DTM: Alle Fahrer und Autos 2018

DTM: Pascal Wehrlein im Interview

„Ich bin weiser, aber nicht weniger hungrig“

Pascal Wehrlein ist aus der Formel 1 zurück in der DTM. Hier verrät er, wie er sich verändert hat.
Pascal Wehrlein, das Meister-logo von AUTO BILD MOTORSPORT ist jetzt auf Ihrem Mercedes. Dann kann mit dem Titel ja nichts mehr schiefgehen, oder?
Pascal Wehrlein (23): Jetzt wird der Druck natürlich noch mal deutlich größer (lacht).
Drei Jahre nach Ihrem Titel als jüngster Meister aller Zeiten und nach zwei Jahren in der Formel 1 sind Sie zurück in der DTM. Wie haben Sie sich verändert?
Ich denke, ich habe mich als Fahrer insgesamt deutlich verbessert, weil ich in den zwei Jahren in der Formel 1 unheimlich viel gelernt habe: Wie ich fahre, wie ich das Auto einstelle, oder wie ich mit dem Team zusammenarbeite. Wenn ich vom Speed her von Anfang an so schnell wäre wie 2015, wäre das eine gute Basis. Als Person habe ich mich nicht so sehr verändert, vielleicht bin ich etwas weiser, aber nicht weniger ehrgeizig und weniger hungrig.

In diesem Jahr ist er im AUTO BILD MOTORSPORT Design unterwegs

Sie polarisieren sehr stark. Wie finden Sie das selbst?
Ich glaube, da geht es eher darum, welche Fans welche Marke unterstützen. Das gibt es überall im Sport. Ich sage meine Meinung, den einen gefällt das, den anderen nicht. Da muss man drüberstehen. Das ist ja wie im Fußball, wo sich die Bayern- und die Dortmund-Fans nicht gut finden. Ich finde es selbst auch cooler, wenn man Fan von einer Mannschaft ist, dann aber Hardcore, mit der ganzen Abneigung, die dazugehört. Sonst fehlt der Reiz.
Schade, dass Sie aufgrund des Funkverbots nur noch Selbstgespräche führen können ...
Ich habe das damals extra zur Unterhaltung gemacht, um zu polarisieren (lacht). Im Ernst. Ich wollte diese Meisterschaft unbedingt gewinnen, koste es, was es wolle. Da war mir auch egal, wenn ich am Funk nicht so rüberkam, wie andere es sich vorstellen. 
Wie viel Chance und wie viel Risiko ist diese Rückkehr für Sie?
Ich hätte zu Hause bleiben und nichts fahren können. Von daher habe ich mich nicht damit beschäftigt, ob es viel oder wenig Risiko ist. Ich freue mich darauf, hoffentlich ein gutes Auto zu haben, mit dem ich Rennen gewinnen und aufs Podium fahren kann. Um die positiven, großen Emotionen zu spüren und die Erfolgsmomente zu haben, die ich zwei Jahre lang in der Formel 1 sehr selten hatte. Deshalb war es keine Option, gar nichts zu fahren.
Wer wird Ihr größter Gegner?
Das wird vor allem der Faktor Zeit. Ich muss so schnell wie möglich lernen und mich an alles gewöhnen. Ich glaube nicht, dass ich mir die DTM nicht wieder aneignen kann. Der Speed wird kommen, nur hoffentlich auch früh genug. 
Und was die anderen betrifft?
Alle. Die DTM ist so eng zusammen, dass jeder gewinnen kann. Speziell in diesem Jahr. Egal wem man zuhört: Alle sagen, dass es durch die Änderungen an der Aerodynamik noch enger werden wird. Jeder Hersteller kann siegen. Dabei zählt nicht einmal, wer im Schnitt den besten Kader hat. Jeder Hersteller hat Fahrer, die schon mal Rennen gewonnen haben. Und wer schon mal Rennen gewonnen hat, kann auch Meister werden.

2015 wurde Wehrlein jüngster DTM-Champion der Geschichte

Worauf kommt es gegen die eigenen Teamkollegen an, auch angesichts der Tatsache, dass ab einem gewissen Zeitpunkt auf einen Fahrer gesetzt wird?
Genau das ist meine größte Sorge. Dass ich an den ersten zwei, drei Rennwochenenden noch nicht auf dem Speed bin, auf dem ich gegen Ende der Saison sein könnte. Aber andererseits glaube ich nicht, dass wir uns bei Mercedes schon so frühzeitig festlegen werden. Klar kommt irgendwann der Moment, aber bei 20 Rennen an zehn Wochenenden kann bis über die Saisonhalbzeit hin-aus viel passieren.
Warum ist die Rück-Anpassung von der Formel 1 so schwierig?
Weil man sich zurücknehmen muss. Man gewöhnt sich an etwas Schnelleres sehr schnell. Aber gerade in einer Wettkampfsituation tut man sich schwerer, sich selbst zu bremsen und langsamer in die Kurve zu fahren als andersherum. 

DTM: Alle Fahrer und Autos 2018

Wie müssen Sie Ihren Fahrstil ändern im Vergleich zur Formel 1?
Mit dem Formel-1-Auto habe ich bei 100 Metern gebremst und bin mit 320 km/h in der Kurve angekommen. Jetzt bremse ich bei 130 Metern und komme mit 260 km/h an. Wann ich bremsen, einlenken und wie schnell ich in die Kurve fahren muss: das abzuschätzen, wird die größte Änderung sein. 
Was gefällt Ihnen an der DTM, wie sie sich seit 2015 verändert hat?
Die ganzen Regeländerungen finde ich sehr positiv, auch die 30 Prozent weniger Abtrieb für dieses Jahr, damit die Hersteller näher zusammenliegen. Und die Reifen. Heute ist es sehr schwer, 30 Runden mit einem Satz zu fahren. Früher konntest du das Sprintrennen damit locker durchfahren. Und dass die Reifen nicht mehr vorgewärmt werden, ist sehr interessant.

Autor: Andreas Reiners

Fotos: Hersteller

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