E-Klasse/3er/A5: Cabrio-Test — 21.05.2010
Stürmt die offene E-Klasse vorweg?
Der Frühling ist da, die Autos lassen ihre Hüllen fallen. Doch wer Wind sät, erntet nicht zwangsläufig Sturm. AUTO BILD hat die drei deutschen Edel-Cabrios Mercedes E-Klasse, BMW 3er und Audi A5 unter die Lupe genommen.
Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes E-Klasse
Wer Wind sät, erntet Sturm? Ach was! Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, dass im Auge des Orkans stets Ruhe herrscht, dann liefert ihn Mercedes. In der offenen E-Klasse, deren technisches Grundgerüst (wie beim Vorgänger CLK) eigentlich von der C-Klasse stammt, krümmt einem die milde Maibrise kein Haar. Wer die Fenster hochfährt und per Taste zusätzlich das "Aircap" aufstellt, genießt im Schutz des Mini-Spoilers oberhalb der Frontscheibe frisurfreundliche Flaute. Die Heizung verwandelt den Innenraum in eine Warmluft-Badewanne. Dazu gibt’s Sitzwärmer und Nackenföhn – der Sommer kommt auf Knopfdruck, unabhängig vom Kalender. Und natürlich gegen Aufpreis. Auch Audi fächelt den Passagieren in der ersten Reihe laue Luft um den Hals. Nur BMW-Piloten brauchen beim verfrühten Open-Air-Ausflug noch einen Schal. Handschuhe können sie sich dagegen sparen, denn der 3er verwöhnt kälteempfindliche Cabrio-Fans auf Wunsch als Einziger mit einem beheizten Lenkradkranz.
Überblick: Alle News und Tests zum BMW 3er
Warmduscher-Extras, finden Sie? Dann werden Sie wohl auch über das Blech-Hardtop des BMW pikiert die Nase rümpfen. Statt auf eine klassische Stoffmütze setzt das 3er-Cabrio auf einen wetterfesten Stahlhelm. Das macht die Karosserie beim Fahren mit geschlossenem Verdeck zwar steifer. Wer sich Vorteile bei der Geräuschdämmung erhofft, wird allerdings enttäuscht. Die aufwendig isolierten Textilhauben von Audi und Mercedes halten den Krach fast ebenso gut draußen. Den Dach-Striptease erledigt der Audi am schnellsten: In knapp 20 Sekunden sitzt die A5-Besatzung unter freiem Himmel; im BMW (23 Sekunden) müssen sich die Mitfahrer etwas länger gedulden. Der neue Mercedes lässt sich mit 26 Sekunden am meisten Zeit für das Entblättern. Naht ein plötzlicher Regenguss, muss der BMW als Einziger anhalten. Bei A5 und E-Klasse geht das Verdeck auch während der Fahrt auf und zu – bis 50 km/h beim Audi und bis 40 beim Mercedes.Sechszylinder zwischen 265 und 306 PS versprechen Kraft, Kultur und Klangerlebnis. Vor allem der BMW zieht in dieser Hinsicht alle Register. Sein morgendlicher Hallo-wach-Urschrei klingt fast, als wolle er dem stärkeren M3 Konkurrenz machen. Wenn Audi- und Mercedes-Fahrer ihre Autos starten, werden in der Nachbarschaft jedenfalls keine Gardinen beiseitegeschoben. Auch beim Gasgeben zieht das Münchener Turbo-Sixpack mit dem explosiven Vorwärtsdrang eines V8 der Vollfettstufe eine zünftig-röhrende akustische Wirbelschleppe hinter sich her. Gänsehaut? Garantiert! Dabei beherrscht der giftige Reihensechser auch die sanfte Tour. Cruisen? Angesichts des 400 Newtonmeter hohen Drehmoment-Tafelbergs genauso ein Genuss wie das Lassowerfen nach den letzten der 306 PS am Rand der roten Tourenzähler-Skala.
Überblick: Alle News und Tests zum Audi A5
Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet im Automatikmodus gleichermaßen flott wie effizienzbedacht. Bei Halbgas bummelt man entspannt mit 50 km/h im sechsten Gang durch die City. Allerdings fehlt dem BMW-Getriebe die komfortable Lässigkeit eines Wandlers. Anfahr-Unschärfe und Schaltrucke stören die Harmonie. Schade, denn Komfortfans bekommen im 3er durchaus was geboten: In Sachen Geschmeidigkeit übertrifft der einst so krachledern über Kanaldeckel polternde Münchener neuerdings selbst den Mercedes. Genießer und vor allem zarte Damenhände dürften seine Lenkung jedoch nach wie vor zu sportlich finden. Das Gefühl, sein Auto wie an einem Laserstrahl geführt durch schnelle Serpentinen zirkeln zu können, wird mit einer Schwergängigkeit bezahlt, die einem beim Rangieren den Schweiß auf die Stirn treibt. Das kann auch bei fahrerischem Übermut passieren, denn das BMW-Heck keilt trotz ESP-Fangleine stärker aus als bei der Konkurrenz.
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Bajuwarische Hemdsärmeligkeit kontert der Mercedes mit schwäbischer Zurückhaltung. Das E-Klasse Cabrio beschleunigt nachdrücklich – nicht unflott, aber ohne die Schlagkraft einer Turbo-Faust im Rücken. Auf Gasbefehle reagiert der Daimler zögerlicher, bleibt akustisch stets dezent. Automatik und Motor verstehen sich blind; wie ein Paar, das auch nach jahrelangem Ehealltag noch so gern kuschelt wie am ersten Tag. Der Mercedes-Lenkung mangelt es zwar keineswegs an sämiger Direktheit, doch der Scharfzeichner fehlt. Leise strömt das Cabrio dahin. Buckelpisten entzaubern allerdings das Bild des noblen Wellness-Gleiters. Querrillen werden mit einem herben Schlag nach innen durchgereicht. Ausgerechnet der in der Vergangenheit für eine gewisse Härte bekannte BMW steckt Fahrbahnschäden besser weg. Jedoch: Kein Ächzen oder Knarzen dringt aus dem Gebälk. Die Karosserie wirkt selbst beim Offenfahren steif wie der Aufbau einer Limousine. Weitere Details zu den drei deutschen Edel-Cabrios finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Audi | BMW | Mercedes |
|---|---|---|---|
| Motor | V6/vorn längs | Reihensechszylinder, Turbo/vorn längs | V6/vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette | Kette |
| Hubraum | 3197 cm³ | 2979 cm³ | 3498 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 195 (265)/6500 | 225 (306)/5800 | 215 (292)/6400 |
| Nm bei 1/min | 330/3000 | 400/1200 | 365/3000 |
| Vmax | 250 km/h | 250 km/h | 250 km/h |
| Getriebe | Siebengang-DSG** | Siebengang-DKG** | Siebenstufenautomatik |
| Antrieb | Allrad permanent | Hinterradantrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 225/50 R 17 Y | 225/45 – 255/40 R 17 W | 235/45 – 255/40 R 17 W |
| Radgröße | 7,5 x 17'' | 8/8,5 x 17'' | 7,5-8,5 x 17'' |
| Abgas CO2 | 219 g/km | 205 g/km | 208 g/km |
| Verbrauch* | 13,8/7,0/9,5 l | 12,2/6,8/8,8 l | 12,9/6,6/9,0 l |
| Tankinhalt | 64 l/Super | 63 l/Super | 66 l/Super |
| Vorbeifahrgeräusch | 71 dB (A) | 72 dB (A) | 71 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 1900/750 kg | 1700/750 kg | 1800/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 320–750 l | 210–350 l | 300–390 l |
| Preis (wird bewertet) | 54.900 €*** | 54.750 €**** | 57.299 €***** |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Doppelkupplungsgetriebe; *** inkl. drive select 300 €, Dynamiklenkung 1000 €, Sportdifferenzial 950 €; **** inkl. Sportautomatik 2400 €; ***** inkl. Mischbereifung in 17 Zoll 417 € | |||
| Messwerte | Audi | BMW | Mercedes |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0–50 km/h | 2,9 s | 2,7 s | 2,8 s |
| 0–100 km/h | 7,7 s | 6,3 s | 7,1 s |
| 0–130 km/h | 11,8 s | 9,5 s | 11,1 s |
| Zwischenspurt | |||
| 60–100 km/h | 4,0 s | 3,0 s | 3,6 s |
| 80–120 km/h | 4,9 s | 3,7 s | 4,6 s |
| Leergewicht/Zuladung | 1914/371 kg | 1842/338 kg | 1830/430 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 54/46 % | 48/52 % | 52/48 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,4/11,5 m | 11,2/11,1 m | 11,1/10,9 m |
| Bremsweg | |||
| aus 100 km/h kalt | 36,5 m | 35,4 m | 34,0 m |
| aus 100 km/h warm | 37,2 m | 37,0 m | 35,4 m |
| Innengeräusch | |||
| bei 50 km/h | 56 dB (A) | 56 dB (A) | 56 dB (A) |
| bei 100 km/h | 66 dB (A) | 65 dB (A) | 65 dB (A) |
| bei 130 km/h | 70 dB (A) | 69 dB (A) | 69 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 10,5 l S – 248 g/km | 10,5 l S – 248 g/km | 9,9 l S – 235 g/km |
| Reichweite | 610 km | 600 km | 660 km |
| Windgeschwindigkeit im Auto (in km/h) | |||
|---|---|---|---|
| Vordersitze | Mercedes (mit/ohne Aircap) | BMW* | Audi* |
| 50 km/h | 3,6/3,5 | 6,2 | 8,2 |
| 100 km/h | 9,8/7,5 | 13,8 | 16,6 |
| 130 km/h | 17,9/10,0 | 13,4 | 21,8 |
| Rücksitze | Mercedes (mit/ohne Aircap) | BMW* | Audi* |
| 50 km/h | 12,5/9,2 | 12,0 | 16,3 |
| 100 km/h | 23,6/18,6 | 27,3 | 18,0 |
| 130 km/h | 35,3/24,7 | 38,6 | 39,9 |
| *Die Messung bei Audi und BMW fand ohne Windschott statt, da nach dem Aufstellen die hinteren Plätze nicht besetzt werden können | |||
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Kommentare zum Artikel (97)
Erstellt
Inhalt
Funktion
Ein starker Sechsylinder in einem Cabrio, Automatik und dann im hohen Gang durch die Landschaft cruisen....
Fällt allein mir dieser Widerspruch auf? Wozu der ganze Aufwand? Ein kleiner aufgeladener Vierzylinder, ein hoher Gang und quasi im Leerlauf durch die Landschaft rollen. Wo ist der Unterschied? Will ich Beschleunigungsrennen gewinnen oder meine Freizeit in Ruhe genießen?
Ja und Geld spielt immer eine Rolle. - Außer bei Neureichs natürlich.... ;-))
@Enrico2301,
meinen Arbeitskollegen vor kurzem auch... Motorschaden bei 96t km - gleiche Diagnose wie du bereits schreibst bzgl Zylinderwände.
Vielleicht sollte noch erwähnt werden wie anfällig der 3.2 FSI von Audi ist... Motorschäden sind bei diesem Motor schon lange keine Seltenheit mehr, einfach mal googeln... Motorschaden 3.2FSI eingeben...
Hier wurde ein Fehler in Serie produziert, die Motoren erleiden einen Kolbenkipper da die Beschichtung oder Veedelung der Zylinderlaufbahn nicht haltbar ist.
Auch mich hatte es erwischt mit meinem A6 3.2 FSI Quattro
Ich finde die Antriebsart ist biss zu einer gewissen Leistung wurscht. Der Allrad macht sich in meinen augen erst im Winter bezahlt, ansonsten kommt man mit heckantrieb sehr gut klar auch bei mehr Leistung (wenn man´s beherrschen kann). Ich finde auch dass viele Läute keine richtige Ahnung vom Fahren/beherrschen des Fahrzeugs haben. die verlassen sich einfach auf ESP ASR und wass es da noch so gibt, ohne zu wissen wie die einzelnen Systeme funktionieren!
Mal von der Antriebsform abgesehen, muß man ein leistungsstarkes Auto auch beherrschen können.
Wer viel Geld hat, will auch ein standesgemäßes PS starke Vehikel haben, doch richtig fahren können es wenige. Alleine schon der Irrsinn auf unseren Autobahnen zeigt dies deutlich. Da regnet es aus Kübeln und die dicken BMWs/MB/Audis brettern mit 200 km/h auf der linken Spur. Aquaplaning scheint für viele ein Fremdwort zu sein.