DTM in Zandvoort: Pre-Events

DTM 2014

— 28.09.2014

Chaos in Zandvoort: Ekström siegt mit Glück und Geschick!

Mattias Ekström sichert Audi den ersten Saisonsieg beim DTM-Rennen in Zandvoort vor zwei BMWs - Vier Safety-Car-Phasen und reichlich Abflüge

Chaos, Karambolagen, Zweikämpfe, vier Safety-Car-Phasen - und am Ende behält ein Routinier den Überblick. Mattias Ekström sorgt in Zandvoort für den ersten Audi-Sieg seit 420 Tagen in einem Lauf, in dem die Ingolstädter erst wie der sichere Sieger und dann wie der sichere Verlierer aussahen. Doch am Ende drehte sich das Glück zugunsten des Schweden, der seine weichen Reifen perfekt ausnutzte und seinen ersten Sieg seit Valencia 2011 - seit 1092 Tagen(!) - feiern konnte.

"In der DTM ist es immer hart zu gewinnen, aber nach dem ganzen Pech der letzten Monate war das Glück heute auf unserer Seite", strahlt der Sieger, der seinen Triumph mit ein paar Donuts auf der Zielgerade krönte. "Aber man muss auch sagen, dass das Auto gut war", grinst er weiter. "Ich hatte Spaß hinterm Lenkrad." Hinter Ekström sicherten sich der frischgebackene Meister Marco Wittmann und BMW-Markenkollege Martin Tomczyk die Ränge zwei und drei.

Edoardo Mortara (Audi) kämpfte sich vom letzten Startplatz noch bis auf Rang vier vor und musste in der Schlussphase die Attacken von Christian Vietoris im runderneuerten Mercedes auf weichen Reifen abwehren, der schließlich vor Maxime Martin (BMW) und Lausitzring-Sieger Pascal Wehrlein (Mercedes) als Fünfter ins Ziel kam. Daniel Juncadella (Mercedes/8.), Robert Wickens (Mercedes/9.) und Timo Scheider (Audi/10.) sicherten sich die letzten Punkteplatzierungen.

Pech hatte hingegen Pole-Mann Mike Rockenfeller. Der Audi-Pilot lag zur Rennhalbzeit in Führung, doch durch zwei Safety-Car-Phasen war seine Strategie letztendlich für die Tonne, weil er zwar auf Rang eins lag, als einziger aber noch an die Box musste, um sich die harten Reifen abzuholen. Am Ende wurde der entthronte Meister nur auf Rang 16 gewertet, obwohl er sich gute Chancen ausgerechnet hatte, den ersten Audi-Sieg seit 14 Monaten zu erfahren.

Erstes Safety-Car nach vier Runden

Doch schon am Start lief es für den Deutschen nicht gut. Wittmann schob sich schon in der ersten Kurve am Polesitter vorbei in Führung und sorgte so für Jubelstürme bei BMW, die bereits in der Einführungsrunde den ersten Rückschlag hinnehmen mussten, weil Timo Glock nur mit Verspätung loskam und sich beim Start am Ende des Feldes einreihen musste. Hinter Wittmann folgte der Audi-Zug mit Rockenfeller und dem starken Nico Müller.

In Runde vier musste das Safety-Car zum ersten Mal auf die Strecke geschickt werden: Audi-Pilot Adrien Tambay kam in der schnellen Kurve 9 zu weit auf das Gras und flog in die Leitplanke ab. "Ich habe hinter Gary (Paffett; Anm. d. Red.) zu viel Druck gemacht, Abtrieb verloren und das Auto verloren. Mein Fehler", resümiert er im Anschluss. An der Reihenfolge im Feld änderte sich dadurch nichts, allerdings büßten die Piloten auf weichen Pneus ihren Vorsprung ein. Beim Re-Start demontierte Wittmann schließlich den Rest des Feldes und kam bereits mit knapp einer Sekunde Vorsprung über den Zielstrich.

Doch beim BMW des Deutschen machten sich erste Verschleißerscheinungen bemerkbar. Rockenfeller holte merklich auf und schnappte sich seinen Titelnachfolger schließlich in der 16. Runde, nachdem dieser sich in Kurve 1 verbremst hatte. Wittmann fuhr daraufhin an die Box, um sich seiner weichen Reifen zu entledigen, die er bei einer Gesamtzahl von 44 Runden noch länger hätte fahren dürfen - aber nicht können, weil er zu viel Zeit darauf verlor.

