Fünf E-Scooter im Test

E-Scooter: Test

Fünf Elektro-Roller im Vergleich

Nicht zu teuer, mit Straßenzulassung und ohne Helmpflicht: E-Scooter sind ideal für Camper. AUTO BILD REISEMOBIL hat fünf kleine Elektro-Roller getestet.
E-Mobilität boomt. Okay, E-Autos verbreiten sich eher langsam. Doch auf zwei Rädern hat die Zukunft schon begonnen. Über 600.000 E-Bikes fanden 2016 einen Käufer, drei Millionen fahren schon durch die Republik. Per Definition zählen dazu auch Roller mit Elektromotor. Die E-Scooter sind schwer im Kommen, und das dürfen deren Käufer wörtlich nehmen. Zwischen 38,2 und 71,4 Kilogramm bringen unsere fünf Test-Scooter auf die Waage. Außer beim SFM Oliver 500 bestehen die Rahmen überwiegend aus Stahl statt Aluminium. Trotzdem sind sie eine interessante Alternative für Camper. Sie gelten als Leichtmofa und sind daher von der Helmpflicht befreit, lassen sich mit wenigen Handgriffen zusammenfalten und fahren rein elektrisch. Muskelkraft benötigt man nur beim Ein- und Ausladen. Kinderleicht dagegen der Start: Schlüssel rein, Zündung an, am Stromgriff drehen – los geht's. Und wie! Nur der Takira Tank Type 500 TT hält sich an die vorgeschriebenen 20 km/h Spitze. Der SFM Oliver 500 und der Forca Bossmann liegen knapp drüber und noch in der Toleranz. Forca Evoking (bis 26 km/h) und Eneway Revoluzzer (bis 30 km/h) verlangen dagegen eine gewisse Selbstbeherrschung, um dem Reiz des zu schnellen Fahrens nicht zu erliegen.

Erstaunlich, wie unterschiedlich sich 500 Watt anfühlen können

Achtung: Baumwurzeln, Schlaglöcher und Kantsteine sind wegen der kleinen Reifen eine echte Herausforderung für E-Scooterfahrer.

Und es macht Spaß, ohne Anstrengung den Fahrtwind zu spüren. Zumindest auf kurzen Fahrten wie zum Brötchenholen oder an den Strand. Kaum zu glauben, wie unterschiedlich sich 500 Watt anfühlen können: Am besten gefällt uns der Nabenmotor des Revoluzzer 2.0. Er kommt dem Ideal eines fast lautlosen E-Mobils am nächsten. Ganz anders der Forca Evoking. Sein Motor überträgt die Kraft per Kette und jault dabei unüberhörbar. Der Forca Bossmann ist bei gleichem Antriebskonzept leiser, aber wegen des hohen Gewichts viel träger. Der bürstenlose Drehstrommotor im SFM Oliver 500 treibt des Hinterrad per Zahnradgetriebe an, reagiert beim Beschleunigen aus dem Schiebebetrieb aber mit Verzögerung und nervt mit Klackgeräuschen des Freilaufs.

Steigungen werden zur Geduldsprobe

Längere Strecken lassen schnell den Wunsch nach mehr Geschwindigkeit aufkommen. Das gilt besonders auf vielbefahrenen Straßen, wo mit 20 km/h dahinzuckelnde Elektro-Scooter ein Verkehrshindernis sind. Noch schlimmer wird es an Steigungen. Selbst leichteste Anstiege spürt der E-Scooter-Fahrer sofort, steilere Erhebungen werden zur Geduldsprobe. Bergab weiß der Fahrer die serienmäßigen Scheibenbremsen zu schätzen. Damit kommen die E-Scooter aus Tempo 20 in unter 2 Metern zum Stehen. Am besten verzögert der Revoluzzer, der schon nach 1,5 Metern steht. Der Tank Type hat die schwergängigsten Bremsen und hebt bei Vollbremsung schon mal das Hinterrad.

Die Reichweite hängt von vielen Faktoren ab

Schränkt die Käuferschaft ein: Der Fahrer des Tank Type darf nur 77 Kilo wiegen.

