E-Audi A2 von Mirko Hannemann

E-Auto-Rekord in der Kritik

— 09.11.2010

Rätsel um den Super-Akku

Nach der 600-Kilometer-Rekordfahrt von Mirko Hannemann im Elektroauto bleiben noch viele Fragen offen. Die wichtigste: Warum mauert der Entwickler des Energiespeichers?

Mehr als 600 Kilometer war Mirko Hannemann auf seiner Rekordfahrt gekommen, ohne die Akkus seines E-Autos laden zu müssen. Auf den ersten Blick scheint eines der Hauptprobleme der E-Mobilität – die eingeschränkte Reichweite – also gelöst. Am Ende der Rekordfahrt sollten Hannemann und die Bosse der deutschen Autobauer, mit denen sich der 27-Jährige zuvor treffen sollte, vor die Presse treten. Sollten. Denn stattdessen erklärte Matthias Wissmann, als VDA-Präsident der Vertreter der deutschen Autohersteller, den verdutzten Medienvertretern, dass ihn die Rekordfahrt gar nicht interessiere. Der Chef-Lobbyist wollte lieber über andere Themen reden.

AUTO BILD war dabei: Rekordfahrt im E-Audi A2

Mirko Hannemann, Entwickler des Super-Akkus, lässt sich nicht in die Karten schauen.

Neben ihm versteinerte sich Rainer Brüderles Miene. Der Bundeswirtschaftsminister nämlich hatte Hannemanns Projekt "Liquid Freedom" mit 275.000 Euro gefördert und sprach an diesem Tag euphorisch von einem "Durchbruch" für die Elektromobilität. Doch auch Hannemann, Entwickler jener "Kolibri" getauften Lithium-Metall-Polymer-Akkus, war das Lachen bald vergangen. Er fühlt sich von der deutschen Industrie nicht ernst genommen. "Bei den deutschen Autobauern herrscht doch nur Frust", lästert Hannemann, der VW-Boss Martin Winterkorn nach seiner Fahrt in einem umgebauten Audi A2 gar "im Schockzustand" wähnt.

Übersicht: Alles zum Thema Elektro-Mobilität

Der Superakku, soll alle bisher bekannten Probleme lösen. Wie, das verschweigt Hannemann.

Wie ihm die Rekordfahrt gelang? Wie er die Akkus durch seinen Umbau so klein und so leicht machte? Hannemann will seine – patentierte – Akkutechnologie nicht preisgeben. Was sagen die deutschen Autobauer also zu Hannemann und seinem Rekord? AUTO BILD fragte nach. Die Sprecher von VW, Audi, BMW und Mercedes sind sich ungewohnt einig, wenn es um die Bewertung des Kolibri-Akkus geht. "Wir kennen die Technik, halten sie aber für noch lange nicht serientauglich", sagt Harthmuth Hoffmann von VW. Zu groß seien die Defizite bei der Langzeithaltbarkeit, Sicherheit und den Kosten. Viel wichtiger sei das zweifelhafte Geschäftsgebaren Hannemanns. Sowohl Daimler als auch VW hätten investieren sollen, ohne sich vorher die Technik anschauen zu dürfen. Der spielt nicht mit offenen Karten, heißt es aus Stuttgart.

Bloß ein genialer PR-Coup?

Hannemann behauptet indes, Aston Martin und Tata würden sich für seine Kolibri-Technologie interessieren. Beide Hersteller konnten auf AUTO BILD-Nachfrage jedoch mit dem Namen Hannemann oder dessen Firma DBM Energy nichts anfangen. Was ist so besonders an Hannemanns Lithium-Metall-Polymer-Akkus (LiMPo)? Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen ist skeptisch: "Mit den LiMPo- Akkus gab es Anfang der 90er-Jahre Schwierigkeiten. Etwa mit der Sicherheit, denn das metallische Lithium der Elektroden konnte bei Beschädigung der Akkus aggressiv reagieren." LiMPo-Akkus geben zudem erst ab 60 Grad Strom ab und haben eine geringe Haltbarkeit, so Sauer. Darum konzentrierte sich die Forschung später auf Lithium-Ionen- Akkus. Dass DBM nun gleich alle LiMPo-Probleme auf einmal gelöst hat, will Sauer zwar nicht ausschließen, aber "eine eher evolutionäre Weiterentwicklung einzelner Eigenschaften wäre wahrscheinlicher". Eines steht trotz aller offenen Fragen fest: Spielt Hannemann nicht bald mit offenen Karten, dürfte die Rekordfahrt bleiben, was ihm seine Kritiker heute schon vorwerfen. Ein genialer PR-Coup.

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