DTM 2009, Ralf Schumacher

DTM Interview mit Ralf Schumacher

— 08.04.2009

Die DTM ist kein Kindergarten

Auch wenn er jetzt einen Neuwagen hat, geht Ralf Schumacher mit dem nötigen Respekt in sein zweites DTM-Jahr. Im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT erzählt Schumi II wie er seine Zukunft sieht.

Das Lernjahr ist vorbei, Ralf Schumacher geht in seine zweite DTM-Saison und nun sitzt er in einer aktuellen Mercedes-C-Klasse. Den Bonus des Neulings hat er nun nicht mehr - und er hat mit dem Neuwagen das Material, in dem er mit den Toppiloten verglichen werden kann. Der unterlegene Jahreswagen ist kein Argument mehr und der Erfolgsdruck von außen wächst. Auto Bild Motorsport hat Ralf Schumacher zu seiner sportlichen und privaten Zukunftsplanung befragt. AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Schumacher, Sie haben in München die weltweit erste Mercedes-Gallery eröffnet. Sie wurden als erster Mercedes-Benz DTM-Pilot für 2009 verpflichtet, standen dadurch ständig im Rampenlicht, waren in den Medien präsent. Was ist das für ein Gefühl, sich so oft selbst zu lesen, selbst zu sehen? Ralf Schumacher: Obwohl ich das alles schon ein paar Jahre durch die Formel 1 gewöhnt bin, ist es trotzdem immer wieder ein eigenartiges Gefühl, wenn man sich irgendwo sieht oder über sich liest. Generell macht mir die Öffentlichkeitsarbeit eine Menge Freude. Und jetzt natürlich auch durch das momentan größere Interesse durch den "Aufstieg" in einen Neuwagen in der DTM. Für mich ist es eine Ehre, bei solch wichtigen Veranstaltungen wie der Gallery-Eröffnung in München für die Marke Mercedes-Benz präsent zu sein.

Trainiert wird fast jeden Tag

In München eröffnete Ralf Schmacher die weltweit erste Mercedes-Galery. Mit dabei: "Alt"-Star Mika Häkkinen.

Wie viele PR-Tage kommen auf einen Tag, an dem Sie im Cockpit sitzen? Insgesamt ist das schon noch überschaubar. Das sind gar nicht so viele PR-Tage, wie Sie vielleicht denken: Ich denke so etwa 30 pro Jahr. Aber wie vorhin gesagt, mir macht das viel Spaß.
Gibt es Momente, in denen Ihnen das Interesse an Ihrer Person auch mal zuviel wird? Das letzte Jahr, mein erstes mit Mercedes-Benz in der DTM, war wirklich angenehm. Der DTM-Fan ist anders, als ich es von der Formel 1 gewohnt war. Die ganze Stimmung ist relaxter, der Umgang normaler.
Norbert Haug hat angekündigt, dass wir diese Saison den fittesten Ralf Schumacher erleben, den es je gab. Warum haben Sie so intensiv trainiert? Haben Sie etwas anders gemacht als bisher? Na dann! (lacht). Ich habe schon immer gerne trainiert. Aber ich habe jetzt mehr Zeit dazu, bin öfters zu Hause. Ich habe weniger Reisetage als in der Formel 1 mit ihren Übersee-Rennen. Und ich sitze auch an weniger Tagen im Renn-Auto. Dadurch ist es möglich, konstanter zu trainieren, mehr oder weniger sogar tagtäglich.

Das zweite DTM-Jahr bestreitet Ralf in einem AMG-C-Klasse-Mercedes der 2009er Generation.

