In Zandvoort hatte das Safety-Car großen Einfluss auf das spätere Rennergebnis

DTM 2014

— 02.10.2014

DTM 2015: Die Regeln sollen vereinfacht werden

Die DTM reagiert auf die Kritik von Fahrern und Fans: Arbeitsgruppe arbeitet an vereinfachtem Regelwerk für die kommende Saison - Fahrer bringen sich mit Ideen ein

"Macht keinen Spaß mehr, vielleicht sollte ich Frührentner werden" - mit diesen Worten machte ein DTM-Teamchef seinem Unmut nach dem Rennen in Zandvoort Luft. Die konkrete Kritik des Verantwortlichen: "Bei diesen Regeln gewinnt einfach nicht mehr der Beste. Das ist alles nicht mehr erklärbar!" Selbstverständlich sind diese Aussagen unter Einfluss einer großen sportlichen Enttäuschung getätigt worden. Die Piloten des zitierten Teamchefs waren in den Niederlanden schnell, aber dennoch chancenlos.

In den vergangenen Monaten ist die Kritik am aktuellen Regelwerk der DTM immer lauter geworden. Die Fans blickten teilweise bei den Rennen nicht mehr durch, manch eine Strafe (oder auch Nicht-Bestrafung) war wenig nachvollziehbar, die Piloten hatten keinen Spaß mehr. Die Fahrer bringen sich nun in die Regelfindung für 2015 ein. Im Rahmen der Pilotenvereinigung DTMDA stellen die Fahrer einige Ideen zusammen, die als Hinweise für das Formulieren des künftigen Reglements zu verstehen sind.

Die Ziele der Verantwortlichen sind klar: mehr Transparenz, mehr Logik im Rennverlauf, mehr Konstanz beim Umgang mit Zwischenfällen. Mitte August einigte man sich im Rahmen der DTM-Kommission auf einen Fahrplan, um das Regelwerk für das kommende Jahr verständlicher und einfacher zu gestalten. Im vergangenen Monat hat man in der Sitzung der Arbeitsgruppe Sportliches Reglement erste Ideen zusammengetragen, weitere Vorschläge werden bei der Klausurtagung in diesem Monat erwartet.

Fahrer bringen sich in den Prozess ein

"Ich möchte das noch einmal klar sagen: Wir haben die DTMDA nicht gegründet, um irgendwie Stimmung zu machen", betont Timo Scheider. "Es geht uns nur darum, dass eine mögliche Gestaltung aus einem anderen Blickwinkel dargestellt wird. Vielleicht gibt es Ideen und Vorschläge, die andere so nicht haben können, weil sie einfach nicht diese Perspektive haben. Das ist unser Ziel. Wir wollen gemeinsam in eine Richtung rudern, ohne dabei allzu große Wellen zu machen."

Die Wellen schlagen trotz aller Vorsätze immer wieder hoch. Zuletzt hatte Mike Rockenfeller nach einem verpatzten Rennen in Zandvoort auf die Pauke gehauen ("Es sind Kack-Regeln!"), zuvor hatte bereits Gary Paffett in die gleiche Kerbe geschlagen. "Die Strategen im Team können wir uns sparen. Es wird eh alles vom Regelwerk bestimmt. Auf der aktuellen Grundlage kommen alle gleichzeitig zum Stopp. Das ist alles künstlich konstruiert", sagt der Brite. "Außerdem ist es für die Leute in der Boxengasse gefährlich."

Der Optionsreifen darf nur über eine halbe Renndistanz benutzt werden. Alle Piloten nutzen diese maximale Laufleistung komplett aus, um den Rundenzeitenvorteil, den die weicheren Pneus bieten, nicht zu verschenken. Konsequenz: Die DTM-Rennen bestehen - mit wenigen Ausnahmen - aus zwei Halbzeiten wie im Fußball. "Man hat uns gefragt, ob wir uns einbringen können. Bislang hat uns niemand gehört, aber das ändert sich jetzt wohl", sagt Paffett.

"Aktueller Stand ist, dass wir bei dem großen Meeting im Oktober, wo es um große Themen wie Rennformat, Sportliches Reglement und so weiter geht, dabei sein werden. Wir werden unseren Beitrag leisten, unsere Ideen und Lösungsvorschläge präsentieren. Wir hoffen, dass wir alle gemeinschaftlich mit ITR und Herstellern in die richtige Richtung rudern", erklärt Scheider die Mitarbeit der Piloten. "Keine Schnellschüsse mehr", fordert Audi-DTM-Leiter Dieter Gass. "Dass schon jetzt darüber gesprochen wird, ist begrüßenswert."

Keine Schnellschüsse beim Regelwerk mehr

"Wir fangen an, über Vorschläge und Ideen zu diskutieren. Wir müssen uns überlegen, welche dieser Ideen aus Fahrersicht wirklich sinnvoll und zielführend sind", erklärt BMW-Star Timo Glock, der sich intensiv an der Suche nach Verbesserungsvorschlägen beteiligt. "Wir werden unsere Vorschläge vortragen. Ob die dann aber angenommen werden, ist etwas anderes. Wir wollen unsere Ideen niemandem aufzwingen. Wir beschreiben einfach nur, was wir uns vorstellen können."

"Am Ende wollen wir die Show verbessern, den Sport besser dastehen lassen. Wir wollen keinem an die Karre pissen, sondern es besser machen. Wir wollen auch niemandem etwas wegnehmen oder sonst etwas", gibt Glock zu bedenken. "Man muss den Sport - so geil wie er ist - auch rüberbringen. Es muss einfacher werden. Wir fahren hier unsere Runden und am Ende gewinnt derjenige, der vorne ist. So einfach kann es doch sein. Und ist es doch eigentlich auch."

"Es gibt eine Abstimmung unter den Fahrern - ein Voting: Wer ist für dies, für jenes oder für etwas anderes? Anhand dessen listen wir unsere Vorschläge auf. Manuel Reuter ist der Sprecher, der das Wort der Fahrer quasi weitergibt. Es kann gut sein, dass wir im Oktober jeweils einen Fahrer pro Hersteller mit im Meeting haben werden, um dem Ganzen noch etwas mehr Druck zu verleihen", stellt Scheider die weitere Marschroute dar.

Auf der Liste der Piloten sind einige Ideen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum kommenden Jahr umgesetzt werden: keine Optionsreifen mehr, kein Pflichtstopp, Bestrafungen mit Augenmaß und Konstanz, ohne dabei Rennen zu zerstören. "Es muss nicht immer etwas ganz Spezielles sein, damit es guter Motorsport wird", meint der erfahrene Audi-Haudegen Timo Scheider. "Ich bin mittlerweile ein junger alter Sack in der Szene. Ich habe viel erlebt, habe viel Gutes und auch Schlechtes mitgemacht. Es macht Spaß, das Erlebte zu reflektieren und zu erklären, was früher mal gut und was schlecht war."

Fotoquelle: xpbimages.com

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