DTM: Die heftigsten Unfälle

DTM: Gerhard Berger im Interview

"Ich mag keinen Betrug am Fan"

DTM-Boss Gerhard Berger spricht im Interview mit ABMS über die Aufregung um Mercedes in Budapest und die Rolle seines Neffen Lucas Auer dabei.
Gerhard Berger, wie haben Sie die Szene zwischen Paul di Resta und Lucas Auer gesehen?
Berger: Ich habe bislang nur mit Uli Fritz (Mercedes-Teamchef) gesprochen, weil ich zunächst an Stallorder dachte, was eine komplett inakzeptable Geschichte wäre. Sie ist unsportlich. Es wäre für die DTM ein Rückschritt. Im ersten Moment war ich schockiert. Ich war so stolz darauf, dass wir aus der Nummer raus sind. Aber Uli Fritz hat mir versichert, dass es keine Stallorder war und die Fahrer selbst dafür verantwortlich waren. Dann gehe ich davon aus, dass dem so ist.
Wenn es keine Stallorder war: Können Sie Lucas‘ Aktion nachvollziehen?

DTM-Boss Berger im Fahrerlager am Hungaroring

Ich weiß nicht, warum Lucas auf der Geraden auf die Bremse steigt. Darüber muss ich mit ihm noch sprechen. Jemand, der Meister werden will, der muss Ellenbogen haben, der muss dagegenhalten und bis zur letzten Kurve mit den Zähnen im Lenkrad kämpfen. Sonst wirst du nie Meister.
Lucas hat es so erklärt, dass er vor allem an sich, an seine Reifen und etwas weitergedacht habe und Zweiter werden wollte, wenn er schon nicht gewinnen könne. Er hatte dabei auch die Audi hinter sich im Blick...
Ich kenne Lucas gut genug, er kann schon kämpfen. Das ist eine ganz neue Seite, die ich so noch nicht kenne. Die Reifen - in der einen Runde fährt er zwei Sekunden langsamer, dann wieder zwei Sekunden schneller. Kompletter Schwachsinn, dass die Reifen nur eine Runde lang nicht gehen. Und: Warum bremst er dann? Aber wie gesagt: Uli Fritz hat mir versichert, dass es keine Stallorder gab. Und deshalb gibt es keinen Grund für mich, das anzuzweifeln.
Warum wurde die Stallorder nicht einfach verboten?

Mercedes' Verhalten in Ungarn sorgt für viel Kritik

Das kann man nicht verbieten. Man kann niemanden daran hindern, dass er langsamer fährt. Jeder, der sich innerhalb des Sports bewegt, hat eine Verantwortung, fair und sportlich zu sein. Sonst arbeitet man gegen das, womit sich jeder Teilnehmer schmückt: Sportlich zu sein.
Was sagen Sie den Fans, die die DTM für Stallorder kritisieren?
Die haben alle recht. Ich kaufe mir doch keine Karte für ein Rennen oder schaue es mir im Fernsehen an, wo einer auf die Bremse steigt auf der Geraden. Das ist für den Rennsport eine Todsünde. Ein No-Go. Das akzeptiert niemand, das darf nicht sein. Und wer das bewusst steuert, hat im Sport nichts zu suchen.
Man kann also nicht mehr machen, als an die Sportlichkeit zu appellieren?
Wenn einer langsam fahren will, dann macht er das. Ganz einfach. Da kann man gar nichts machen.
War das ein Rückschlag für die Serie oder verläuft sich das wieder?
Das darf sich nicht verlaufen. Beim letzten Rennen Teamorder, wenn es um den Titel geht - das hat es schon immer gegeben. Ich will aber in keinen Sport involviert sein, in dem in einer frühen Phase, in der alle noch vorne mitfahren können, irgendwelche Spielchen passieren. Ich mag einfach keinen Betrug am Fan.

Autor: Andreas Reiners

Fotos: Hersteller

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