DTM-Abschied

DTM-Abschied Christian Abt DTM-Abschied Christian Abt

DTM-Abschied

— 26.10.2007

Servus, Christian Abt

Nach acht Jahren DTM ist jetzt Schluss mit der Rennfahrerei in Deutschlands Top-Tourenwagen-Liga. Audi-Pilot Christian Abt zieht Bilanz und verrät AUTO BILD MOTORSPORT, was noch folgt.

Für Christian Abt ist das Kapitel DTM vorbei. Am 14. Oktober fuhr der sympatischen Allgäuer auf dem Hockenheimring sein letztes Rennen in der populärsten Tourenwagen-Serie der Welt. Aber Racing liegt dem 40-jährigen im Blut und so werden wir ihn in der ein oder anderen Funktion im Rennsport wiedersehen. In einem Viertel-Jahrhundert Motorsport, davon acht Jahre in der DTM, hat Christian Abt die deutsche Rennsport-Szene mitgeprägt. Im AUTO BILD MOTORSPORT-Interview resümiert er seine Zeit in der Tourenwagen-Spitzenklasse.

AUTO BILD MOTORSPORT: Wann, wie, warum zum Abschied aus dem DTM-Auto entschieden? Christian Abt:  Die Entscheidung ist im vergangenen Winter gereift und hat sich in Gesprächen mit meinem Bruder Hans-Jürgen und meinem Freund Harry Unflath gefestigt. Ich wollte abtreten, wenn ich noch voll im Saft bin und nicht erst, wenn hinter meinem Rücken schon alle darauf warten. Ich habe acht tolle Jahre in der DTM erlebt: in aktuellen Autos, in Vorjahresautos, in verschiedenen Teams – irgendwann gibt es dann einfach keine neue Herausforderung mehr.

Bilanz nach 84 DTM-Rennen? Ich bin in starken Teams gestartet, durfte tolle Autos fahren, hatte großartige Teamkollegen und habe mit ihnen gleich mehrmals die Meisterschaft gefeiert. Deshalb verlasse ich die DTM mit vielen schönen Erinnerungen. Natürlich ärgert es mich, dass mir ein Sieg in meiner Sammlung fehlt, obwohl ich ein paarmal so dicht dran war. Aber ich stand auf dem Podium, war 2005 bester Pilot eines Vorjahresautos und habe viele tolle Rennen erlebt. Ich bin stolz, so lange ein Teil der DTM gewesen zu sein.

Den Playboy-Fahrer Christian Abt lenkten die lebenden Hasen an der Box wie sehr ab?

Wenn es den Sponsoren dient... Abt steht seinen Mann bei der Hasenjagd.

Die haben mich doch nicht abgelenkt, sondern nur noch zusätzlich motiviert. Toll, dass ich gegen Ende meiner DTM-Zeit noch einen Sponsor bekommen habe, der perfekt zu mir passt. Ich war vorher schon neidisch auf Laurent Aiello, wenn er mit den Bunnys durchs Fahrerlager gelaufen ist. Vielleicht könnte ich ja nach meiner DTM-Karriere noch Playboy-Botschafter sein...!?

Unterschied DTM 2000 und 2007? Es ist einfach gigantisch, wie sich die DTM entwickelt hat. Die Organisation, die Technik, die Angebote für die Fans – das alles ist einmalig. Was gibt es Geileres, als sein letztes DTM-Rennen vor einem voll besetzten Motodrom in Hockenheim zu bestreiten? Vielleicht ist im Vergleich zu den ersten Jahren ein bisschen der familiäre Charakter im Fahrerlager verloren gegangen. Früher ging es auf der Strecke hart zur Sache, und abends haben alle ein Bier miteinander getrunken und den Streit geklärt. Das hilft manchmal mehr als zu viel Herumgerede.

Was in den 17 Jahren Racing am liebsten rückgängig gemacht? Eine bestimmte Situation kann ich da nicht nennen. Klar denkt man über einige Aktionen anders, wenn das Adrenalin nach dem Rennen aus dem Körper ist. Aber genau das macht Racing ja aus. Wenn ich zurückblicke, wäre ich manchmal gerne egoistischer gewesen und hätte mich vielleicht mehr um mich selbst kümmern sollen. Aber ich bin so viele Jahre in einem Team gestartet, das den gleichen Namen trägt wie ich – da ist das Teamwork wohl schon angeboren.

