DTM am Norisring 2014

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DTM Norisring 2014: Qualifying

— 28.06.2014

Mercedes Top – BMW Flop

Überraschung im Norisring-Qualifying: Das Kräftegleichgewicht in der DTM scheint auf den Kopf gestellt. AUTO BILD MOTORSPORT sprach mit den Protagonisten über die Gründe.

Eine Runde Schnaps gab es für alle anwesenden Pressevertreter bei Mercedes’ Medienrunde im Anschluss an das Qualifying. Keine verfrühte Siegesfeier, aber allemal ein Ausdruck der Erleichterung nach dem enttäuschenden Saisonstart der Stuttgarter in dieser Saison. Ein guter Tag sei es gewesen, so der Tenor im Mercedes-Lager, doch Kommunikationschef Wolfgang Schattling stellte auch klar: „Wir werden jetzt sicher nicht übermütig, sondern bleiben demütig...“ Viele Gründe zur Demut gab es auf der Strecke am Samstag allerdings nicht. Eine bärenstarke Performance lieferte Mercedes dort ab, gleich fünf der Top-8-Autos hatten einen Stern auf der Motorhaube und mit Robert Wickens und Paul di Resta fuhr man eine eindrucksvolle 'Doppel-Pole' heraus.

Ein gutes Pflaster

Pole-Mann Robert Wickens zeigt es an: Mercedes ist der 'Boss' auf dem Norisring

Anschließend erklärte der Erstplatzierte die Gründe für die Leistungsexplosion. „In erster Linie ist das hier auf dem Norisring die Streckencharakteristik. Da haben wir Glück, denn sie kommt uns massiv entgegen“, so Wickens, der verriet: „Wir haben einen guten Motor und sind stark auf der Bremse. Das braucht man hier, um schnell zu sein.“ Schattling fügte hinzu: „Der gute Top-Speed ist ein Schlüssel, die starke Traktion ebenso... beides kann das Auto offensichtlich und wir sind froh, dass es das wenigstens kann.“ Groß ist das Vertrauen ins eigene Paket nach dem schwachen Jahresbeginn bei solchen Sätzen scheinbar nicht. Umso größer war nach dem Zeittraining auf dem Stadtkurs dementsprechend die positive Überraschung über das eigene Abschneiden. „So habe ich das ganz sicher nicht erwartet. Aber wir waren hier in den letzten zehn Jahren immer gut und der Kurs liegt uns“, sagte Schattling.

Zusätzliches Training hilft

Da man bis auf ein paar Set-Up-Einstellungen seit dem letzten Lauf in Budapest nichts geändert habe, sei der Sprung nach ganz vorne dennoch unerwartet. Somit dürfe man die starke Vorstellung vom Samstag mit Blick auf die restliche Saison nicht überbewerten. Schattling: „Aber ein Licht am Ende des Tunnels ist sie allemal.“ Begründete Zuversicht bei Mercedes, haben die Schwaben ihre Probleme doch längst lokalisiert. „Uns fehlt schlicht der Abtrieb in schnellen Kurven, denn beim mechanischen Grip sind wir gut.“ Schnelle Kurven gibt es auf dem Norisring aber nicht. Und noch eine positive Hilfestellung machte Schattling aus. „Dass wir hier am Samstag jetzt ein zusätzliches Training haben hilft uns sehr. Wir haben nicht so viele Simulations-Werkzeuge wie die Konkurrenz, also kommt uns jede Sitzung auf der Strecke doppelt entgegen.“

Audi & BMW mit Rückstand

Stichwort Konkurrenz: Die war im Kampf um die Pole nicht wirklich groß. Während man sich bei Audi als zweite Kraft präsentierte und laut DTM-Leiter Dieter Gass „Schadensbegrenzung“ betrieb, waren die Sorgen bei BMW schon größer. Lediglich Tabellenführer Marco Wittmann zog als einziger Pilot der Münchner ins finale Q3 ein, musste sich dort aber mit stumpfen Waffen und P8 begnügen. Das mannschaftliche Ergebnis las sich am Samstag nicht gut, Vorbote war bereits das erste Training, in dem sich BMW geschlossen am Ende der Zeitenliste tummelte. Motorsport-Direktor Jens Marquardt stellte als fairer Verlierer jedoch sofort klar: „Wir haben durch die Performance-Gewichte zwar teilweise zehn Kilo mehr an Bord und das hilft nicht – der Grund für unseren Rückstand war das aber nicht.“

Abstand im Regen noch größer?

Timo Scheider schaute genau hin und analysierte für ABMS die Konkurrenz von Mercedes & BMW

Dieser sei eher - wie schon bei Mercedes, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen - an der Kurscharakteristik festzumachen. BMW-Pilot Joey Hand erklärte im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT: „Sowohl wir als auch Audi sind bei mittlerem bis hohem Kurven-Speed besser. Mercedes kommen die Bodenwellen und der wenige Grip entgegen, der hier benötigt wird.“ Und auch bei Regen, der für Sonntag angesagt ist, erwartet der Amerikaner die Konkurrenz aus Stuttgart im Vorteil. „Wir haben das bei ihnen in den anderen Rennen gesehen: Im Trockenen waren sie da immer hinten, im Regen in Oschersleben vorn. Jetzt sind sie hier schon im Trockenen vorn...“, schwante Hand für Sonntag Böses. Warum BMW selbst einen schwachen Tag erlebte, verriet Markenkollege Antonio Felix da Costa: „Wir haben heute im Training in die falsche Richtung gearbeitet und im Quali den Preis dafür gezahlt. Auf diesem Kurs ist der eben schon bei einem kleinen Problem noch größer, weil es hier so eng zugeht.“

Spengler & die Wolke

Überraschter zeigten sich da schon Bruno Spengler und Timo Glock. Während dem Kanadier auffiel, wie wetterfühlig sein M4 DTM war – „es kam eine Wolke, die Temperaturen gingen runter und schon fing mein Auto an zu rutschen und die Zeit war weg. So extrem hatten wir das noch nie!“ – wunderte sich Ex-F1-Pilot Glock über die Glanzleistung von Mercedes. „Dass sie hier konkurrenzfähiger sind, war zu erwarten. Aber an diese Dominanz hätte ich nicht geglaubt.“ Doch wie ist diese zu erklären? Audi-Pilot Timo Scheider hatte als Drittletzter am Samstag früh Feierabend und daher Zeit, sich die Stärken und Schwächen der Gegner auf der Strecke anzuschauen, um diese anschließend für AUTO BILD MOTORSPORT zu analysieren.

Luftwiderstand BMWs Achillesferse

Scheider: „Mercedes fehlt die Aero, aber mechanisch war ihr Auto schon immer top. Hier am Norisring brauchst du keine Aero, das Auto muss nur einigermaßen gut bremsen.“ Hinzu kommt: „Wir fahren alle mit möglichst wenig Flügel, um geradeaus so schnell wie möglich sein. Auf anderen Stecken fehlt Mercedes der Abtrieb, aber hier ist das egal. Und gepaart mit ihrem Gewichtsvorteil wird das nun in den Zeiten spürbar.“ Und BMW? „Ich denke ihr Auto hat viel Abtrieb, aber meiner persönlichen Meinung nach haben sie beim Luftwiderstand nicht den besten CW-Wert. Mechanisch ist ihr Auto zwar sehr gut, aber wenn dir hier der Top-Speed fehlt, kriegst du auf dieser Strecke einfach Probleme...“

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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