Mercedes

DTM: Kommentar von Toni Schmidt

— 06.08.2014

Mercedes muss sich an eigene Nase fassen

Mercedes heizt die Durchfahrtsstrafen-Diskussion mit einem offenen Brief weiter an. ABMS-Reporter Toni Schmidt sagt, warum es müßig ist, über die Strafe zu klagen.

Ein enger Boxenstopp zwischen Robert Wickens und Timo Glock, eine Durchfahrtsstrafe und eine anschließende Disqualifikation für den Kanadier – das sind die Dinge, die vom vergangenen DTM-Wochenende in Spielberg am meisten hängen geblieben sind. Und weil es noch nicht genug war, schrieb Mercedes-Sportchef Toto Wolff im Namen seiner Truppe heute einen offenen Brief an die DTM-Kommission, der Wolff übrigens selbst angehört. Damit goss er weiter Öl ins Feuer. Inhalt: Mercedes kritisiert die Entscheidung erneut scharf und fordert für die Zukunft eine „durchgängigere und insbesondere nachvollziehbarere Vorgehensweise bei potenziellen Vergehen und deren Bestrafungen“.

Toto Wolff fand die Entscheidungen der Rennleitung in Spielberg nicht richtig

Soweit so gut. Sicher kann man darüber diskutieren, ob das Losschicken vom Reifenwechsel bei Robert Wickens ein sogenannter „unsafe release“ (Übersetzung: unsicheres loslassen) war oder nicht. Und sicher wird es dazu immer zwei Meinungen geben. Die Rennleitung meinte jedenfalls: Ja, „unsafe release“. Die Folge: Eine Durchfahrtsstrafe. Und darüber kann man nicht mehr diskutieren. Denn ist diese Strafe einmal ausgesprochen, ist sie Fakt. Geregelt ist das in Artikel 17.2 des Sportlichen Reglements der DTM. Dort heißt es: „Unzulässig sind Proteste gegen folgende Entscheidungen des Renndirektors: Drive-Through-Penalty, …“. Tatsachenentscheidung heißt das aus dem Fußball bekannte Wort. Wenn der Schiedsrichter im beliebten Volkssport entscheidet, dass es ein Foul im Strafraum gab und er der angreifenden Mannschaft einen Elfmeter zuspricht, lässt sich darüber auch nicht mehr diskutieren.

Genau das wollte Wickens’ Team aber und ließ die drei Runden, in denen Wickens die Strafe hätte antreten müssen, verstreichen. Die Disqualifikation war das bittere, aber nur logische Ende vom Lied. Fraglich ist, ob Mercedes die Regeln nicht kannte oder nicht kennen wollte. Letzteres lässt ein Satz im heute verschickten Brief vermuten. Da heißt es: „Leider kam es dennoch zu einer Durchfahrtsstrafe, die wir aber im Wissen der Diskussion mit der Rennleitung, sowie auch unserer Überzeugung keinen Fehler begangen zu haben, nicht angetreten haben. Wir fuhren hier ganz klar um den Sieg – diese Möglichkeit wurde uns genommen. Der Kampf um den Sieg wäre für Robert Wickens mit der Durchfahrtsstrafe in der Tat beendet gewesen, nicht aber das ganze Rennen. Das muss sich Mercedes mit seinem Verhalten, die Strafe absichtlich nicht anzutreten, selbst zuschreiben.

ABMS-Reporter Toni Schmidt berichtet von den Rennstrecken dieser Welt

Vor allem haben sie damit nicht nur Robert Wickens, sondern das ganze Team um den zweifellos verdienten Lohn gebracht. Hätten sie die Bestrafung mit Sportsgeist angenommen und Wickens mit seinem Speed kämpfen lassen, wäre trotzdem ein Platz unter den besten sechs oder sieben möglich gewesen. Das hat Jamie Green gezeigt, der nach einer Durchfahrtsstrafe bis zur letzten Runde auf Platz sieben rangierte. Eines darf man in der ganzen Diskussion über „unsafe releases“ übrigens auch nicht vergessen. Es geht in der Boxengasse auch und vor allem um die Gesundheit der Mechaniker, Fotografen, etc. Denn wenn das erste Mal zwei Fahrzeuge in der Boxengasse kollidieren und dabei in eine auf seinen Piloten wartende Boxencrew fährt, ist der Aufschrei groß. Dann lieber eine Durchfahrtsstrafe...

Autor: Toni Schmidt

Fotos: Picture-Alliance / ABMS

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