Nerven wie Drahtseile: Vietoris lenkte sich mit der Bestzeit vom Flugdrama ab

DTM: Testfahrten in Budapest

— 02.04.2014

Vietoris mit Bestzeit an Tag drei

Am dritten Tag der DTM-Testfahrten in Budapest folgte an der Spitze die Wachablösung: Erstmals war kein Audi sondern ein Mercedes vorne.

Unglaubliche Leistung von Christian Vietoris: Der Mercedes-Pilot hat am dritten Tag der ITR-Tests auf dem Hungaroring die Bestzeit hingeknallt - und das nach einer mentalen Achterbahnfahrt, wie man sie glücklicherweise nur selten erlebt. Als er gestern kurz vor Mittag im Flugzeug von München nach Budapest saß, spielte sich vor ihm an Bord eine Geiselnahme ab. Es war sein 25. Geburtstag - einer, den er nie vergessen wird (AUTO BILD MOTORSPORT berichtete exklusiv).

"Ich saß relativ weit hinten im Flugzeug, habe Musik gehört und hatte die Augen zu - auf einmal wurde es dann relativ laut und hektisch. Da habe ich ich die Augen geöffnet", erinnert sich Vietoris an die Sekunden, als ihm die Lage bewusst wurde."Viele Passagiere sind in Panik nach hinten gelaufen. Ich habe dann gesehen, dass eine Stewardess von einem Passagier bedrängt wird."

Bange Momente an Bord

Der Zwischenfall ereignete sich rund 15 Sitzreihen vor dem DTM-Piloten. Der Geiselnehmer - ein 28-jähriger Mann aus dem Kosovo - bedrohte die Flugbegleiterin mit einem Rasiermesser. Wie er die Waffe an Bord bringen konnte, ist noch ungeklärt. Kein Wunder, dass auch Vietoris Angst hatte: "Natürlich macht man sich da Gedanken, was passiert, wenn Panik in einem Flugzeug ausbricht. Man weiß ja nie, wer auf welche Ideen kommt. Es war schon eine heikle Situation."

Glücklicherweise ging der Zwischenfall doch noch glimpflich aus. "Er ist nach relativ kurzer Zeit mit der Stewardess in die Toilette geflüchtet und dürfte gemerkt haben, dass er einen Fehler gemacht hat", schildert Vietoris die bangen Momente. "Das Flugpersonal hat gut reagiert und uns alle schnell beruhigt. Dann war die Situation rasch im Griff."

Ende mit Schrecken

Wenige Minuten später landete die Maschine bereits wieder in München und "wir sind dann ohne große Gefahr ausgestiegen", erzählt der Gerolsteiner. Und atmet durch: "Insgesamt ist das etwas, was man an seinem Geburtstag nicht braucht."

Rund sieben Stunden lang wurden die Passagiere nach der Geiselnahme am Flughafen in München von den Ermittlern als Zeugen einvernommen - erst am Abend konnte Vietoris mit der letzten Maschine nach Budapest fliegen. Ein Glück, denn durch den heutigen Lufthansa-Pilotenstreik schien lange auch der DTM-Test in Gefahr.

Der Tag danach: Vietoris fährt bisherige Test-Bestmarke

Heute bewies er mit der Bestzeit von 1:37.461 allerdings, dass er den Schock des Vortages rasch verarbeitet hat. Damit fuhr er die schnellste Zeit aller drei Testtage und brach die bisherige Audi-Dominanz.

Eine tolle Leistung, zumal Vietoris zuletzt wenig Zeit im Auto verbrachte: "Ich bin seit dem letzten Saisonrennen in Hockenheim nur ein oder zwei Tests gefahren und war wieder richtig heiß aufs Fahren", erzählt er. "Natürlich braucht man dann wieder sechs, sieben Runden, um ein gewisses Gefühl für die Kiste zu entwickeln, es ging dann aber schneller als gedacht."

Die Zeit will er nicht überbewerten, "viel wichtiger ist aber, dass wir viele Runden fahren konnten", sagt Vietoris. "Wenn dann am Ende die Bestzeit rauskommt, ist es umso schöner." An den ersten beiden Tagen hatten die Audi-Piloten Miguel Molina und Nico Müller jeweils die Tagesbestzeit erzielt.

BMW-Piloten als erste Verfolger von Vietoris

Hinter Vietoris reihte sich am Mittwoch eine Phalanx von drei BMW-Piloten ein: Platz zwei ging dabei an Marco Wittmann vor Timo Glock und Augusto Farfus. Glock war mit 154 Runden und 674,670 Kilometern knapp vor Vietoris (153) der fleißigste der insgesamt zwölf Piloten auf der Strecke.

Wittmann freute sich über den versöhnlichen Ausklang des Tages, da er am Vormittag lange an der Box stand. "Wir haben ordentliche Fortschritte gemacht, und mit Platz zwei im Klassement bin ich natürlich auch zufrieden." Hinter dem fünftplatzierten Mercedes-Piloten Pascal Wehrlein war Adrien Tambay am Mittwoch auf Rang sechs bester Audi-Fahrer, nachdem er zur Mittagspause noch an der Spitze der Zeitenliste gelegen hatte.

Donnerstag letzter Hungaroring-Testtag

"Es war toll zu sehen, wie viele Zuschauer hier schon bei den Testfahrten waren - das hat mich positiv überrascht", zeigt sich der Sohn des Formel-1-Piloten von der Atmosphäre beeindruckt. "Obwohl wir heute nicht ganz so viel gefahren sind wie am ersten Tag, konnten wir erneut mehrere Long-Runs absolvieren und wieder eine Menge lernen. Es war insgesamt ein positiver Test. Darauf können wir aufbauen."

Am Donnerstag steht nun der letzte Testtag auf dem Hungaroring auf dem Programm - von 08:30 Uhr bis 12:00 Uhr und zwischen 13:00 Uhr und 17:00 Uhr ist der Kurs freigegeben. Von 14. bis 17. April findet dann der Testabschluss auf Hockenheimring statt, bevor dort am 4. Mai die Saison startet.

Ergebnis des dritten Testtags:
01. Christian Vietoris (Mercedes) - 1:37.461 Minuten
02. Marco Wittmann (BMW) - 1:37.837
03. Timo Glock (BMW) - 1:37.861
04. Augusto Farfus (BMW) - 1:37.895
05. Pascal Wehrlein (Mercedes) - 1:38.002
06. Adrien Tambay (Audi) - 1:38.014
07. Nico Müller (Audi) - 1:38.069
08. Timo Scheider (Audi) - 1:38.167
09. Miguel Molina (Aud) - 1:38.187
10. Martin Tomczyk (BMW) - 1:38.417
11. Robert Wickens (Mercedes) - 1:38.901
12. Daniel Juncadella (Mercedes) - 1:39.437

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