Audi

DTM: Ekström feiert Regen-Sieg in Spielberg

— 02.08.2015

Audis Abschussbefehl sorgt für Eklat

Mattias Ekström holt für Audi am Sonntag in Spielberg den Sieg - die Ingolstädter müssen sich aber für den Abschuss von Pascal Wehrlein rechtfertigen.

Audi-Pilot Mattias Ekström feierte im Sonntagsrennen der DTM in Spielberg den 21. Erfolg seiner Karriere und den Sprung an die Spitze des DTM-Klassements mit einem freiwilligen Dreher im Ziel. Die herausragende Leistung des 37 Jahre alten Schweden auf regennasser Strecke wurde aber von einem Vorfall in der letzten Runde getrübt. Robert Wickens und der bisherige Spitzenreiter Pascal Wehrlein wurden in ihren Mercedes von Audi-Mann Timo Scheider von der Strecke geschoben. In der ARD-Übertragung hörten die TV-Zuschauer Sekunden zuvor folgenden Funkspruch: „Timo, schieb ihn raus!”

Dr. Ullrich entgleitet die Zunge

Aus mit Zoff-Faktor: Wehrleins Kollision mit Wickens und Audis Scheider erhitzte die Gemüter in Spielberg

„Wenn es den Funkspruch gab, dann sollte derjenige, der das gemacht hat, nie wieder auf eine Rennstrecke dürfen”, schimpfte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Anschluss. „Das tut man nicht. Den Meisterschaftsführenden abzuschießen ist indiskutabel und unter jeder Würde.” Dass Mercedes-Pilot Gary Paffett vor Audis Samstagssieger Edoardo Mortara Zweiter wurde, interessierte in den Minuten nach dem Rennen kaum noch. Ausgerechnet Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich bekannte sich zu dem Satz - bestritt aber, Scheider damit einen Auftrag gegeben zu haben. „Ich rede normalerweise nicht zu den Fahrern. Das geht normal über die Ingenieure. Aber ich habe mich geärgert und dann laut gebrüllt: Ja schieb ihn halt raus. Es kann sein, dass da ein Funk offen war”, sagte er in der ARD.
Der zweimalige DTM-Champion Scheider sagte, er habe den Funkspruch gar nicht gehört und sei Wickens unabsichtlich ins Heck gefahren, weil dieser bei schwierigen Sichtverhältnissen früher gebremst habe als erwartet. Wehrlein, der nach seinem zweiten Platz am Samstag als Spitzenreiter ins zehnte Saisonrennen gestartet war, durfte sich auf Ansage von Mercedes unmittelbar nach dem Unfall nicht öffentlich äußern. Wickens und er hatten sich zuvor gegenseitig dabei geholfen, im Kampf um Platz fünf an Scheider vorbeizukommen. Der Kanadier Wickens sagte: „Er haut uns beide raus. Das ist nicht fair.”

Paffetts Druck reicht nicht aus

Blick nach oben: Die Top-3 Paffett, Ekström & Mortara (v.l.n.r.) bekamen vom Ärger dahinter nichts mit

Die Leistung Ekströms rückte durch diese Szene in den Hintergrund. Nachdem der Schwede mehr als drei Jahre auf die 20. Pole Position seiner Karriere warten musste, brauchte er auch im Wettkampf zunächst viel Geduld. Wegen anhaltender Regenfälle und viel Wasser auf der Straße wurde das Rennen erst um zehn Minuten verschoben und dann hinter dem Safety Car gestartet. „Das ist nur eine Zahl. Ich fühle mich nicht wie der älteste im Feld”, hatte Ekström nach der Qualifikation gesagt und auf den Vorteil seiner großen Erfahrung verwiesen.
So lief das Qualifying am Sonntag: Ekström auf Pole

Mit all seiner Routine pflügte er dann auch über den Red Bull Ring und war nach der Hälfte des 60-Minuten-Rennens scheinbar schon so weit weg, dass auch der Pflichtboxenstopp keine Gefahr für Platz eins darstellte. Verfolger Paffett aber bekam von seinem Renningenieur laufend die Zwischenzeiten und die Ansage, weiter anzugreifen. „Keep pushing, keep pushing”, dröhnte es am Funk. 15 Minuten vor Schluss trennten beide nur noch etwas mehr als drei Sekunden, bei noch acht Minuten waren es etwas mehr als zwei Sekunden - aber es reichte nicht mehr. Die übellaunigen Gesichter der Mercedes-Verantwortlichen nach Rennende hatten aber logischerweise einen ganz anderen Grund. Ebenso ein bitterer Tag war es derweil für BMW - die Münchner brachten kein einziges Auto in die Punkteränge. (fh/dpa)

