DTM-Interview: Ralf Schumacher

DTM-Interview: Ralf Schumacher

— 14.10.2009

Noch kein Vertrag für 2010

Ralf Schumacher rast in Frankreich auf Positon fünf. Nach seinem besten DTM-Ergebnis spricht der Mercedes-Pilot im Interview mit SPORT BILD offen über seine Probleme in der DTM, Zukunftspläne und seinen Bruder Michael.

US-Präsident Barack Obama bekommt den Friedensnobelpreis, Deutschland eine neue Regierung. Wie gefällt Ihnen das?
Obwohl ich seit acht Jahren in Österreich lebe, habe ich als Deutscher natürlich gewählt und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. Neben Barack Obama hätten bestimmt auch einige andere diese Ehre verdient – er selbst sieht das ja auch so. Aber ich halte es für gut, den Preis an jemanden zu verleihen, der sich wie er für den Frieden auf der Welt einsetzt und das war zuletzt ja nicht gerade zwingend beim US-Präsidenten erkennbar.
Nicht erkennbar ist bislang auch, ob Sie ihre Karriere in der DTM im kommenden Jahr fortsetzen wollen.
Es ist viel zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Zu dieser Saison hatten wir auch erst im Januar Klarheit. Ich fühle mich wohl, ich lerne dazu, und es gibt keine Eile. Am Ende ist der Dienstweg sehr kurz.

"Ich fahre unbewusst über dem Limit"

Bestes DTM-Ergebnis: In Dijon pilotiert Ralf Schumacher seine AMG Mercedes C-Klasse auf Platz fünf ins Ziel.

Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug will mit Ihnen verlängern, obwohl Sie seit ihrem Wechsel in die DTM 2008 keine Podiumsplatzierung geschafft haben.

Ich erfahre von Mercedes-Benz die perfekte Unterstützung. Auch ich gehe davon aus, dass ich weitermachen werde und möchte. Aber es ist noch nichts spruchreif. Nun will ich in Hockenheim erst noch ein gutes Rennen fahren, danach sehen wir weiter.
Warum ist die Umstellung von Formel 1 auf DTM so schwer?

In der Formel 1 ist die Aerodynamik entscheidend. In der DTM mehr der mechanische Grip. Deshalb passt zu den DTM-Autos eigentlich auch nur ein sehr runder Fahrstil. Da muss ich mich umstellen. Ich tendiere dazu, die C-Klasse unbewusst über dem Limit zu fahren. Zudem bin ich ein später Bremser. Mein Auto ist siegfähig, nur ich bin es noch nicht, aber das wird.

Erfahrung ist in der DTM enorm wichtig

Seltenes Bild: Ralf steht 2002 auf dem Podest in Malaysia vor seinem Bruder Michael.

Überrascht Sie diese Entwicklung?

Nein, damit habe ich gerechnet. Meine Kollegen hier fahren seit fünf, sechs Jahren oder noch länger in der DTM. Die kennen sich besser aus als ich. Ich hatte hingegen erst zwanzig Rennen, zudem dürfen wir nicht mehr so viel testen. Da dauert es halt, bis sich Fortschritte einstellen. Zuletzt in Dijon, wo noch kein DTM-Rennen stattfand, startete ich ja immerhin aus Reihe drei – 10 Plätze vor dem Tabellenführer. Das zeigt, wie eng es hier zugeht und dass es jeden mit einem schwachen Startplatz erwischen kann.
Wäre für Sie ein weiterer Serienwechsel denkbar oder gibt es schon Überlegungen zum Karriereende?
Ein Serienwechsel ist nicht geplant. Aber wer weiß, was noch kommt. An mein Karriereende denke ich noch nicht. Zudem gehe ich davon aus, dass ich auch nach meiner aktiven Laufbahn weiter im Motorsport arbeiten werde.
Verschlägt es Ihren Bruder Michael zurück ins Formel-1-Cockpit, wenn Ferrari einen dritten Wagen einsetzen darf?
Es gibt keine Notwendigkeit für ein drittes Auto. Das wäre ein Joker für Teams, die es sich leisten können. Das halte ich nicht für richtig. Deshalb weiß ich nicht, ob dieses Thema noch ernsthaft diskutiert wird. Ein Comeback von Michael mag möglich sein, wie groß die Chance dazu ist, kann ich nicht beurteilen.

BMW-Sauber wird 2010 starten

Das Nachfolgeteam ihres ehemaligen Rennstalls BMW bangt um die Starterlaubnis in der kommenden Formel-1-Saison, weil einige Teams ihre Zustimmung für den extra zu schaffenden Startplatz verweigern. Verstehen Sie das?
Das ist nur ein für die Formel 1 typisches Säbelrasseln. Ich denke, das BMW-Nachfolgerteam wird definitiv starten. Und ich hoffe, dass es erfolgreich sein wird. Doch dafür müssen meiner Meinung nach die Strategie geändert werden und weitere technische Fortschritte her.
Bleibt der Red Bull von Sebastian Vettel auch in der kommenden Saison ein WM-Kandidat, oder sind die einstigen Platzhirsche Ferrari und McLaren-Mercedes dann wieder zu gut?
Sebastian hat sich aus meiner Sicht richtig entschieden, bei Red Bull zu bleiben. Red Bull ist von seinen finanziellen Möglichkeiten inzwischen mit einem Herstellerteam absolut zu vergleichen. Aber die Luft an der Spitze wird im kommenden Jahr noch dünner werden und Mercedes hätte ich als Beobachter dabei immer auf dem Radar – wahrscheinlich und hoffentlich ganz oben auf dem Schirm.

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