DTM: Die heißesten Grid Girls 2017

DTM: Interview mit Lucas Auer

"Keine Ausreden suchen"

Wir haben mit dem Neffen von DTM-Boss Gerhard Berger Lucas Auer gesprochen. Das sagt er über seinen Onkel und die DTM.
Herr Auer, Sie sind der Neffe von DTM-Boss und Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger. Wie viel hat er Ihnen eigentlich von seiner eigenen Karriere erzählt?
Wenig. Wir reden eher über meine Karriere. In Gesprächen zwischen meinem Onkel und mir ging es immer nur um Fakten, kaum um Geschichten. Über allem stand: Wie komme ich in meiner Karriere weiter? Deshalb habe ich meine Fragen an ihn immer klug gewählt.
Wie hat er Sie genau „unterrichtet“?
Keine Ausreden – in jeder Hinsicht. Wenn du nicht gewinnst, solltest du keine Ausreden suchen, sondern knallhart analysieren. Das war aber auch gut so. Denn es hat mir später dabei geholfen, dass ich meinen Weg in der DTM allein gehe.

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Bevor Gerhard Berger Sie gefördert hat, war Ihre Mutter immer dabei. Wie wichtig ist Sie für Sie?
Meine Mutter hat meine Karriere geprägt, speziell in den Anfangsjahren, als ich sechs, sieben, acht Jahre alt war. Ohne sie wäre alles gar nicht möglich gewesen. Denn ich brauchte ja auch ein Grundbudget. Und sie ist zu jedem Rennen mitgefahren, hat das voll durchgezogen – obwohl sie bestimmt Besseres zu tun gehabt hätte. Mein Onkel ist dann erst seit dem Formelsport richtig dabei. Da war ich gerade 16 und in der asiatischen Formel BMW aktiv. Von da an habe ich ihn nach jedem Rennwochenende angerufen. Er ist allerdings nicht von sich aus auf mich zugekommen, was wohl daran liegt, dass er auch so ein Typ war, der sich alles selbst erarbeitet hat.

Zuhause hat Auer einen eigenen Simulator stehen

Ihr Onkel fuhr zu einer Zeit in der Formel 1, als noch Streiche möglich waren. Welche Geschichten über ihn haben Sie besonders fasziniert?

Zum Beispiel die, als er das Auto von Jean Todt (damals Ferrari-Teamchef; d. Red.) zu Schrott gefahren hat. Und es noch mit einer Plane vertuschen wollte. Das hat mich einfach umgehauen. Das kann ich mir heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Das war schon eine coole Zeit damals. Wenn man sein Buch liest, findet man viele lustige Sprüche und Aktionen. Die hätte ich ihm gar nicht zugetraut.
Würden Sie sich da heute auch mehr Lockerheit wünschen?
Auf jeden Fall! Man muss sich aber erst eine Position erkämpfen, in der man sich dann so etwas erlauben kann. Dann geht so eine Gaudi auch heute noch.
Warum haben Sie die DTM als Sprungbrett gewählt?
Ich war schon immer sehr ehrgeizig. Am Anfang hatte ich nur die Formel 1 vor Augen. Aber nach der Formel BMW und Formel 3 habe ich gemerkt, dass die Formel 1 keine Option ist – einfach weil Angebote fehlten. Dann bin ich als Mercedes-Rookie in die DTM gekommen und hab mich direkt umorientiert. Denn ich wollte nicht mein ganzes Leben bezahlen, um Motorsport professionell betreiben zu können.
Sie sind derzeit Tabellenzweiter, haben in diesem Jahr schon zwei Siege geholt und sind stärkster Mercedes-Fahrer. Was macht Sie so stark in diesem Jahr?
Das ist ganz simpel. Das erste Jahr kommst Du in die DTM, hast keinen Plan von so einem Auto und den Reifen. Es dauert erst mal, bist Du das System verstehst und dass Du einen Arbeitgeber hast, der Forderungen stellen kann. Das ist sehr viel für einen jungen Kopf. Im ersten Jahr ist es deshalb wichtig, dass Du ein paar Highlights setzt. Dann kommt der zweite Schritt im nächsten Jahr. Aber es ist immer noch so viel zu lernen. Ich habe so viele Fehler gemacht, sogar im zweiten Jahr noch. Im dritten bist Du endlich bereit und weißt, was auf Dich zukommt. Du kennst die Gegner und verstehst die Serie. Ich habe es dieses Jahr oft geschafft, auf den Punkt zu fahren, am Limit und nicht drüber.

Lucas Auer liegt in der DTM auf dem zweiten Rang

Wie wichtig ist es dabei auch die Schultern breit zu machen?

Unfassbar wichtig: Denn die Jungs in der DTM sind mit allen Wassern gewaschen. Und entweder schwimmt man bei ihnen mit oder man geht unter.
Sehen Sie sich als Favorit auf den Titel?
Wir müssen mindestens noch die nächsten zwei Rennen abwarten. Dann haben wir Halbzeit. Der Norisring ist eine Mercedes-Strecke, da muss ich das Niveau halten. Wenn ich bis dahin weiter vorne mitkämpfe, kann man mich als Titelfavoriten ernst nehmen.
Pascal Wehrlein hat gezeigt, dass man als DTM-Pilot auch in die Formel 1 aufsteigen kann. 
Deshalb haben wir mit dem Wechsel in die DTM alles richtig gemacht. Die DTM ist eine perfekte Serie. Noch besser als hier kannst du nicht ausgebildet werden. Du spürst das erste Mal Druck, da das Team etwas von dir fordert. Und du hast fünf Teamkollegen, die alle was draufhaben. An die Formel 1 zu denken, bringt mir aber nichts. Ich kann da derzeit nur von träumen. Ich habe im Moment nur die DTM und Mercedes im Kopf. Ich muss jetzt einfach meine Leistung abrufen. Und das in jedem Rennen. Der Rest interessiert mich gar nicht.
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Wie gut verstehen Sie sich eigentlich mit Pascal Wehrlein, dem Sie ja derzeit nacheifern?
Pascal ist einer der wenigen, die ich an der Rennstrecke als Freund bezeichnen würde. Immer wenn wir uns sehen, ist es lustig. Und das schon seitdem wir acht oder neun Jahre alt sind. Da waren wir im gleichen Bambini-Team. Als wir dann zusammen in der DTM waren, habe ich ihn versucht auszuquetschen, von ihm zu lernen. Da war er in seinem Meisterjahr. Er ist ein cooler und schneller Typ.
 

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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