DTM-Schlussspurt

DTM-Schlussspurt

— 19.09.2002

So will Mercedes das Ding noch drehen

Audi-Star Aiello hat den Titel fast sicher. Doch pltzlich macht Mercedes die DTM zum Mannschaftssport, greift mit zehn Verteidigern an. Nchste Attacke: Zandvoort (29. September).

Zandvoort: Auswrtsspiel fr Mercedes

Manch einer whnte sich im falschen Film von Spielberg: Wie angespitzte Rudel fielen am A1-Ring die Akteure von Mercedes und Abt-Audi in der DTM bereinander her. Blocken, ausbremsen, abdrngen, abhngen. Am Ende glichen die Darsteller abgekmpften Fuball-Cracks. Fuball mit Autos. Tacklings mit Tren. Zahllose Torchancen. Knapp ein Dutzend Fhrungswechsel. Ein taktisches Match mit enormem Einsatz.

Und: Sie haben noch nicht fertig. Der Pott ist noch nicht vergriffen. Denn in einer Keilerei, die bereits die Entscheidung htte bringen knnen, stoppte ein zahlenmig berlegenes Team aus Stuttgart zugunsten von Meister Bernd Schneider den eigentlich schnelleren aktuellen Titelfavoriten, Laurent Aiello, und seine Mitspieler.

Nun, in Zandvoort (29. 9.), folgt die Verlngerung. Ein Auswrtsspiel fr Mercedes, denn den Audi kommt der Rennplatz in Holland entgegen. In den mittelschnellen Kurven, in denen die Aerodynamik von vergleichsweise geringer Bedeutung ist, knnen die TT-R die Strke ihres Fahrwerks, den hervorragenden mechanischen Grip, voll ausspielen.

Zehn Mercedes gegen fnf Audi

Aber was heit das schon? Mercedes hat einen genialen Spielmacher am Kommando-Stand. Wie Fuball-Guru Giovanni Trappatoni hatte sich Technik-Chef Gerhard Ungar vor dem Ia-Kampf am A1-Ring eine Taktik zurechtgelegt, um Audi-Sturmspitze Aiello trotz Pole-Position vor dem vorzeitigen Titelgewinn zu Fall zu bringen. Er dirigiert zehn Mercedes gegen fnf Audi. "Beim Verhltnis fnf zu zehn bleibt es auch in Zandvoort", sorgt sich Hans-Jrgen Abt. "Dann msst ihr eben mehr Autos einsetzen", kontert Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Gut reden hat der. Es kann aus dem Vollen schpfen, steht aber womglich am Ende mit leeren Hnden da. Und beugt vor. In Zandvoort will die schwbische Werksmannschaft den nchsten Konter setzen. In sterreich nahmen Jean Alesi und Uwe Alzen Aiello knallhart in die Mitte. Und zwangen den Tabellenfhrer aus Frankreich in die Eisen, er verlor gleich mal drei Pltze.

Dieses Spiel ber die (Kot-)Flgel bedingt allerdings einen erneut schlechten Start Aiellos. Anders als in der Formel 1 zhlt in der DTM nicht die beste Startautomatik, sondern in erster Linie das Gefhl des Fahrers in Kupplungs- und Gasfu. Tenor bei Abt: "Laurent ist eben auch nur ein Mensch."

Abwehr organisieren und Ergebnis halten



Haug kann nur hoffen, denn bislang standen die Audi selbst auf Strecken vorn, auf denen Mercedes aufgrund des strkeren Motors favorisiert war (Norisring, A1-Ring). Abgesehen vom Lauf in Donington, startete Aiello stets von einer der drei ersten Positionen.

Doch falls er wegziehen sollte, haben Schneiders Mannschaftskameraden wirksame Mittel, ihren amtierenden Meister nach vorn zu befrdern: Am Ende der Geraden ausscheren, sich neben den Gegner setzen, bremsen und erst im allerletzten Moment einlenken. Das ruiniert garantiert nicht nur die eigene, sondern auch die Runde des Gegners, wie Marcel Fssler in sterreich als Ausputzer bewies.

Doch auch Audi hat's drauf: Einmal lotste Martin Tomczyk seinen Mittelstrmer Aiello in der Remus-Kurve an sich vorbei, einmal spielte Ekstrm Manndecker fr Aiello.

Teamchef Hans-Jrgen Abt hat sich bereits ein Allheilmittel gegen die Schikanen der Stern-Fahrer ausgedacht: "Wir mssen im Rennen mit vier oder fnf Audi vorn stehen." Das TT-Quartett soll dann hinter Aiello die Abwehr organisieren und das Ergebnis halten.

Rang drei reicht Laurent Aiello zum Titel

Am A1-Ring noch Wunschdenken: Nach dem Ausfall von Tomczyk und Wendlingers Dreher war Ekstrm Einzelverteidiger und damit berfordert, Kollege Christian Abt trabte nach migem Training wie Effenberg durchs Mittelfeld.

Doch der grte Brocken fr Aiello ist Haugs Sechser-Abwehrkette bestehend aus den Vorjahres-CLK. Whrend in sterreich alle Siegkandidaten zwischen der siebten und neunten Runde zum Pflicht-Stopp an die Box kamen, blieben diese Edel-Reservisten knapp acht Runden lnger auf der Strecke, lagen so zeitweise vor Aiello und raubten dem Beinahe-Champion bis zu 2,5 Sekunden pro Runde. Schon klebte Schneider wieder an seinem Heck.

Mglicher Konter: Auch Aiello stoppt ganz spt. Risiko: Eine mgliche SafetyCar-Phase im letzten Renndrittel wrde das Feld aufschlieen lassen. Aiello und alle, die jetzt noch zum Stopp mssten, htten sich danach ganz hinten anzustellen. Rang drei reicht Aiello (19 Punkte Vorsprung) zum Titel. Er ist auch dann Meister, wenn er weniger als sieben Punkte auf Schneider einbt. Klingt leicht, wird schwer.

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