Mortara und Green

DTM: Audi-Doppelinterview

— 22.09.2016

"Kämpfen solange der Titel greifbar ist"

Edoardo Mortara ist wieder im Titelkampf. Jamie Green liegt hingegen weit zurück. Mit ABMS reden die Audi-Stars über ihre Titelchancen.

Herr Mortara, herzlichen Glückwunsch zum Sieg am Nürburgring. Wie sehen Sie jetzt Ihre Titelchancen in den verbleibenden vier Rennen?

Edoardo Mortara (29): Der Sieg hat meine Chancen wieder deutlich vergrößert. Ich hoffe, dass wir in den letzten Rennen noch ein paar Siege und Podestplätze erzielen können. Aber das ist sehr schwierig, denn Marco Wittmann und BMW machen einen fantastischen Job. Wir haben starke Gegner, aber solange der Titel noch nicht vergeben ist, werden wir weiterhin darum kämpfen.

Herr Green, Sie haben für den Crash mit Gary Paffett eine Durchfahrtsstrafe kassiert. Durch den Nuller im zweiten Nürburgring-Rennen ist Ihre Titelchance dahin. Wie bewerten Sie diese Situation?

Jamie Green (34): Ich kam aus der Box und wir fuhren Seite an Seite auf die erste Kurve zu. Gary hat mich nicht gesehen und hat eingelenkt, dabei kam es zur Kollision. Er hat sich nach dem Rennen sogar bei mir entschuldigt. Die Strafe ist ein bisschen zu hart, denn wenn ich aus der Box komme, habe ich gar keine andere Wahl, als dort in die Kurve zu fahren.

Aber Ihre Chance auf den Titel ist weg ...

Green: Nein, es sind noch 100 Punkte zu vergeben, also ist der Titel noch möglich. Man sollte nicht zu früh aufgeben. Ich hatte viel Pech und habe auch einige Fehler gemacht. Aber das Auto ist konkurrenzfähig und hat das Potenzial zum Siegen. Das sollte ich in den letzten Rennen versuchen.

Während BMW und Mercedes sich frühzeitig auf jeweils nur einen Kandidaten im Kampf um den Titel festlegen konnten, waren Sie bei Audi zumindest bis zum Nürburgring zu zweit. Ein Nachteil?

Green: Im letzten Jahr hatte Mercedes mit Pascal Wehrlein nur einen Kandidaten für den Titel, und alle Teamkollegen haben ihn unterstützt. Das hat sich am Ende ausgezahlt. Auf der anderen Seite wäre es eine riskante Strategie, wenn man sich von Beginn an auf einen Fahrer konzentriert. Daher ist es gut, dass Audi noch zwei Kandidaten im Feuer hat. Außerdem macht es mich schneller, wenn ich schnelle Teamkollegen habe, die ich schlagen muss.

Mortara: Für die Hersteller ist es gut, wenn sie mehrere Titelfavoriten haben. Das ist kein Nachteil, denn man kann der Konkurrenz die Punkte wegnehmen. Das ist vor allem für die Team- und Herstellerwertung sehr gut.

Kann man Ihre Situation mit der von Nico Rosberg und Lewis Hamilton in der Formel 1 vergleichen?

Green: Natürlich sind Edo und ich auch Teamkollegen, die beide um den Titel kämpfen. Aber Mercedes lässt die beiden frei fahren. Der Vorsprung gegenüber dem Rest des Feldes ist groß genug. Selbst wenn sie mal kollidieren, gewinnt Mercedes noch die Weltmeisterschaft. Das können wir uns in der DTM nicht erlauben.

Mortara: Ich weiß nicht, wie die Situation zwischen ihnen aussieht. Natürlich sieht man, was auf der Strecke passiert. Aber wir wissen nicht, wie sie abseits der Strecke miteinander umgehen. Daher kann ich das nicht beurteilen.

Macht es einen Unterschied, wenn Sie gegen den eigenen Markenkollegen fahren?
Mortara: Nein. Natürlich möchte man mit den eigenen Teamkollegen keinen Kontakt auf der Strecke haben. Aber man fährt genauso wie bei allen anderen Fahrern auch. Man sollte bloß kein großes Risiko eingehen.

Green: Es ist anders als in anderen Rennserien, weil man in der DTM gleich sieben Teamkollegen hat. Man trifft daher viel häufiger mit einem von ihnen zusammen. Kollisionen lassen sich auch nicht immer vermeiden.

Genau wie Teamorder. Wie stehen Sie zur viel diskutierten Stallregie in der DTM?

Green: Das gehört dazu. Motorsport ist eben nicht nur Sport, sondern auch Marketing. Als Fahrer präsentieren wir einen Hersteller. Es ist nicht wie im Tennis, wo jeder für sich spielt. Wir werden von den Herstellern bezahlt und wollen das bestmögliche Ergebnis für sie erzielen.

Mortara: Das macht es manchmal auch schwierig für uns, denn als Sportler müssen wir Dinge tun, über die wir nicht glücklich sind. Zum Beispiel wenn wir Teamkollegen vorbeilassen müssen. Das akzeptieren wir.

Autor: Sönke Brederlow

Fotos: Audi; picture-alliance

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