Welchen Einfluss auf Ihre Motivation hat denn die Tatsache, dass Sie nun ein siegfähiges Auto steuern? Motiviert ist ein Rennfahrer immer. Man versucht ja auch in schwierigeren Situationen, das Beste rauszuholen. Jetzt ist es mein Ziel, vergleichbar gute Leistungen wie meine Teamkollegen zu zeigen. Doch die haben mir schon einiges an Erfahrung in der DTM voraus.
Viele Außenstehende behaupten, dass der Erfolgsdruck durch das aktuelle Auto auf Sie wachsen wird. Aber: Welchen Druck machen Sie sich denn selbst? Ich habe an mich selbst natürlich auch immer eine gewisse Erwartungshaltung, will immer das Maximum aus meinem Auto und mir herausholen. Speziell muss ich in der Qualifikation diese eine perfekte Runde hinbekommen. Von Außen betrachtet ist die Erwartungshaltung sicher höher. Die meisten Leute sagen bestimmt: "Jetzt sitzt der ehemalige Formel-1-Pilot Ralf Schumacher in einem neuen Auto, da muss er doch gewinnen." Die DTM ist aber absolut kein Kindergarten. Hier geht es um hundertstel Sekunden, die über einen guten Startplatz entscheiden. Die anderen Jungs hier in der DTM fahren schon seit einigen Jahren diese Art von Autos. Denen kann keiner mal eben so zeigen, wo's lang geht.

Mancher Kniff fehlt noch

Erfahrung hilft in der DTM immer. Was genau haben Sie gelernt? Dass aller Anfang in der DTM verdammt noch mal nicht leicht ist… Allein den Dunlop-Einheitsreifen so zu kennen, um diesen in einer schnellen Qualifying-Runde optimal nutzen zu können. Was ich schlimmer erwartet hätte, ist das "Kontaktfahren" in einem Zweikampf. Da die DTM-Autos aerodynamisch sehr diffizil sind und viele Anbauteile schnell wegbrechen können, ist die Disziplin unter den Fahrern doch recht groß. Und ich habe einige Strecken kennen gelernt, auf denen ich vorher noch nie gefahren bin.
Sie bleiben zwar bei Mercedes-Benz, arbeiten aber nun in der DTM-Saison 2009 mit einem neuen Team zusammen, bekommen einen neuen Renningenieur. Wie schwierig ist diese Umstellung? Ich habe mich letztes Jahr in Peter Mückes Team sehr wohl gefühlt. Aber das ist jetzt bei den ersten Testfahrten mit HWA genau so gewesen. Auch wenn es verschiedene Teams gibt, ziehen bei Mercedes-Benz grundsätzlich alle an einem Strang. HWA ist jedoch der DTM-Entwicklungspartner von Mercedes. Dort entstehen alle neuen Autos. Ich hoffe also, dass ich von der jahrelangen Erfahrung der Ingenieure und speziell der von Gerhard Unger profitieren kann. Ein Plus sind natürlich auch die erfahrenen Teamkollegen. Ich denke, dass ich bei dieser Mannschaft sicher noch den einen oder anderen Kniff dazu lernen werde.

"100 Prozent Routine ist die DTM noch nicht"

2008 startete Schumi II im Mercedes Jahreswagen der C-Klasse und sammelte Erfahrung im "Kontaktfahren".

Reicht ein Jahr aus, um ein DTM-Auto wirklich zu verstehen? Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Bei mir ist noch keine hundertprozentige Routine drin. Das braucht eben eine Weile.
2008 war eine Ihrer großen Aufgaben, generell den Fahrstil von einem Formel 1-Auto auf einen DTM-Boliden umzustellen. An welchen Details können Sie nun arbeiten? Zwei Dinge müssen zusammenkommen: Erstens, den anderen Fahrstil zu beherrschen. Und dann das Limit zu kennen. Das ist in der DTM weiß Gott nicht einfach. Die Autos haben sehr schmale Grenzen. Wenn du die nur etwas verpasst, verlierst du in nur einer Kurve mehrere Zehntelsekunden. Das sind Dinge, an die ich mich noch näher rantasten muss. Das fiel mir etwas leichter, als ich zum ersten Mal mit HWA getestet habe. Und natürlich hoffe ich, dass ich mit der AMG Mercedes C-Klasse Jahrgang 2009 besser zurechtkomme.
Gibt es etwas aus der Formel 1, was Sie heute vermissen? Das reine Fahrgefühl eines Formel-1-Autos war schon etwas tolles, das vermisse ich manchmal. Den Rest aber nicht.

