DTM 2017: Alle Fahrer, alle Autos, alle Teams

DTM: Di Resta gewinnt dank Safety-Car

— 17.06.2017

Green nachträglich disqualifiziert

Paul Di Resta gewinnt das Samstagsrennen in Ungarn vor Timo Glock und Bruno Spengler. Ärger gibt es um einen Spalt am Frontdiffusor von Jamie Green.

DTM-Hammer fast sechs Stunden nach dem Ende des fünften Saisonrennens in Budapest: Jamie Green ist nach einem Protest des Mercedes-Teams HWA disqualifiziert worden. Der Hintergrund der Entscheidung: Mercedes hatte bemängelt, dass am Audi RS 5 DTM von Green unerlaubterweise ein Spalt am Frontdiffusor abgedichtet worden war. Dies ist laut Artikel T 2.10.1 bei dem für alle Fahrzeuge verbindlich zu verwendenden Einheitsbauteil nicht erlaubt. Die Sportkommissare gaben dem Protest des Mercedes-Teams deshalb statt. 

Seit Wochen gibt es zwischen den drei Herstellern und dem DMSB rege Diskussionen, ob dieser Spalt geschlossen werden darf oder nicht. Eigentlich hatte man sich darauf geeinigt, dass er nicht geschlossen wird. Audi tat dies am Samstag trotzdem, Greens Bolide war allerdings der einzige RS 5 DTM, bei dem dieser Spalt geschlossen war. Heißt aber auch: Auch ohne Protest wären die Sportkommissare tätig geworden.

Die Disqualifikation hat nicht nur Konsequenzen für das Rennen, bei dem die nachfolgenden Fahrer entsprechend aufrücken, sondern auch für den Titelkampf. Green verliert nach seinem Aus seine sechs Punkte und hat nun wieder 14 Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Lucas Auer (Mercedes).

Der Zoff um die Abdichtung des Spalts geht aber wohl in eine weitere Runde, denn das Audi-Team Rosberg hat Berufung gegen das Urteil angekündigt. Diese muss bis Mittwochabend schriftlich eingelegt werden. Mit einer endgültigen Entscheidung des Berufungsgerichts wäre dann erst in einigen Wochen zu rechnen.

Di Resta gewinnt nach Safety-Car-Kontroverse

Mit der richtigen Strategie und einer Menge Schützenhilfe vom Safety-Car hat Mercedes-Pilot Paul Di Resta in Budapest den fünften Saisonlauf im Deutschen Tourenwagen Masters gewonnen. Der Schotte setzte sich am Samstag auf dem 4,381 Kilometer langen Hungaroring vor dem früheren Formel-1-Fahrer Timo Glock und dem Kanadier Bruno Spengler (beide BMW) durch.

Di Resta, DTM-Champion von 2010, war nach einer schwachen Qualifikation nur von Rang 13 gestartet, hatte aber - wie auch Glock und Spengler - früh die Reifen gewechselt und feierte dank eines zum rechten Zeitpunkt benötigten Safety-Cars seinen ersten Sieg seit Mai 2016 in Hockenheim. Für Audi war das Rennen indes eine große Enttäuschung, nachdem das Team nach einem starken Qualifying mit fünf Fahrern auf den ersten fünf Startplätzen gestanden hatte.

Rast (l.) war im Pech, Di Resta (r.) im Glück

Der von der Pole gestartete DTM-Neuling René Rast kontrollierte im ABMS-Audi zunächst das Feld. Dahinter lagen Green, der zweifache Champion Mattias Ekström aus Schweden und Mike Rockenfeller, die ein Audi-Quartett an der Spitze perfekt machten. Ein Unfall des Belgiers Maxime Martin im BMW und die anschließende Safety-Car-Phase wirbelte das Klassement jedoch mächtig durcheinander - mit dem besseren Ende für di Resta und die beiden BMW.

