Götz

DTM: Vorschau Norisring

— 24.06.2016

Das Monaco der DTM

Der Norisring rund um die Steintribüne ist der einzige Stadtkurs der DTM. Maximilian Götz und Norisring-Rekordsieger Klaus Ludwig mit einer Einstimmung.

Es sieht alles so leicht aus. Läppische 2,3 Kilometer und gerade mal vier Kurven – das kann doch eigentlich nicht so schwer sein. Und doch. Der Norisring ist für die DTM-Fahrer an diesem Wochenende die größte Herausforderung des Jahres.

„So ein Stadtkurs, der lebt“, sagt Maximilian Götz (30) zu AUTO BILD MOTORSPORT. Der gebürtige Würzburger kennt als Franke seine Heimstrecke aus dem Effeff. Er fuhr hier vor zwölf Jahren schon Formel 3, jetzt geht er zum zweiten Mal im rund 500 PS starken Mercedes C63 DTM an den Start. „Das sind öffentliche Straßen, und da werden immer wieder Teile neu asphaltiert oder neue Gullydeckel montiert. Das müssen wir jedes Mal neu in unsere Abstimmung einfließen lassen."
Luxusproblem in der DTM: Zu viele Rennsieger?

Aber nicht nur für Teams und Fahrer ist der Norisring eine große Herausforderung. Die Organisatoren verwandeln hier öffentliche Straßen Nürnbergs binnen zwei Wochen in den einzigen Stadtkurs Deutschlands: Obwohl die Strecke nur 2,3 Kilometer lang ist, werden 6,9 Kilometer Leitplanken, 3,8 Kilometer Stromleitungen und 13 680 Reifen für Reifenstapel benötigt. 150 Gullydeckel müssen verschweißt, dazu Mauern aus Denkmalschutzgründen mit zusätzlichen Betonplatten versehen werden.
Seit 1984 gastiert die DTM schon am Norisring. Bis zu 250 000 Fans reisen pro Jahr zum Monaco der DTM. Viele von ihnen sitzen auf der Steintribüne am Zeppelinfeld, die in den 30er-Jahren von Hitler für Nazi-Propaganda-Veranstaltungen missbraucht wurde.

Die Fans werden auch 2016 wieder extrem enge Abstände zwischen den Fahrzeugen sehen. Die kurze Piste macht‘s möglich. „Ich rechne damit, dass alle Fahrer innerhalb von fünf Zehntelsekunden sein werden“, orakelt Maximilian Götz. „Da darfst du dir keine Fehler erlauben."

Maximilian Götz (links) und Klaus Ludwig (rechts) mit MCN-Renndirektor Thomas Dill

Allein: Fehlerquellen gibt es zuhauf. Die erste gleich beim Anbremsen nach der langen Start-Ziel-Geraden in die Haarnadelkurve, wo die DTM-Fahrzeuge von Tempo 280 auf rund 50 km/h verzögert werden. Eine irre Belastung auch für das Material: „Viele Fahrer werden einen der drei im Jahr erlaubten Bremssätze nur für den Norisring brauchen“, glaubt Götz.

Das Schöller-S ist eine schnelle Rechts-Links-Schikane. Rennlegende Klaus Ludwig (66), der hier mit fünf Siegen den Rekord hält, weiß: „Da ist immer die Frage, wer am nächsten an die Leitplanke ranfährt. Du versuchst immer, noch einen Zentimeter mehr herauszukitzeln, denn je mehr Strecke du hast, desto besser ist das für deine Linienwahl. Aber wenn du zu nah rankommst, macht es peng."

Nah ran, aber nicht zu nah? Wie das geht? Götz: „Das ist Instinkt. Eigentlich ist es für uns Rennfahrer egal, ob es ein Randstein ist oder eine Wand. Du musst immer die beste Linie erwischen.“ Dabei gilt trotz allem: „Ein bisschen anlehnen kann man sich durchaus. Nicht in der Formel 3, aber mit dem DTM-Auto. Da hast du noch die Seitenspiegel und die Radkästen als Puffer."

Auch die letzte Kurve, die Dutzendteich-Kehre, hat es in sich. Diverse Bodenwellen machen das Anbremsen extrem schwierig. Schnell blockieren die Vorderräder, und das Fahrzeug verzögert nicht wie gewünscht. Wer gut durch die Kurve kommt, kann mehr Geschwindigkeit auf die lange Gerade mitnehmen. „Da mit 280 durchzubrettern, macht wirklich Spaß“, schildert Götz. „Da hast du einen Tunnelblick, aber den brauchst du auch, denn wenn du anfängst, nach rechts und links zu schauen, realisierst du, wie schnell das ist, und bekommst Angst.“ Für Götz gilt am Wochenende trotzdem: Augen zu und durch! Seine DTM-Bilanz fällt bislang durchwachsen aus: Gesamtrang 22 im Vorjahr, Platz fünf am Nürburgring als bestes Resultat. 2016 ist er noch ganz ohne Punkte.

Da können die Tipps von Klaus Ludwig, der am Sachsenring 2000 im Mercedes CLK 50-jährig ältester DTM-Sieger wurde, nicht schaden: „Ich würde mich einen Zentimeter höher setzen“, rät er, „dann hast du zwar einen klitzekleinen Performance-Verlust, aber du siehst die Leitplanken besser. So habe ich das immer gemacht."

Für Brisanz ist ohnehin genug gesorgt in der DTM: Fahrerfehden, Diskussionen um Ballastgewichte, wechselnde Rennsieger. Und mittendrin: Maximilian Götz. Nachdem er Mattias Ekström (37) am Red Bull Ring in Schach halten konnte, bezeichnete der ihn als Clown. Götz kontert: „Wenn er etwas zu sagen hat, soll er zu mir kommen. Er ist zweimal nicht an mir vorbeigekommen, das nagt an ihm.“ Derzeit liegt Audi-Star Ekström auf Rang drei, hinter Robert Wickens (27, Mercedes) und Marco Wittmann (26, BMW).

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller, MCN

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