Weitere Stimmen zum Abschuss-Skandal:

Timo Scheider (Audi): "Ich habe keinen Funkspruch gehört. Die Situation hat damit angefangen, dass Robert mich geblockt hat, damit Pascal von hinten rankommt. So weit, so gut, dann haben die beiden sich vorbeigedrückt. In Kurve drei haben sie dann sehr früh gebremst, um kein Risiko einzugehen. Dabei habe ich Robert berührt und der wiederum wahrscheinlich Pascal. Aber das ist Racing unter diesen Bedingungen auf der Kampflinie. Es ist blöd und sollte nicht passieren - keine Frage. Am Ende bin ich aber trotzdem ganz ordentlich um die Kurve gekommen. Ich denke, wir können uns da gern auch die Daten ansehen, wer da wann gebremst hat. Ich denke, wir haben da nichts zu befürchten."

Die Szene des Wochenendes: Scheider (unten) kann weiterfahren, Wickens und Wehrlein kreiseln ins Aus

Wolfgang Ullrich (Audi-Sportchef): "Die Situation war natürlich nicht so schön, weil klar war, welches Spiel da mit Timo gespielt werden sollte. Ich muss sagen, dass es sehr emotional war und ich war nicht glücklich über die Vorkommnisse. Wenn das in den letzten zwei Runden nicht passiert wäre, wäre es ein sehr gutes Rennen gewesen, aber wenn man es am Ende auf die harte Weise will, dann entstehen solche Rennen. Wir haben schon oft darüber gesprochen, und ich bin nicht glücklich darüber. Wenn so etwas passiert, müssen wir versuchen sicherzustellen, dass es in Zukunft nicht noch einmal passiert."

Robert Wickens (Mercedes): "Es ist unfair! Wir hatten einen guten Kampf. Ich habe einen Fehler gemacht und er ist dann an mir vorbeigegangen. Dann habe ich ihn wieder überholt und dann verteidige ich mich natürlich in der letzten Runde, damit er mich nicht überholt. Dann haut er uns beide raus, das ist nicht fair."

Ulrich Fritz (Mercedes-DTM-Teamchef): "Es war sehr enttäuschend, dass zwei unserer Autos in recht guten Positionen aus dem Rennen genommen wurden. Was wir vorher gesehen haben, war sicherlich ein harter Positionskampf, der meiner Meinung nach aber fair ablief. Was hinterher ablief war für mich nicht fair. Es war klar mit Absicht - wir haben den Funkspruch alle gehört, wie jemand bei Audi Timo gesagt hat, er soll jemanden vor sich wegschieben. Ich denke, das ist nichts, was wir in der DTM sehen wollen. Darüber sind wir mehr als enttäuscht."

Das Rennergebnis in Spielberg (Sonntag) - überholt nach Disqualifikation:

1. Mattias Ekström (Audi) 1:01:47.136 Minuten
2. Gary Paffett (Mercedes) +4.334 Sekunden
3. Edoardo Mortara (Audi) +23.555
4. Mike Rockenfeller (Audi) +25.445
5. Nico Müller (Audi) +29.964
6. Lucas Auer (Meredes) +43.726
7. Maximilian Götz (Mercedes) +44.620
8. Christian Vietoris (Mercedes) +1:00.668
9. Paul di Resta (Mercedes) +1:01.506
10. Antonio Felix Da Costa (BMW) +1:05.663
11. Marco Wittmann (BMW) +1:06.995
12. Martin Tomczyk (BMW) +1:07.700
13. Miguel Molina (Audi) +1:10.505
14. Timo Glock (BMW) +1:11.638
15. Bruno Spengler (BMW) +1:13.669
16. Adrien Tambay (Audi) +1:15.250
17. Jamie Green (Audi) +1:22.362
18. Augusto Farfus (BMW) +1:26.870
19. Maxime Martin (BMW) +1:40.397
20. Robert Wickens (Mercedes) +1 Runde
21. Pascal Wehrlein (Mercedes) +1 Runde

Ausfälle:

Tom Blomqvist (BMW)
Daniel Juncadella (Mercedes)

Disqualifiziert:
Timo Scheider (Audi)
Fotos: Picture-Alliance / ARD

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