Von der Rennleitung eingeleiteten Ermittlungen wegen "unfairen Verhaltens" zogen indes keine Konsequenzen für die Münchner nach sich. Grund: Martin blieb in einer Passage stehen, die ein Safety-Car provozierte. "Das ist ein absurder Vorwurf", ärgerte sich BMW-Motorsportchef Jens Marquardt. "Jeder, der mich kennt, weiß das." Er erklärte, dass bei Martin nach dem Kontakt mit Tom Blomqvist die Bremsen blockiert hätten und er daher stehen bleiben musste.

Trotzdem: Di Resta, Glock und Spengler profitierten von ihren deutlich früheren Boxenstopps, Rast und Green wechselten erst spät im Rennen die Reifen und fielen im Feld damit nach hinten. Rockenfeller wurde mit Rang vier noch bester Fahrer der Ingolstädter, ein Schlussattacke auf Spengler reichte aber nicht mehr fürs Podest.

Gesamtführender bleibt weiterhin der Österreicher Lucas Auer im Mercedes mit 69 Punkten. Er holte beim ersten Auslandsauftritt der DTM in diesem Jahr mit Platz 13 keine Zähler und war nach einer Kollision zwischenzeitlich sogar ans Ende des Feldes zurückgefallen.

Den aktuellen Gesamtstand gibt es hier im Überblick.

Das sagen die Top-3:

Paul di Resta (Sieger von Startplatz 13): "Manchmal hat man Glück im Sport. Das Safety-Car hat uns heute geholfen, danach konnte ich das Rennen kontrollieren und den Sieg mitnehmen. Die Realität ist aber, dass Audi hier sehr stark ist. Man hat heute aber auch gesehen, dass immer alles passieren kann."

Timo Glock (Zweiter von Startplatz 14): "Mit einem Podium habe ich nun wirklich nicht gerechnet von Startplatz 14. Ich hatte früh im Rennen auch noch einen Bremsplatten und dachte dann: 'Was haben wir zu verlieren?' Deshalb sind wir rein. Eine Runde später kam das Safety-Car und ich wusste: Das war der goldene Move. Mein Ingenieur hat mir gesagt, dass nur drei Fahrer gestoppt haben, also war klar, dass es Chancen aufs Podium gibt. Ich habe mir das Rennen dann eingeteilt, um die Reifen nicht kaputtzumachen. Insgesamt haben wir heute viel Glück gehabt, weil die Audis eigentlich sehr stark waren. Ohne die Safety-Car-Phase wären wir da angekommen, wo wir losgefahren sind und hätten kein Blumentopf gewinnen können. Zum Feiern gibt es deshalb auch keine Zeit. Wir wissen, dass wir arbeiten müssen, um den Rückstand zu verkürzen."

Bruno Spengler (Dritter von Startplatz 16): "Wow, das kam unerwartet. Wir mussten im Rennen was riskieren von weit hinten - das hat geklappt. Es war eine tolle Strategie. Ich bin schon in Runde eins rein und dann hinter dem Safety-Car noch einmal. Es war genau der richtige Moment. Mit zwei Stopps auf Podium ist schon Wahnsinn, aber wir mussten es so machen, sonst hätten die Reifen am Ende nicht gehalten. Mike (Rockenfeller; d. Red.) kam zum Schluss von hinten so schnell, er war mit Abstand der Schnellste im Feld. Ich wusste, es sind nicht mehr viele Runde und habe alles gegeben, um ihn hinter mir zu halten. Es hat geklappt, weil er auch sehr fair war - aber zwei, drei Runden länger und er hätte mich sicher gehabt. Ich freue mich für das ganze Team und mich über das Podest, es sind gute Punkte. Aber es war viel Glück dabei heute, bei der puren Performance gibt es noch sehr viel zu arbeiten und zu tun."

