Mattias Ekström ist ein Freund der DTM und kann der Formel 1 nicht viel abgewinnen

DTM 2014

— 25.07.2014

Ekström: Formel 1? "DTM steht für ehrlicheren Motorsport"

Welche Rennserie hat die besseren Fahrer und den besseren Ruf - die Formel 1 oder die DTM? Vertreter beider Serien geben ihre Meinungen zum Thema ab

Die Formel 1 und die DTM sind in Deutschland vielleicht die beiden bekanntesten Rennserien. Was Popularität, Medienpräsenz und Umsätze angeht, reicht der sogenannten Königsklasse, in der sich Piloten wie Ayrton Senna oder Michael Schumacher einen Namen gemacht haben, niemand das Wasser. Doch ist die Formel 1 auch wirklich die stärkste Rennserie mit den besten Piloten? Viele Rennfahrer sind der Meinung, dass dem nicht zwangsläufig so sein muss.

"Von den Formel-1-Fahrern wird immer verlangt, dass sie sofort im zweiten Jahr (nach einem Wechsel in die DTM; Anm. d. Red.) die Meisterschaft gewinnen, und wahrscheinlich die besseren Fahrer sind als die anderen. Das ist aber kompletter Blödsinn", stellt Timo Glock, der eben diesen Schritt hinter sich hat, gegenüber 'Bild' klar. "Ich glaube, das Fahrerfeld der DTM ist momentan höher einzuschätzen als das der Formel 1. Deshalb haben wir hier 23 Piloten, die alle um die Meisterschaft fahren können."

Paul di Resta, der zunächst von der DTM in die Formel 1 wechselte und schließlich in die Tourenwagenserie zurückkehrte, sieht die Lage ähnlich - die DTM habe sich weiterentwickelt: "Es geht sehr eng zu zwischen den Herstellern. Du musst alle respektieren, denn jeder hier ist aufgrund seiner Fähigkeiten am Start." Im Gegensatz zu den diversen Paydrivern innerhalb der Königsklasse. "Ich denke, es wäre falsch, zu sagen, DTM ist besser als Formel 1. Es wäre aber auch falsch, zu behaupten, DTM ist schlechter als Formel 1. Jeder sollte für das, was er tut, respektiert werden", so der Schotte.

Hohe fahrerische Ansprüche

Jenen Respekt zeigt auch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg vor der DTM. Der Emmericher, der in der Formel 1 zu den derzeit stärksten Fahrern zählt, glaubt, dass er jedenfalls nicht auf Anhieb mithalten könnte: "Ich bin noch nie ein DTM-Auto gefahren. Es geht halt immer um die Kleinigkeiten, die Feinheiten, die Details. Wäre mal interessant zu sehen, aber ich glaube, mit Sicherheit nicht auf Anhieb, weil das ja auch keine Nasenbohrer sind hier."

Der hohe fahrerische Anspruch in der DTM basiere vor allem auf dem ähnlichen Material, mit dem alle Piloten unterwegs sind, glaubt Audi-Urgestein Mattias Ekström: "Es ist gut für eine Rennserie, wenn viele verschiedene Piloten und Marken Siegchancen haben. Bei der Formel 1 sind so viele Teams dabei, die einfach nur die Umwelt verschmutzen, ohne auch nur im Entferntesten an einem Podestplatz zu kratzen", meint der Schwede im Dreierinterview mit seinen Serienkollegen Martin Tomczyk und Daniel Juncadella gegenüber 'Die Welt'.

"Wenn du bei uns einen Fehler machst, fällst du sofort auf Platz zwölf zurück. Wenn du in der Formel 1 beim richtigen Team fährst, kannst du viele Fehler machen und trotzdem Zweiter oder Dritter werden. Diese Ausgeglichenheit macht für mich den Reiz der DTM aus", begründet Ekström.

Fragwürdiges F1-Reglement

Tomczyk weiß, wie wichtig eine ausgeglichene Meisterschaft ist: "Wir haben ja gesehen, wozu eine Eintönigkeit wie in der vergangenen Formel-1-Saison führen kann: Sebastian Vettel wurde irgendwann ausgebuht, weil die Leute gelangweilt waren. Die Fans wollen Racing sehen. Das bekommen sie bei der DTM unter Garantie."

Generell scheint die Formel 1 bei den DTM-Fahrern nicht den besten Ruf zu haben. "Der Sound ist im Motorsport eine wichtige Komponente. Kein Wunder, dass sich viele Fans nach den ersten Formel-1-Rennen gewundert haben", räumt Ekström ein. "Dazu kommen noch die Bezahlfahrer, die in der Formel 1 am Start sind. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Jeder Pilot hat das Recht, dort mitzufahren, wo er möchte. Aber ich finde, dass die DTM im Vergleich mit der Formel 1 für den ehrlicheren Motorsport steht."

Juncadella, der in dieser Saison auch für Force India testet, freut sich durch die Technikrevolution in der Königsklasse zwar über einen womöglich leichteren Einstieg (weil alle Piloten Neuland betreten haben), zweifelt aber auch gewisse Dinge an: "Es gibt ja auch noch die Änderung, dass im letzten Rennen doppelt so viele Punkte vergeben werden. Ich finde das unfair, weil ein Rennen aufgewertet wird im Vergleich zu den anderen."

Gegenseitige Beachtung?

Tomczyk gefällt am Reglement der DTM ganz besonders, "dass es die Wertigkeit der Fahrer über die des Autos stellt. Am Ende gewinnt der, der die wenigsten Fehler macht. Das ist doch eine wunderbare Ausgangssituation!", so der Deutsche. Großartige Veränderungen im Regelwerk erwarte sich Ekström auch künftig nicht: "Die DTM hat so etwas nicht nötig, ganz einfach."

Trotz alledem verfolge man die Formel 1 als DTM-Fahrer zumindest nebenbei: "Ich schaue mir gerne Formel-1-Rennen im Fernsehen an, keine Frage. Trotzdem bin ich froh, dass ich in der DTM fahre", erklärt Tomczyk. Umgekehrt sei es aber nicht immer so, berichtet Juncadella, der bei Zeiten zu Gast auf der ganz großen Bühne ist: "Viel wird in der Formel 1 nicht über die DTM gesprochen. Die meisten Piloten denken ausschließlich an die Formel 1 und arbeiten den ganzen Tag dafür. Es ist ein bisschen wie eine Blase: Was außerhalb passiert, interessiert meist nicht."

Einer beweist jedoch auch das Gegenteil: Nico Hülkenberg. Zuletzt habe der 26-Jährige die DTM 2013 in Hockenheim besucht und viel Spaß gehabt: "Ja schon, man kommt her und kennt die meisten Gesichter. Das sind Leute, mit denen man selber mal gearbeitet hat, zu denen man noch eine Verbindung hat. Oder gute Erinnerungen von damals aus der Formel BMW, aus der Formel 3. Ich bin hier so viele Jahre selber durch den Paddock gelaufen. Es macht Spaß, ist entspannt und auch mal eine schöne Abwechslung." Auch im Fernsehen verfolge Hülkenberg die DTM regelmäßig.

Fotoquelle: Audi

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