DTM-Champion Bernd Schneider

DTM-Champion Bernd Schneider DTM-Champion Bernd Schneider

DTM-Champion Bernd Schneider

— 12.11.2003

"Aufhören ist noch kein Thema"

Auch nach vier DTM-Titeln hat Bernd Schneider (39) nicht genug vom Siegen. Sein Sohn soll aber möglichst nicht zum Rennfahrer werden.

"Ich hatte Glück im rechten Moment"

AUTO BILD motorsport: Herr Schneider, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem vierten DTM-Titel. Haben Sie die Saison 2003 und die Meisterfeier schon verarbeitet? Bernd Schneider: Viel Zeit, um das alles zu verarbeiten, hatte ich nicht. Seit dem Finale in Hockenheim jagt ein Termin den nächsten. Erst Stars & Cars, dann Motorshow Essen, DMSB-Meisterehrung usw.

Hatten Sie denn gar keine Zeit für etwas Urlaub? Nein – seit Hockenheim hatte ich noch nicht einmal ein freies Wochenende. Auch bis zum Saisonstart 2004 werde ich keine Zeit mehr für einen Urlaub finden. So langsam laufen schon wieder die Vorbereitungen für die kommende Saison an.

Wie sehen Sie die zurückliegende Saison nun mit etwas Abstand? Es war schon allein deswegen eine ganz besondere Saison für mich, weil ich Meister geworden bin. Und der Titel war hart umkämpft. Es gab viele Höhen und Tiefen. Teilweise hatte ich Pech, im letzten Rennen Gott sei Dank Glück im rechten Moment.

Wie groß war die Anspannung beim Saisonfinale eigentlich wirklich? Christijan Albers lag davor in der Tabelle ja nur einen Punkt hinter Ihnen ... Bis zum Rennstart war ich eigentlich gar nicht angespannt. Alle vier HWA-Piloten wussten, dass wir in diesem Jahr alles für Mercedes-Benz rausgeholt hatten. Die Anspannung wuchs erst, als das Rennen gestartet wurde. Richtig heftig wurde es dann, als ich einen Reifenplatzer hatte. Alles war wieder offen. Und dann hatte auch noch Christijan einen Reifenschaden. Wenn das einer als Drehbuch für einen DTM-Film vorgeschlagen hätte, hätte es wohl jeder sofort als völlig unrealistisch abgelehnt.

"Aufhören ist für mich noch kein Thema"

Glauben Sie, dass es 2004 noch schwieriger wird, den DTM-Titel wieder zu gewinnen? Davon bin ich überzeugt. Die anderen Marken werden weiter aufholen. Wichtig wird vor allem sein, bei jedem Rennen in die Punkte zu fahren.

Sie werden nächstes Jahr 40. Macht sich Ihr Alter beim Fahren gegenüber Ihren jüngeren Kollegen irgendwie bemerkbar? In erster Linie merke ich das Älterwerden daran, dass mich die Leute immer häufiger fragen, wann ich vorhabe, den Helm an den Nagel zu hängen. Im Auto tun mir nur nach einem langen Rennen die Knochen etwas mehr weh als früher. Ansonsten fühle ich mich noch genauso fit wie eh und je.

Muss man denn mehr in seine körperliche Fitness investieren, je älter man wird? Nein. Als Rennfahrer brauche ich ja keine Schnellkraft. In erster Linie ist eine gute Ausdauer gefragt. Man kann das mit Marathonläufern vergleichen. Die werden auch am besten, wenn sie 38 oder älter sind.

Gab es Situationen, in denen sich in diesem Jahr Ihre Erfahrung besonders bezahlt gemacht hat? Ich kann mich an keine spezielle Situation erinnern. Viel wichtiger ist aber eh die Erfahrung meines Teams. Die haben mich im richtigen Moment angespornt und beruhigt, wenn es mal nicht so lief.

Können Sie sich vorstellen, noch mit über 50 Rennen zu fahren wie ein Hans-Joachim Stuck? Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Stuck und auch Klaus Ludwig sind da Ausnahmeerscheinungen. Mit dem Karriereende werde ich es so halten, wie Ludwig es getan hat: Ich fahre so lange, wie es mir Spaß macht und ich schnell bin.

Haben Sie denn überhaupt schon mal übers Aufhören nachgedacht? Natürlich habe ich mir schon mal Gedanken gemacht, was ich nach meiner aktiven Rennfahrerzeit machen werde. Aber zurzeit ist Aufhören für mich noch kein Thema.