Warum bei den Fans so beliebt und weniger bei den Kollegen? Da müssten Sie Fans und Kollegen fragen. Aber ich glaube, die Fans haben ein ganz gutes Gespür dafür, wer es ehrlich mit ihnen meint und wer nicht. Vielleicht waren andere manchmal schneller, und vielleicht habe ich auch mal Fehler gemacht – aber ich habe immer alles gegeben, bis zur letzten Kurve gekämpft. Das kommt bei den echten Motorsport-Fans gut an – und bei einigen Konkurrenten eben nicht.

Eines von Christiaan Abt´s Lieblings-Autos: Der Audi A4 DTM 2004.

Bestes und schlechtestes Auto der Karriere?
Ich fahre seit 1994 für Audi Rennen, deshalb hatte ich das Glück, nur in guten Autos sitzen zu dürfen. Wenn ich mich festlegen muss, dann waren der Audi A4 aus der STW-Saison 1999, unser TT-R aus dem Meisterjahr 2002 und der A4 DTM 2004 meine Lieblingsautos. Bei der Frage nach dem schlechtesten versuche ich mal diplomatisch zu sein: Unser 2000er TT-R war manchmal etwas schwierig im Handling.

Lehre aus dem Motorsport? Es lohnt sich, niemals aufzugeben. Dranbleiben und kämpfen zahlt sich meistens aus. Das gilt auf der Strecke, funktioniert aber auch in jedem Beruf oder im Privatleben.

Charakterzug, der am meisten stört – bei sich und bei anderen? Unehrlichkeit – das kann ich nicht ausstehen. Man muss dazu stehen, wenn man Mist gebaut hat. Probleme oder Defizite offen ansprechen, um sie zu lösen. Ich habe immer versucht, meine Meinung zu sagen – auch wenn es manchmal unangenehm war und zu Problemen geführt hat. Vielleicht hat mir diese Art einige Nachteile gebracht, aber es wusste jeder, woran er bei mir war.

Meinung zu Frauen am Steuer – im Rennen und auf der Straße? Frauen sind auf der Straße oft die besseren Autofahrer. Ich selbst sitze gern daneben, wenn meine Freundin fährt. Im Rennsport gibt es weltweit nur eine Handvoll Damen, die ganz vorn mitfahren können. So lange das so ist, werden sie es immer schwer haben, auf der Strecke als echte Gegner und nicht nur als Farbtupfer akzeptiert zu werden.

Wie geht es weiter bei Ihnen? Jetzt werde ich erst einmal kurz durchatmen und mir dann genau überlegen, wo ich als Nächstes angreife. Der Test im VW Race Touareg war eine tolle Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Die Marke Audi ist eh ein Teil von mir und wird es immer bleiben. Klar ist jedenfalls, dass ich auch in Zukunft immer wieder im Rennauto sitzen werde – dafür liegt mir das Racing einfach im Blut.

Die etwas andere Titelseite: Tschüs, Terminator! AUTO BILD MOTORSPORT-Redakteurin Katrin Wolff überreicht den Sonderdruck.

Und noch ein Geschenk

Die Redaktion von AUTO BILD MOTORSPORT bedankte sich bei bei ihrem DTM-Fahrer mit einem speziellen Geschenk. Zum Abschied gab es einen Sonderdruck. "Tschüs, Terminator" – so lautet die Schlag-Zeile der etwas anderen Titelseite auf der Christian-Abt-Sonderausgabe. In der Bildergalerie finden Sie die schönsten und interessantesten Fotos aus seiner Rennsport-Karriere. Und natürlich auch jene, die die persönliche Titelseite zieren. 

Zur Person
Christian Abt
Geboren: 8. Mai 1967
Geburtsort: Kempten
Wohnort: Kempten
Nationalität: deutsch
Familienstand: Lebensgefährtin Sandra, Tochter Nina (16)
Erlernter Beruf: Kfz-Techniker
Hobbys: Skifahren, Fitness, Mountainbiking
Karriere
1983-1988 Motocross
1991 ADAC-Formel Junior (Meister)
1992 Deutscher Formel-3-Cup (Meister B-Wertung)
1993-1995 Deutsche Formel 3
1996-1999 ADAC-Supertourenwagen-Cup (1999 Meister)
1999/2000 Star 24 Stunden von Le Mans (Audi), 2000 Platz 3
seit 2000 DTM (Audi)
2003 24 Stunden Nürburgring Platz 2

 

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