Dunlop Drivers Cup Finale 2007 (Teil 6)

Dunlop Drivers Cup Finale 2007 (Teil 6) Dunlop Drivers Cup Finale 2007 (Teil 6)

Dunlop Drivers Cup Finale 2007 (Teil 6)

— 22.04.2007

Typisch spanisch

Erst steigen die Finalisten in den Laufschuh und aufs Rad. Danach gibt es auf der Fahrt nach Andalusien viel Kultur – und Stiere!

Da sag noch mal einer, die Amerikaner hätten ein gestörtes Verhältnis zur Kultur. Fast Food, schneller Konsum, modern, oberflächlich – alles Quatsch. Auf der Fahrt Richtung Süden zeigen die Dunlop Drivers Cup-Teams USA I und III, dass nicht jedes Klischee taugt. Ganz im Gegenteil: Die vier US-Boys erkennen mit messerscharfem Blick, was europäische Geschichte ist. Beispiel gefällig? Eine alte Römerstraße, die sich in atemberaubenden Serpentinen den Berg hinunterwindet, wollen sie nicht nur schnell per Kamerahandy abschießen, sie wollen sie mit allen Sinnen erspüren. Und entdecken dabei einen Kuhfladen, den sie als "eindeutig römisch und noch erstaunlich frisch" deklarieren. Nur mal am Rande: Die europäischen Teams heizen an dieser Sensation einfach vorbei.

Parkplatz mit Ausblick: zwei 350Z vor der Kirche in Guadelupe.

Die Finalisten bekommen einiges geboten: Neben der schönen Landschaft gibt es reichlich alte Zivilisationszeichen zu sehen. Festungen, Brücken und Kirchen, eine davon steht sogar zum Verkauf. Verscherbeln die Spanier hier etwa ihr kulturelles Erbe? Zumindest was das Tagesziel angeht, dürfte das eine irrige Annahme sein. Auf dem Programm steht das Weltkulturerbe Guadelupe, und das ist selbst verglichen selbst mit den Ortschaften auf der Strecke genau das, was die Amerikaner ziemlich sicher einen kulturellen "Deep Impact" nennen würden. Hier ist Geschichte sicht- und vor allem spürbar. Das ringt nicht nur den Gästen aus Übersee ein leichtes Gefühl von Erfurcht ab.

Tagesziel Weltkulturerbe Guadelupe

Der um einen zentralen Kirchenkomplex gruppierte Ort blickt auf eine fast 600 Jahre alte Geschichte zurück. Vor allem das zentrale Spiritualgebäude gönnt dem Auge keine ruhige Sekunde. Und dass hier eine schwarze Madonna verehrt wird, ist wirklich eine echte Sensation. Eine Eigenschaft Guadelupes ist allerdings für die Finalisten ein echtes Problem: Auf einem Berg gelegen, scheint es hier immer nur eine Richtung zu geben: bergauf. Das verwirrt den Kopf ein wenig, aber mit normaler Kondition sind die Wege zu bewältigen.

Selbstverständlich besser als alle andere: Triathlet Kai Hundertmarck.

Etwas dumm nur, dass ausgerecht und ziemlich sicher mit voller Absicht genau hier der "Bike and Run"-Contest des Dunlop Driver Cup stattfindet. Das ist die große Stunde von Profi-Triathlet und Teilnehmer Kai Hundertmarck. Es tut ein wenig weh, das zu schreiben, aber das verdrehte Knie seines Kollegen Guido Simon ist großes Glück für das Team. Die Instruktoren um Polar-Spezialistin Christiane Gensel bitten den Triathleten, keine Rücksicht auf die Amatreure zu nehmen und ordentlich Gas zu geben – beim Laufen und beim Radfahren!

Nun, das Ergebnis überrascht kaum: Er kommt satte 15 Minuten früher ins Ziel als das zweite Team, das wie der ganze Rest die Last aus Radeln und Laufen teilt. Hier sind nicht nur die langen Anstiege das Problem, die Teilnehmer sind auch gehalten, sich immer in ihrem optimalen Leistungsbereich zu bewegen. Das zeigt ihnen ein Fitneßcomputer am Handgelenk. Wer über seine Grenzen geht, riskiert wichtige Punkte in der Tageswertung. Hier soll schließlich keiner überdrehen. Was am Ende aber auch das Wetter verhindert: Der Regen kühlt die Sportler, und macht gleichzeitig leider auch das Geläuf etwas schwer und lenkt den Blick von der schönen Umgebung zurück auf die Strecke.

In der Tageswertung hat Hundertmarck sein Team auf Platz eins gebracht, was weder wundert noch als unfair empfunden wird. Dahinter folgen die beiden Amerikaner aus dem Team USA II, die den Kuhfladen am Morgen ausgelassen hatten. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Auf dem dritten Platz die Holländer, und das wirkt sich in der Gesamtwertung folgendermaßen aus: Es führen punktgleich die Teams USA II und USA III vor dem Team Germany. Tja, mit einem Triathleten an Bord trägt die bis gestern noch völlig aussichtslose Aufholjagd auf die Dominatoren aus Übersee erste Früchte.

Kampfstiere auf der Finca

Trockenübung Stierkampf: Germany I versucht sich an spanischer Tradition.

Die große Stunde des anderen Finalisten von Germany I, Guido Simon, schlägt dann am nächsten Tag. Nach einer viel zu kurzen Nacht mit sieben Kilometern Lauf und zwölf Kilometern Radfahrt sowie wieder einmal 513 spanischen Landstraßenkilometern in den Knochen geht es auf eine andalusische Finca, auf der die Champions Leage der Kampfstiere gezüchtet wird. Von Orten wie diesen stammen sie, die großen Namen wie Murciélago und Gallardo, die Namenspatronen der aktuellen Lamborghini. Guido Simon hat als Dunlop Driver natürlich auch eine gewisse Affinität zu Autos, als Landwirt mit 160 Milchkühen kann er den Stieren aber mindestens genauso viel abgewinnen wie schnellen Sportwagen. Gut, dass heute mal ein Tag der Entspannung ohne Challenge auf dem Programm steht – da bleibt viel Zeit für die gehörnten Kampfmaschinen.

Denen möchte man wünschen, dass sie ihre menschlichen Herausforderer gehörig auf die Hörner nehmen. Die Meinung zum Thema Stierkampf ist im Troß relativ ungeteilt eher ablehnend, interessant ist diese Finca aber trotzdem. Vor allem für Guido Simon, der nicht nur Milchvieh hält, sondern auch mittels Zucht für Nachwuchs sorgt. Seine Geschichte über die Entbindung einer Kuh ist schlicht und ergreifend rührend – aber beim Stierkampf darf für ihn ganz eindeutig der Torrero gewinnen. Schließlich war es eine Rempelei mit einem Bullen in seinem Stall, die sein Knie lädiert hat. Da sieht der Gute auch Wochen später immer noch Rot.

Weitere Geschichten aus Spanien und vor allem Rennsport gibt es im nächsten Teil des Tagebuchs. Nach dem eher entspannten Tag steht als Nächstes die Kartbahn auf dem Programm. Heute schon gibt es die besten Bilder vom "Bike and Run"-Contest in Guadelupe – und natürlich von den Stieren und der Action auf der Finca.

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