Duelle in der Formel 1

Duelle in der Formel 1: Ayrton Senna und Alain Prost Duelle in der Formel 1: Ayrton Senna und Alain Prost

Duelle in der Formel 1

— 06.10.2006

Provokateure und Prellböcke

Das Psychoduell zwischen Schumi und Alonso ist harmlos – verglichen mit den Beleidigungen und Pisackereien früherer Tage.

Was der eine vom anderen hält, war spätestens bei der Siegehrung in Shanghai klar: nichts. Der Erste, Michael Schumacher, würdigte den Zweiten, Fernando Alonso, keines Blickes. Und umgekehrt. In der Formel 1 schlägt die Stunde der Provokateure – und der beleidigten Leberwürste. Die Rollen sind verteilt, seit Schumacher in Monte Carlo mit seinem Parkmanöver trickste und sich Alonso in der Rolle des schändlich Betrogenen ergeht. "Er ist kein Sportsmann und belügt seine Fans", zeterte Alonso. Schumacher? Verliert kein Wort über seinen Widersacher. Bei einer Presserunde zum Großen Preis von Japan wieder nichts zum Duell mit Alonso. Der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten und der erfolgreichste Formel-1-Rennfahrer aller Zeiten proben den Psychokrieg.

Dicke Backen: Alonso hat mit Schumacher so seine Problemchen.

Bisher hinterlässt Schumacher den frischeren Eindruck. Vielleicht hat er aus Erfahrung gelernt. Schon einmal schlug ihm Abneigung entgegen. Jacques Villeneuve ging auf Konfrontationskurs mit dem Ferrari-Piloten, gleich nachdem er 1996 in die Formel 1 gewechselt war. "Ich verstehe Schumacher nicht, er ist ein komischer Mensch, hat keinen Humor, keinen Stil, ist nur auf das Rennfahren fixiert", polterte der Kanadier und schwärzte ihn an: "Michael spielt link." Schumachers unfaires Manöver gegen Villeneuves Teamkollegen Damon Hill 1994 beim WM-Finale in Adelaide vergiftete das Verhältnis von vornherein.

Ähnlich wie im Fall Alonso war Schumacher mit seinem provozierend harten Fahrstil der Auslöser der Krise, die dann mit dem Rammstoß gegen Schumacher im Entscheidungsrennen 1997 in Jerez eskalierte. Nach dem Rennen besuchte er mit Ehefrau Corinna Villeneuves Titelfeier, setzte sich wie alle Williams-Teammitglieder eine blonde Perücke auf und ließ sich mit dem Champion fotografieren. Die Bilder tauchten in Zeitungen auf. Für Villeneuve war die Versöhnung lanciert: "Michael hat mich sogar nach dem Rennen betrogen und belogen. Ich will mit ihm nichts mehr zu tun haben."

Prost und Senna: Auge um Auge

Ein Gott für die Fans, aber kein einfacher Kollege: Ayrton Senna.

Meist aber waren Streitigkeiten zwischen den Finalisten mehr Verunsicherungstaktik als Ausdruck grundsätzlicher Abneigung. 1988 traf der ambitionierte brasilianische Zugang Ayrton Senna bei McLaren auf den fast schon krankhaft ehrgeizigen Alain Prost. Der Franzose sah sein Hausrecht beim englischen Rennstall verletzt. 1989 beim WM-Finale in Suzuka brach die Feindschaft offen aus. Senna beschuldigte Prost, ihn bewusst von der Strecke befördert zu haben: "Ich gebe ihm niemals mehr die Hand. Er ist tot, tot für mich. Er hat keine Ehre." Prost grantelte zurück: "Der glaubt wohl, er ist unsterblich und kennt den lieben Gott." Prost wurde 1989 Weltmeister. Ein Jahr später rächte sich Senna an gleicher Stelle und rammte Prosts Ferrari von der Piste. Dadurch vergab Prost die WM, Senna war Weltmeister. Konto ausgeglichen.

Aber es war Prost, der dafür bekannt war, seine Teamkollegen durch Psychotricks zu verunsichern. Als Prost 1990 mit dem Engländer Nigel Mansell für Ferrari fuhr, fanden alle Teambesprechungen plötzlich in Französisch statt, obwohl Prost neu bei den Italienern und Mansell schon 1989 in Maranello war. Mansell sprach nur Englisch. Völlig entnervt gab er Ende 1990 vorzeitig seinen Rücktritt bekannt.

Mansell bekam es gleich doppelt

Das Repertoire des Brasilianers Nelson Piquet reichte von totaler Missachtung bis hin zu verbalen persönlichen Tiefschlägen. Wieder war Mansell ein dankbarer Prellbock. Als Piquet als dessen Teamkollege zu Williams wechselte, blieb er nicht lange sachlich: "Wenn ich so eine hässliche Frau hätte wie Mansell, würde ich jeden Tag einen Grand Prix fahren, um nur nicht nach Hause zu müssen." Teamchef Frank Williams, hieß es damals im Fahrerlager, habe in sein Motorhome eine zweite Tür einbauen müssen, damit Mansell und Piquet sich nicht begegnen. Nutznießer des Zwists war McLaren-Pilot Prost, der sich 1986 den Titel holte.

Eine großartige Scharade lieferten sich Niki Lauda und James Hunt in der Endphase der Saison 1976. Beide beschimpften sich über die Presse als "faul und zu langsam". Das Rededuell wurde gierig aufgegriffen. Es erinnerte an ein Ballyhoo im Boxen, wie sie die Stimmung vor den Finalrennen in den USA und Kanada wirkungsvoll anheizten. Was nur wenige wussten: Am Abend, wenn alle Mikrofone und Kameras abgestellt waren, trafen sich die angeblichen Feinde heimlich und amüsierten sich über ihre Pressekampagne. Hunt wurde Weltmeister. Niki und Marlene Lauda waren auch danach noch oft Gast im Hause des Briten. Dass Cora und Mischi bei den Alonsos einkehren, das ist nun wirklich nur schwer vorstellbar.

Autor: Burkhard Nuppeney

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.