Ergebnis - Lauf 1, 17.6.2017:

1. Paul Di Resta (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM 57:52,984 Min.
2. Timo Glock (Thurgau/Schweiz) - BMW M4 DTM +1,393 Sek.
3. Bruno Spengler (Kanada) - BMW M4 DTM +4,598
4. Mike Rockenfeller (Landschlacht/Schweiz) - Audi RS 5 DTM +4,948
5. Mattias Ekström (Schweden) - Audi RS 5 DTM +8,937
6. René Rast (Minden) - Audi RS 5 DTM +9,561
7. Jamie Green (Großbritannien) - Audi RS 5 DTM +10,781 (später disqualifiziert)
8. Gary Paffett (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM +31,014
9. Marco Wittmann (Fürth) - BMW M4 DTM +31,577
10. Edoardo Mortara (Italien) - Merced.-AMG C63 DTM +32,651

So lief das Qualifying

Dominante Vorstellung von Audi auf dem Hungaroring: Die ersten fünf Plätze in der Startaufstellung gehen an die Ingolstädter. Nach den Resultaten des Vorjahres und den Trainingseindrücken keine wirkliche Überraschung - sehr wohl aber, wer die Pole holte: Denn auf René Rast hätten wohl die Wenigsten getippt! Der Deutsche stellte seinen AUTO-BILD-MOTORSPORT-Audi auf Platz eins, die erste Pole für Rast in seiner ersten kompletten Saison in der DTM. "Es wird immer besser", lacht Rast. "In Hockenheim die erste Reihe, am Lausitzring das Podium und jetzt die Pole", freut sich der Audi-Rookie. "Es gibt immer noch eine Steigerung, der erste Sieg wäre natürlich toll. Aber die Pole ist schon mehr als ich mir erträumt habe, deswegen bin ich mega happy!"

René Rast durfte über seine erste DTM-Pole jubeln

Trotz der Audi-Dominanz - darauf, dass seine Kollegen ihn mit Samthandschuhen anfassen, will Pole-Mann Rast lieber nicht bauen. "Meine Strategie ist: Vorne bleiben, Vollgas geben und versuchen wegzufahren. Natürlich ist die Ausgangsposition mit so vielen Audis hinter mir gut. Aber es ist noch früh in der Saison, wir alle können kämpfen." Was Rast eher in die Karten spielt: "Das Überholen ist hier sehr schwierig, daher ist der erste Startplatz mehr wert als zum Beispiel in Hockenheim."

Das weiß auch der erste Verfolger Jamie Green, der deshalb gleich am Start Fakten machen will. "Das ist definitiv die beste Möglichkeit", so der Brite, der jedoch auch klarstellt: "Am Ende sind wir Teamkollegen, wir werden also nichts lächerliches machen. Die Pole war ein toller Job von René, aber jetzt wollen wir natürlich beide gewinnen."

Hinter Rast und Green reihten sich die Markenkollegen Mattias Ekström, Nico Müller und Mike Rockenfeller. Bester Nicht-Audi wurde Augusto Farfus im BMW auf Position sechs. Bester Mercedes war einmal mehr Lucas Auer. Der Gesamtführende startet noch hinter Loic Duval vom achten Rang in das Samstagsrennen der DTM (Start: 14.48 Uhr live in der ARD).

Ergebnis - Qualifying, 17.6.2017:

1. René Rast (Minden) - Audi RS 5 DTM 1:34,742 Min.
2. Jamie Green (Großbritannien) - Audi RS 5 DTM +0,076 Sek.
3. Mattias Ekström (Schweden) - Audi RS 5 DTM +0,450
4. Nico Müller (Schweiz) - Audi RS 5 DTM +0,484
5. Mike Rockenfeller (Landschlacht/Schweiz) - Audi RS 5 DTM +0,502
6. Augusto Farfus (Brasilien) - BMW M4 DTM +0,533
7. Loic Duval (Frankreich) - Audi RS 5 DTM +0,636
8. Lucas Auer (Österreich) - Merced.-AMG C63 DTM +0,712
9. Gary Paffett (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM +0,715
10. Tom Blomqvist (Großbritannien) - BMW M4 DTM +0,724

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: DTM

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung