E-Autos und ihre Förderung

Tazzari Zero Tesla Roadster

E-Autos und ihre Förderung

— 12.03.2010

Gegen den Strom

Andere Nationen geben finanzielle Starthilfe, die deutsche Bundesregierung indes will bei Elektroautos nur die Forschung fördern. Auch zum Schutz deutscher Hersteller, die mit ihren E-Autos spät dran sind.

Wer ist dieser Mann? Es existieren nur wenige Fotos von ihm, und Interviews lehnt er ab. Dabei hat der Ministerialrat Guido Zielke im politischen Berlin eine wichtige Position übernommen: Zielke soll die Elektromobilität in Deutschland entscheidend vorantreiben. Seit Februar 2010 ist er der Leiter der "Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung" (GGEMO). Seine Referenz: Er führte bis vor Kurzem das Fahrradreferat und war damit oberster Drahtesel-Beamter im Land. Die GGEMO hat ihre Büroräume im Wirtschaftsministerium, Zielke aber arbeitet für den Bundesverkehrsminister. Seine Kompetenz als Chef-Koordinator in Sachen Elektromobilität wird von Beobachtern so umschrieben: Zielke könne sich ja ins Thema einarbeiten. Wer mit ihm zusammengearbeitet hat, äußert sich nicht zu seinen Qualitäten. Vorschusslorbeeren sehen anders aus.

Unterwegs: Das fahren deutsche Politiker

Es ist eine Personalie, die Verwunderung auslöst. Arbeit indes gibt es genug. Am 3. Mai 2010 lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Elektromobilitätsgipfel nach Berlin. Die GGEMO bereitet das Treffen vor. Es geht für die Regierungschefin und Diplom-Physikerin um viel: Vollmundig hat sie angekündigt, Deutschland werde Leitmarkt für Elektromobilität, und im Jahr 2020 führen eine Million Elektroautos auf unseren Straßen.

Überblick: Alle Marken, alle Modelle

Doch zunächst droht Deutschland eine Wüste der Elektromobilität zu werden. Wenn Ende des Jahres die ersten – noch sehr teuren – Elektroautos großer Hersteller auf den Markt kommen, werden viele Regierungen beim Kauf etwas dazugeben. Deutschland schwimmt gegen den Strom – und gibt erst mal nichts. Die Bundesregierung ist in einer heiklen Situation. Würde sie schon jetzt den Kauf von Elektroautos subventionieren, profitierten nur jene Importeure, die 2010 bereits Elektromobile anbieten. Das erste Auto eines deutschen Herstellers kommt frühestens Ende 2011 auf den Markt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will heimische Autobauer antreiben. In einem Brief vom 3. Februar 2010 teilte der Minister den Fraktionen von CDU/ CSU und FDP mit: "Unser Ziel müssen Elektroautos sein, die so attraktiv, preiswert und wettbewerbsfähig sind, dass sie von Kunden auch ohne Kaufanreize erworben werden." Vielmehr solle die Forschung und der Aufbau einer Lade-Infrastruktur gefördert werden: 1,2 Milliarden Euro stünden hierfür bereit.

Kompetenzgerangel droht

Die Regierung packt die Aufgabe – trotz GGEMO – dezentral an. Mit Umwelt- und Forschungsministerium mischen zwei weitere Ressorts mit. Ein Kompetenzgerangel droht. Gefördert werden acht Modellregionen, in denen in den nächsten Jahren nur vereinzelt Elektroautos fahren werden – schlicht, weil sie für viele noch zu teuer sind. Ein Durchbruch am 3. Mai scheint unter diesen Umständen unwahrscheinlich. Eher könnte es so laufen wie am 21. Januar 2010, als sich 30 Vertreter von Auto- und Zulieferindustrie zu einem Arbeitsessen in Sachen Elektromobilität in Berlin trafen. Eingeladen hatte Merkels wirtschaftspolitischer Berater Jens Weidmann. Nur eine Stunde und 40 Minuten später trennte sich die Gruppe ergebnislos. Jedem Gast blieben im Schnitt gut drei Minuten Redezeit.

Autor: Hauke Schrieber

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