Rockenfeller greift tief ins Klo

Doch der etwas unplanmäßige Boxenstopp sollte sich als Glücksgriff erweisen, denn nur zwei Runden später rappelte es ein zweites Mal mächtig: Daniel Juncadella fuhr beim Anbremsen der langsamen Schikane Augusto Farfus (BMW) ins Heck, der sich daraufhin in die Leitplanken drehte, seitlich über den Randstein rutschte und schließlich im Kiesbett liegenblieb. "Es war richtig hart. Ich wurde wie von einer Rakete getroffen, er war viel zu aggressiv", schimpfte Farfus im Nachhinein über den Spanier, dem noch eine nachträgliche Strafe droht.

Das folgende Safety-Car war derweil eine Hiobsbotschaft für Audi. Zwar lagen mit Rockenfeller, Müller, Jamie Green und Timo Scheider vier Ingolstädter Boliden in Front, doch da sie noch zum Reifenwechsel kommen mussten, war der Sieg plötzlich außer Reichweite. Beste Karten hatte plötzlich wieder Wittmann, der seinen Pflichtstopp bereits absolviert hatte. Zu allem Überfluss für Audi fiel Müller nach dem Re-Start plötzlich zurück und endete nach einem Zweikampf mit Christian Vietoris unsanft in der Streckenbegrenzung. "Was zur Hölle war das?", fragte der Schweizer über Funk nach, doch die Rennleitung sah keine Veranlassung für eine Strafe gegen den Mercedes.

Der gestrandete Audi brachte das Safety-Car keine fünf Runden nach der zweiten Neutralisation ein drittes Mal auf die Strecke. Mittlerweile waren auch die Spitzen-Audis in der Box gewesen - außer Mike Rockenfeller. Der Deutsche mit der Startnummer 1 war als einziger nach 25 von 44 Runden auf weichen Reifen draußen geblieben und hatte somit seinen Pflichtstopp noch vor sich. Das Rennen war für ihn effektiv gelaufen. Übrigens: Wenn ein Fahrer in einer Safety-Car-Phase weiche Pneus aufgezogen hat, darf er sie noch sechs Runden nach Freigabe fahren, auch wenn er bereits außerhalb des Zeitfensters liegt - darum konnte "Rocky" so lange auf den gelben Pneus bleiben.

Ekström dreht auf

Doch genützt hat es ihm nichts, dafür befand sich Markenkollege Mattias Ekström plötzlich in der besten Ausgangslage. Er lag zwar nur auf Rang neun, allerdings war er bestplatzierter Soft-Pilot und hatte somit noch genügend Zeit, die hartbereifte Konkurrenz vor sich zu überholen. Wie ein heißes Messer durch Butter pflügte der Schwede nun durch das Feld und bekam Hilfe von Rockenfeller, der Wittmann und Tomczyk hinter sich zumindest noch ein wenig aufhalten konnte.

Doch schon in Runde 32 hatte der Schwede das komplette Feld im Griff und fuhr einen komfortablen Vorsprung heraus. Audi hatte zwar nach einem Abflug von Miguel Molina noch einmal Angst, dass das Safety-Car herauskommen könnte, doch der Spanier konnte weitermachen - und vergrub seinen Audi erst eine Runde vor Ende endgültig im Kies. Doch das Safety-Car kam trotzdem noch einmal auf die Strecke.

Grund war Gary Paffett, dem exakt das gleiche Missgeschick wie zuvor Tambay passiert war. Der Brite setzte sein verkorkstes Jahr fort und musste aufgeben. Landsmann Paul di Resta war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht mehr im Rennen. Noch in der Anfangsphase wurde er von Antonio Felix da Costa gedreht und stieg wenig später aus dem Auto. Für den letzten Aufreger in einem verrückten Rennen sorgte Bruno Spengler, der Jamie Green umdrehte und dafür eine Zeitstrafe erhielt, die ihn von Rang acht auf 17 zurückwarf.

An der Spitze machte sich Ekström derweil auch nach der letzten Safety-Car-Phase gemütlich auf und davon. Die Zielflagge, die nach Ablauf der Maximaldauer schon nach 43 statt 44 Runden gezeigt wurde, sah er mit mehr als sieben Sekunden Vorsprung auf Wittmann, der RMG mit seinem Ergebnis die Teammeisterschaft sicherte.

Fotoquelle: xpbimages.com

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