Duell der Sportwagen

Aston Martin V8 Vantage gegen Porsche 911 Carrera S Aston Martin V8 Vantage gegen Porsche 911 Carrera S

Duell der Sportwagen

— 14.12.2005

007 jagt 911

Es ist soweit: Mit dem V8 Vantage nimmt Aston Martin erstmals den Porsche 911 Carrera S ins Visier. Trifft die englische Geheimwaffe?

Unitalienisches Understatement

James Bond ist zur Nullnummer geschrumpft. Daniel Craig, neuer Darsteller des 007, mag keine Martinis und fährt im nächsten Film, ja was wohl, Fiat Panda! Zur Präsentation des Streifens rauscht Britanniens Topagent zwar stilecht im Schlauchboot heran, trägt aber – peinlich, peinlich – eine Rettungsweste! God save 007. Sein Waffenmeister Q würde sich im Grab umdrehen. Oder ihm den neuen Aston Martin V8 Vantage in die Hand drücken, mit einer klaren Mission: 007 jagt 911.

Denn der "kleine" Aston Martin zielt haargenau auf den Porsche Carrera und will das sein, was Briten einen "daily driver" nennen: ein Sportwagen für alle Tage. Aber ob ein Steuerberater wirklich morgens mit seinem Vantage V8 Brötchen einkauft und abends auf die Rennstrecke geht? Egal, die Botschaft ist glasklar: Hier kommt ein Sportler ohne hochgezüchtete Macken.

Zunächst ist der Baby-Aston ein Hingucker. Stark und dezent, elegant und so zeitlos unaufgeregt, daß Passanten neidlos fragen: "Was'n das?" Dieses unitalienische Understatement schätzen die Aston-Fahrer ebenso wie die Exklusivität des Vantage, der nur 2500mal pro Jahr gebaut wird.

Willkommen in Martins Welt

Auch im Detail beherrscht der Vantage die kleine Alltagsshow. Bündige Türgriffe springen auf Fingerdruck aus dem Blech, die (schlecht ablesbaren) Skalen glänzen technisch wie ein Raumschiff – willkommen in der Aston-Welt. Cockpit, Mittelkonsole und die paßgenauen Recarositze stammen aus dem größeren, 144.000 Euro teuren DB9. Gleichteilepolitik mit Abstrahleffekt. Dagegen verläuft der Einstieg in den Carrera so profan wie das Anziehen von Pantoffeln.

Der Druck auf den rot beleuchteten Starterknopf des Vantage intoniert den Wesensunterschied zum 911: Vorn erwacht gewittrig grummelnd ein Achtzylinder, 385 PS stark und mit einer Soundskala gesegnet, die spätestens mit ihrem Trompeten ab 4000 Touren süchtig machen kann.

Da gibt sich der Carrera viel züchtiger, säuselt zeitgemäß aus sechs Zylindern im Heck und präsentiert ein schwäbisch-funktionelles Interieur ohne jedes Chi-Chi. Alte Design-Sünden wie verschachtelte Anzeigen und elliptische Schalter sind beseitigt, aber die Mittelkonsole ist weiterhin überladen mit Schaltern im Handyformat. Da sieht man, warum BMW den dicken iDrive-Zentralknopf erfunden hat.

Kosten und Ausstattung

Reden wir nicht über Ablagen (also die Porsche-Notsitze), über Rundumsicht (im Vantage eine Katastrophe) oder Sicherheit (sein serienmäßiger Parkpilot verhindert Böses). Nein, hier geht es um die Gänsehaut.

Die kitzeln beide auf ihre eigene Weise hervor. Der Vantage spielt vom ersten Kilometer an das schwere, massive Männerspielzeug. Die 1650 Kilo sind dem Briten bis ins Lenkrad anzufühlen, auf der Vorderachse lastet spürbar mehr Gewicht als im Porsche. Der Schalthebel verlangt in den unteren Gängen einen Händedruck wie von Klitschko, die großen 19-Zoll-Räder rumpeln beim Bummeltempo hart über kleine Absätze.

Doch mit zunehmendem Tempo paßt alles zusammen am "daily driver". Der Achtzylinder läßt sich angenehm schaltfaul bewegen, auf der Autobahn fliegt das Alu-Auto so unbeirrt geradeaus wie Bonds Projektile. Sein Anblick im Rückspiegel teilt den Verkehr auf der linken Spur wie Moses das Rote Meer.

Werksangaben und Testwerte

Oder wie der Carrera, Deutschlands natürliche Respektperson auf der Autobahn. Der Porsche ist der Metall gewordene Gegenentwurf zum Vantage: Auf allen Montag-bis-Freitag-Strecken so unkompliziert wie ein Golf, verwöhnt der Carrera mit erstaunlichem Komfort und schnalzt die Gänge mit einem feinem, klaren Klack rein. Aber nicht täuschen lassen! Unter der filigranen Figur (mit 1470 Kilo spürbar leichter) steckt ein hellwacher, bisweilen giftiger Sprinter.

Der 3,8-Liter-Boxer läßt sich aus Bummeltempo blitzschnell wecken und dreht williger hoch als der behäbiger erwachende Briten-V8. Ergebnis: In Spurt, Elastizität und Spitze (293 km/h) hängt der PS-schwächere 911 den Aston immer um ein Quentchen ab. Und schluckt dabei im Testschnitt 5,7 Liter weniger. Nicht die Welt und nichts, was echte Aston-Liebhaber verstören könnte. Aber leichter, schneller und sparsamer zu sein, adelt den Elfer ebenso zum hautnahen Sportler wie seine bissigeren Bremsen.

Fahrverhalten und Wertung

Also haben wir die charismatischen Jungenträume dorthin geführt, wo der Steuerberater wohl nie hinkommt: auf die Rennpiste. Läßt man den Porsche fliegen, regelt er im Grenzbereich feinfühlig ab. Erst bei abgeschalteter Elektronik wechselt der Hecktriebler zickig zwischen "Geht-noch" und "Game-over". Der Vantage schiebt unter gleichen Bedingungen leicht über die Vorderräder, beim Gaseinsatz erlaubt sein ESP (heißt hier VSC) sogar ernste Heckschwenks, bis die Elektronik hart den Anker wirft.

Feinfühlig sind eher die Sätze aus dem Briten-Bordbuch: "Das Fahrverhalten mag für neue Besitzer ungewohnt sein. Üben Sie zuvor bei geringerem Tempo. Bitte verschaffen Sie sich einen sicheren, vergnüglichen Eintritt in die neue Welt des Aston-Martin- Fahrens." Wie cool!

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Porsche 911 Carrera S und Aston Martin V8 Vantage. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Joachim Staat

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