E-Auto auf Rekordfahrt

E-Auto auf Rekordfahrt E-Auto auf Rekordfahrt

E-Auto auf Rekordfahrt

— 04.11.2010

Dieser kleine Stromer hängt die Großen ab

Mit dem Elektroauto ohne Ladestopp von Berlin nach München – eine Start-up-Firma zeigt den Autokonzernen, wie so was läuft. AUTO BILD begleitete die nächtliche Rekordfahrt exklusiv.

Ein Lächeln in finsterer, eiskalter Nacht. Es ist 2.29 Uhr, das Außenthermometer zeigt plus ein Grad, als der Audi A2 auf die Raststätte Frankenwald rollt, hinter ihm fünf Begleitfahrzeuge. Der Kilometerzähler steht bei 293,4; etwa die Hälfte der Strecke Berlin–München ist geschafft. Mirko Hannemann (27) steigt aus und sagt: "Noch über die Hälfte drin." Und dann lächelt er. Hannemann ist im Plan. Rund 580 Kilometer will er in dieser Nacht mit dem auf E-Antrieb umgerüsteten A2 fahren, ohne die Lithium-Metall-Polymer-Akkus nachladen zu müssen. Klingt unglaublich. Oder nach einem Auto, das bis unter das Dach mit Akkumulatoren vollgestopft ist. Doch dem Audi ist von außen und innen nicht anzusehen, dass er ein E-Auto auf Rekordfahrt ist.

Wer stromert am längsten? Elektroautos im Test

Blick unter die Haube: Über dem 55-kW-Elektromotor befinden sich Ladegeräte, Regler, die E-Heizung und eine 12-Volt-Pufferbatterie.

Auch wenn Mirko Hannemann allein unterwegs ist – sein Auto hat nach wie vor Platz für vier Personen. Das Kofferraumvolumen gleicht einem normalen A2. Die Akkus mit einer Kapazität von 100 kWh passen unter die hintere Sitzbank und ins Heck. Hannemanns Akku-Zellen sind kleiner und leichter als die der Konkurrenz, die Effizienz des Energiespeichers soll bei 99,7 Prozent liegen. Denn das große Manko der ersten Elektroautos, die in diesem Jahr auf den Markt kommen, ist neben dem hohen Preis die Reichweite, die in der Regel unter 150 Kilometern bleibt. Für den Stadtverkehr ausreichend, aber irgendwie bleibt immer die Furcht vorm Liegenbleiben. "Bedingt durch die begrenzte Speicherkapazität der Batterie wird es in den kommenden zehn bis 15 Jahren bei einer Reichweite von 100 bis 200 Kilometern bleiben", sagte noch vor Kurzem Karl-Thomas Neumann, bei Volkswagen als Konzernbeauftragter für Elektrotraktion oberster E-Auto-Mann.

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Können stolz sein: Fahrzeug-Konstrukteur Sven Streubel (links) und Mirko Hannemann.

Hannemann kontert mit dem Kolibri. So nennt der Geschäftsführer der DBM Energy aus Berlin seine Akkus, die "einen Quantensprung in der Energiespeicherung" darstellen. Ein Kolibri nämlich könne mit zwei Gramm Blütennektar 800 Kilometer weit fliegen. Es ist das effizienteste Tier der Welt. Nun soll das effizienteste E-Auto der Welt fahren. Lekker Mobil heißt der A2, weil der Berliner Energieversorger wie das Bundeswirtschaftsministerium Partner von DBM ist. AUTO BILD ist immer dabei, als das Auto durch die kalte Nacht Richtung Süden rollt. Es gibt kleine technische Probleme, aber insgesamt verläuft die Rekordfahrt reibungslos. Das Tempo allerdings ist gemächlich, zwischen 70 und 100 km/h, an Steigungen auch darunter. Aber auch bei Autobahngeschwindigkeit sollen über 300 Kilometer erreicht werden können.

Die Riesen-Reichweite muss noch teuer bezahlt werden. Eine Kilowattstunde kostet bis zu 5000 Euro. Dabei liegen die Herstellungskosten zwischen 150 und 300 Euro. Der Markt macht den Preis. Das junge Team von DBM will zeigen, dass Deutschland in Sachen Energiespeicher nicht zwingend hinter der Konkurrenz aus Asien herhecheln muss. Im Ziel in München hat das Lekker Mobil 582,8 Kilometer zurückgelegt, die Akkus sind nur zu 91 Prozent entladen. "650 Kilometer sind mit der Batterie drin", sagt Hannemann. In der kommenden Nacht folgt die Rückfahrt nach Berlin. Und dann wollen Hannemann und sein Team den großen Autobossen das Lekker Mobil schmackhaft machen.

Autor: Hauke Schrieber

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