"Mein Sohn soll lieber Fußball spielen"

Könnten Sie sich vorstellen, bei Mercedes-Benz Motorsport eine leitende Funktion zu übernehmen, möglicherweise sogar der Nachfolger von Norbert Haug zu werden? Norbert wird viel länger Motorsport-Chef bleiben, als ich Rennfahrer bin. Aber ich könnte mir schon vorstellen, eine ähnliche Aufgabe zu übernehmen. Es gibt bei uns viele Möglichkeiten. Ich weiß aber auf jeden Fall, dass ich bei Mercedes-Benz bleiben will. Mercedes-Benz gehört zu meiner Familie.

Ist es nicht schwer, sich nach vier DTM-Titeln immer wieder neu zu motivieren? Hat man nicht irgendwann genug, immer wieder das zu versuchen, was man eh schon erreicht hat? Ich bin immer motiviert. Wenn ich in ein Rennauto steige, will ich gewinnen. Daran hat sich nichts geändert. Aber wenn ich nächstes Jahr nicht den Titel hole, dann wird die Welt für mich auch nicht untergehen.

Welche Rolle spielt Ihre Familie bei beruflichen Entscheidungen? Was die Karriereplanung angeht, beeinflusst mich meine Familie eigentlich nie. Meine Frau lässt mir da völlig freie Hand. Sie hilft mir eher bei anderen Entscheidungen. Und meine Kinder sind noch ein wenig jung für solche Dinge. Aber meine Kids geben schon Kommentare zu den Rennen ab. Mein Sohn kannte mich eigentlich immer nur mit der Startnummer eins. In diesem Jahr war er völlig verwundert, dass die Drei auf meinem Auto war. In Hockenheim war nach dem Rennen seine erste Frage: "Papa, hast du jetzt wieder die Nummer eins?"

Wünschen Sie sich, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter einmal in Ihre Fußstapfen treten? Ich werde alles versuchen, um sie nicht auf diesen Weg zu bringen. Aber wenn ich irgendwann merke, dass mein Sohn genauso verrückt auf das Rennfahren ist wie ich damals, dann werde ich es wohl nicht verhindern können. Es wäre mir ehrlich gesagt lieber, wenn er Fußball spielt.

Aber würden Sie ihn aktiv bei einer möglichen Motorsportkarriere unterstützen? Wenn er wirklich großen Spaß daran hätte, dann schon. Damals hat mich mein Vater unterstützt, so gut er konnte. Ohne meinen Vater wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Glücklicherweise wäre ich heute in der Position, meinen Sohn ebenso gut zu unterstützen.

Bernd Schneider im Kurzporträt

Kurzporträt Geboren 20. Juli 1964 • Geburtsort St. Ingbert • Wohnort Monte Carlo (Monaco) • Nationalität Deutschland • Familienstand verheiratet mit Nicole, eine Tochter (Lisa), ein Sohn (Luca) • Erlernter Beruf Stahlbetonbauer • Hobbys Billard, Golf, Squash, Tischfußball

Der DTM-Schumi Schon im Kartsport zählte Bernd Schneider zu den ganz Großen: 1979 wird er mit 15 Jahren Fünfter der Kart-Junioren-Weltmeisterschaft, 1980 Deutscher Kart-Meister. 1987 wird er Deutscher Formel-3-Meister und fährt 1988 und 1989 mit dem unterlegenen Zakspeed in der Formel-1-WM.

Beim Rennen in Monaco lernt er 1988 seine Frau Nicole, die Schwester von Ex-Fußball-Nationalspieler Oliver Bierhoff, kennen – damals Fernsehmoderatorin bei RTL. Nach einem Jahr im Sportwagen (Porsche) kommt er 1991 zu Mercedes-Benz. In der DTM wird er zweimal Dritter, holt schließlich 1995 mit der C-Klasse den DTM- und ITC-Titel. Im letzten Jahr der "alten" DTM 1996 wird er Vizemeister und siegt 1997 mit Mercedes-Benz in der FIA-GT-Serie.

2000 wird Schneider erster Meister der "neuen" DTM und wiederholt seinen Titel 2001. 2002 muss er sich knapp Laurent Aiello geschlagen geben. Nach seinem vierten Titelgewinn 2003 ist Big-Bernd nun der erfolgreichste DTM-Fahrer aller Zeiten.

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