das alles, aber man muss es auch allen Menschen sagen", will der Schwede mehr Offenheit im Umgang mit solchen Themen. Die DTM-Welt soll keine Scheinwelt sein, sondern eine Bühne für spannendes Racing. "Wenn wir die Leute auf der Tribüne verarschen wollen, dann haben wir dort bald keine mehr. Wie soll ich das mit Mercedes erklären? Soll ich sagen, dass deren Fahrer wahrscheinlich gut geschlafen haben? Nein, man muss die Wahrheit sagen, damit es alle richtig verstehen."

Weniger Hilfe für Mercedes?

"Viele haben mich gefragt, wie so etwas sein kann. Was soll ich dann sagen? Ich kann doch die Fans nicht anlügen. Das geht mir persönlich gegen den Strich. Die Leute sprechen schlecht über unsere Meisterschaft. Ich will, dass wir einen gutes Standing haben", macht Ekström seinem Unmut über die "Lex Mercedes" und deren Folgen ausgiebig Luft. "Vor zwei Jahren haben wir blutend am Boden gelegen. Hat uns da jemand geholfen? Man will mit Ehre gewinnen und verlieren. Das finde ich am wichtigsten für die Zukunft der DTM."

Die Piloten sind sich einig: Nicht die Show, sondern der reine Rennsport soll im Vordergrund der DTM stehen, um mehr Glaubwürdigkeit und Begeisterung zu erzielen. Schluss mit den politischen Spielchen, den Eitelkeiten und den ständigen Regelanpassungen, so der Appell. "Die DTM steht oftmals da und wird kritisiert: Die machen alles falsch, ändern ständig etwas - wie auch immer", sagt Rockenfeller. "Am Ende muss man sich alles mal anschauen und sagen: Formel 1? Was ist denn da so toll an den Rennen?"

"Dort fahren immer zwei Teams vorweg und das war's. Unsere Rennen finde ich hingehen spannend und ereignisreich. Wenn ich nur die Rennen betrachte - mal Sachen wie Übertragung und Vermarktung weglasse -, dann finde ich die DTM deutlich ansehnlicher als die Formel 1", meint der Phoenix-Pilot. "Am Ende muss man etwas daraus machen. Man darf es nicht schlechtreden", so die Ansicht des erfahrenen Audi-Fahrers aus Neuwied.

Typen, die selten jemand sieht

"Was mir auf den Keks geht: Ob es Fernsehen oder ITR ist, es gibt immer wieder den Ruf nach namhaften Fahrern. Die sind doch da, die Klasse ist auch vorhanden", meint "Rocky". Er erklärt: "Nehmen wir mal Lewis Hamilton. Den kannte vor seiner Zeit in der Formel 1 niemand. Erst sein Erfolg in der Formel 1 hat ihn groß gemacht. Das muss das Ziel bei uns sein: Die DTM muss die eigenen Fahrer bekannt machen. Es ist doch nicht richtig, wenn man sich namhafte Fahrer hereinholt. Kurzfristig mag das wirken, aber das kann doch nicht das Ziel sein."

"Typen gibt es hier genug", stimmt Ekström zu. Nach Ansicht des Schweden lasse man diese Menschen einfach nicht ausreichend zur Geltung kommen. "Diese Typen kommen direkt nach ihren Erlebnissen zur Geltung, wenn sie nach einem nicht ganz so guten Rennverlauf vor der Kamera stehen. Das geht mir doch auch so. Ich bin lange genug dabei, um einfach meine Meinung zu sagen. Manchmal stinkt mir etwas und dann sage ich das auch."

"Es müssen sich alle mal an die eigene Nase fassen: Fahrer, Teams, Hersteller und auch DMSB. Wenn man die beste Meisterschaft abseits der Formel 1 haben will, dann muss man sich auch anstrengen. Man muss das nicht immer nur sagen, sondern man muss das auch leben", fasst "Eki" noch einmal zusammen. Markenkollege Timo Scheider kündigt weitere Schritte an: "In den kommenden Tagen wird es ein offizielles Statement der Fahrer dazu geben."

Fotoquelle: xpbimages.com

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