"Bei Motorrad-Rennen reicht ein Schumacher"

Bereitwillig gibt Ralf Schumacher Auskunft zu seinen Plänen bei Mercedes und im Bootsbau.

Worauf können Sie am meisten verzichten? Darauf gehe ich jetzt nicht näher ein (lacht).
Motorrad-Ass Valentino Rossi, WTCC-Champ Yvan Muller und auch F1-Fahrer Kimi Räikkönen haben sich alle im Rallye-Sport versucht. Reizt Sie das Thema auch? Hut ab, was die Rallye-Fahrer und auch deren Teams leisten - unter wirklich extremen Bedingungen. Zum Spaß könnte ich mir das schon mal vorstellen.
Und Motorrad-Rennen? Das reicht, wenn ein Schumacher das versucht (lacht).
Sie wollen dem Werftbesitzer Albert Drettmann helfen, neue Yacht-Modelle zu entwickeln. Wie kommt ein Rheinländer und Wahl-Österreicher ausgerechnet auf die Schifffahrt? Angefangen hat mein Interesse an Schiffen und Booten schon 1997, als ich noch in Monaco gelebt habe. Ende 1999 oder Anfang 2000 habe ich dann auf einer Messe Albert Drettmann kennen gelernt. Wenn man einmal in der Technik drin ist, interessiert sie einen auch. Bei mir wuchs dann das Interesse, an vielen Dingen mitzuarbeiten, sie zu verbessern. Gerade bei Booten, die sehr individuell sind, kann man dies ständig machen.

"Meine Frau fährt gut – Und ich bin ein guter Beifahrer"

Was machen die Renn-Ambitionen Ihrer Frau Cora? Es kann durchaus sein, dass meine Frau eventuell den einen oder anderen Spaßeinsatz in irgend einer kleineren Rennserie fahren wird. Sie macht das einfach ganz gerne - aber das war es dann auch.
Lassen Sie sich denn gerne von Ihr fahren?
Klar, ich lasse mich gerne von meiner Frau fahren! Ich habe damit überhaupt kein Problem, sie ist eine gute Autofahrerin - und ich ein entspannter Beifahrer.
Im Supermarkt einkaufen, spazieren gehen. Geht das, ohne dass Sie gleich einen riesigen Rummel auslösen? In Salzburg sind die Leute gewöhnt, dass wir dort leben. Hier in München ist das schon etwas anders, so wie auch in ganz Deutschland. Die Leute drehen sich schon mal nach mir um. Aber das ist für mich kein Problem.
Ihr Sohn David wird im Oktober acht Jahre alt. Zeigt er schon Interesse am Beruf seines Vaters? David fährt schon seit längerer Zeit Kart. Aber ob er dann irgendwann mal Rennfahrer werden will oder nicht, kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Dafür ist es viel zu früh. Er fährt gerne, aber er beschäftigt sich auch mit anderen Dingen. Wenn er irgendwann Profi werden möchte und wenn er seine Sache auch wirklich gut macht, warum nicht.

Die Zukunft: Mercedes, Bootsbau, Immobilien und Kartbahnen

Seit 18 Jahren bestimmt der Motorsport Ihr Leben. Wie sieht Ihre langfristige Karriereplanung aus? Der Motorsport wird wohl immer irgendwie Bestandteil meines Lebens sein. Egal in welcher Funktion. Klar wird irgendwann mal das Rennfahrerdasein für mich zur Disposition stehen. Aber vielleicht ergeben sich ja in der Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz noch andere interessante Dinge in der Zukunft - das weiß ich heute aber noch nicht, dafür macht mir das Rennfahren zu viel Freude. Hinzu kommen Dinge, die ich jetzt auch schon mache: Ob das nun im Bootsbau ist, im Immobiliensektor oder nach wie vor das Geschäft mit Kartbahnen. Das alles macht mir eine Menge Spaß.

Autor: Martin Westerhoff

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