DTM

DTM: Kommentar zur Wittmann-Strafe

— 26.09.2016

Fans verstehen DTM-Welt nicht mehr

Wittmann verliert nachträglich Platz vier in Budapest. Verlierer ist dabei nicht nur der BMW-Pilot sondern vor allem die DTM und ihre Fans. Ein Kommentar.

Fußball ist ein einfacher Sport. Und weil er so einfach ist, ist er auch so erfolgreich. Timo Glock hat das einmal gesagt. Und hat damit einen wunden Punkt der DTM getroffen. Denn den Ausschluss von Marco Wittmann vom 16. Saisonrennen in Budapest kann der Fan der Tourenwagenserie kaum nachvollziehen. Wenn er ihn denn überhaupt schon mitbekommen hat.
Wittmann disqualifiziert: BMW legt Berufung ein

Symbolisch: Wittmann wird am Start eingeklemmt

Aktuelles Beispiel: Die Fans des Bundesligisten Schalke 04 sind am Sonntag in dem Wissen nach Hause gereist, dass ihre Mannschaft in Hoffenheim mit 1:2 verloren hat und nach der fünften Niederlage in Folge endgültig im Abstiegskampf angekommen ist. Daran wird sich bis zum nächsten Spieltag auch erst einmal nichts ändern.

Der DTM-Fan hat den Fernseher ausgemacht, die Rennstrecke verlassen oder die aktuellen Berichte gelesen und ist mit dem Wissen ins Bett gegangen, dass Wittmann seine Führung auf 26 Punkte ausgebaut hat und auf dem besten Weg ist, seinen zweiten Titel einzufahren.
So lief der Sonntag in Ungarn: Ekström siegt für Audi

Im schlimmsten Fall schlägt er Montagmorgen die Zeitung auf und liest, wie sich Edoardo Mortara mit seinem verpatzten Start und der anschließenden Kollision selbst ein Bein gestellt und Wittmann mit Glück und Geschick Platz vier eingefahren hat. Liest die Stimmen der Protagonisten, die sich durch die Technischen Regeln innerhalb von Stunden komplett selbst überholt haben.

Statt 26 Punkte Vorsprung hat Wittmann nur noch 14

Denn die Sportkommissare entschieden erst am Abend nach eingehenden Untersuchungen, dass Wittmann wegen einer zu dünnen Holzplatte am Unterboden seines BMW disqualifiziert wird. BMW hat nun Berufung angekündigt, wie übrigens auch Mercedes im Fall von Daniel Juncadella, bei dem das Gleiche festgestellt worden war.

Vier Tage haben die Teams nun Zeit, ernst mit der Berufung zu machen. Dann bleibt eine Woche, um diese schriftlich zu begründen. De facto sind wir dann bereits rund eine Woche vor dem Saisonfinale und haben immer noch ein vorläufiges Ergebnis. Kommt es nicht rechtzeitig zu einer Verhandlung, würde der Titel möglicherweise sogar am Grünen Tisch vergeben. Undenkbar? In der DTM leider nicht.
Die DTM in Budapest: Die Highlights hier im Video

Keine Frage, Verstöße gegen das Technische Reglement sind Verstöße gegen das Technische Reglement. Die gehören dann auch bestraft. Bei besagten Verstößen geht es bisweilen zwar nur um Millimeter, die allerdings große Auswirkungen auf die Performance haben können.

Bei BMW geht man in Berufung gegen die Strafe

Doch das Reglement ist mittlerweile so komplex, dass selbst die Hersteller offenbar nicht immer durchblicken. Am Samstag hatten die Sportkommissare dem Team von Wittmann eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro aufgebrummt, weil Teammitglieder nach dem Qualifying mit in den Wiegebereich gelaufen sind und die Bremsen am Auto gekühlt haben. In den Wiegebereich dürfen aber nur Mitarbeiter des DMSB. Da der Wiegebereich aber kein Parc-fermé-Bereich ist, gab es auch „nur“ eine Geldstrafe und keinen Wertungsausschluss.

Nicht verstanden? Nicht schlimm. BMW sprach anschließend selbst von einem „Prozedurfehler“.

Grundsätzlich mag der Wertungsausschluss richtig sein, gut ist er deshalb noch lange nicht. Denn der Fan hat ab diesem Zeitpunkt schon längst den Überblick verloren. Und die DTM wiederum den Fan. Denn der versteht die DTM-Welt nicht mehr.

Autor: Andreas Reiners

Fotos: Picture-Alliance

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