Wer die E-Scooter viel rollen lässt und wenig bremsen muss, kann mit dem Evoking mehr als 50 Kilometer schaffen. Die letzten Kilometer allerdings bei nachlassender Geschwindigkeit. Ein paar Kilometer früher bleiben der Oliver 500 und der Revoluzzer stehen. Der Bossmann macht schon nach etwa 35 Kilometern schlapp, dem Tank Type fehlt für mehr als 25 Kilometer Reichweite der Freilauf. Genaue Angaben zur Reichweite sind schwierig – sie hängt von Streckenprofil, Temperatur und auch Gewicht des Fahrers ab. Der darf beim Tank Type nur 77 Kilo wiegen, beim Bossmann sind es 83, beim Oliver 96, beim Evoking 101 und beim Revoluzzer sogar 146 Kilo. Die simplen Ladezustandsanzeigen arbeiten nur bei Volllast einigermaßen zuverlässig. Bis die leeren Blei-Akkus wieder aufgeladen sind, dauert es zwischen acht und neun Stunden. Stärkere Akkus gibt's für alle gegen Aufpreis.

Blinker sind empfehlenswerte Extras

Alle fünf E-Scooter lassen sich gut fahren und sind dabei gar nicht mal unkomfortabel. Oliver 500, Revoluzzer und Tank Type haben sogar einstellbare Federungen. Beim Bossmann stört die schwergängige Lenkung, der kleine Lenkeinschlag erschwert das Rangieren. Am wohlsten fühlen sich die Roller auf ebenem Untergrund. Unebenheiten aller Art sind mit Vorsicht zu genießen. Die begrenzte Fahrstabilität der kleinen Reifen fällt besonders beim Abbiegen auf, wenn der Fahrer Handzeichen gibt und einhändig fährt. Daher sind Blinker empfehlenswerte Extras. Mindestens ein Rückspiegel ist vorgeschrieben, beim Fahren aber verzichtbar. Bei allen Scootern verhindern Sicherheitsschalter das Losfahren bei ausgeklapptem Ständer und Vortrieb bei gezogener Bremse. Lenkradschlösser suchen wir vergebens. Sie wären ein guter Diebstahlschutz, denn wegtragen wird diese kleinen Schwergewichte niemand. Beim Oliver 500 kann der Fahrer den Akku vor Diebstahl schützen und das Fach unterm Trittbrett abschließen. Zum Transportieren lassen sich die E-Scooter mit wenigen Handgriffen zusammenklappen. Das Faltmaß haben wir ohne Werkzeug ermittelt. Die Spiegel lassen sich zur Not auch ohne Schraubenschlüssel losdrehen. Beim Verstauen hilft es, den Akku herauszunehmen. Er steckt bei allen in einer praktischen Tasche.

Testtabelle
Produkt SFM Oliver 500 Eneway Revoluzzer 2.0 Forca Bossmann-S Forca Evoking III Takira Tank Type 500
Preis 1099,00 Euro 1199,00 Euro 969,99 Euro 549,99 Euro 439,99 Euro
Punkte max.
AKKU
Reichweite 30 24 26 20 30 10
Aufladedauer 10 6 8 8 8 9
Akku-Typ (Zyklen) 10 5 5 5 5 5
KAPITELWERTUNG 50 35 39 33 43 24
FAHREN
Geradeauslauf 10 9 10 9 8 6
Kurven 10 10 10 6 10 10
Gelände 10 8 10 4 6 4
Bergauf 10 8 10 2 6 6
Bremsen 20 16 20 18 16 17
KAPITELWERTUNG 60 51 60 39 46 43
KOMFORT
Federung 10 8 10 6 6 8
Sitz 5 5 5 4 2 4
Antrieb/Lautstärke 5 4 5 3 1 3
KAPITELWERTUNG 20 17 20 13 9 15
HANDLING
Gewicht 15 13 10 5 11 15
Faltmaß 15 11 8 5 13 15
Rangieren/Lenkwinkel 10 10 8 4 6 6
zul. Fahrergewicht 5 3 5 2 4 1
KAPITELWERTUNG 45 37 31 16 34 37
SUMME LEISTUNGSKRITERIEN 200 140 150 101 132 119
KOSTEN
KAPITELWERTUNG PREIS 25 10 8 12 22 25
GESAMTSUMME 200 150 158 113 154 144
PLATZIERUNG 3 1 5 2 4
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FORCA Evoking III

Preis: 739,99 Euro

SFM Oliver 500 Silicium

Preis: 1199,00 Euro

Takira Tank Type 500TT

Preis: 489,99 Euro

E-Flux Freeride

Preis: 459,90 Euro

MACH1® Elektro E-Scooter

Preis: ab 559,95 Euro

Fünf E-Scooter im Test

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Michael Struve

Fazit

Der beste Motor und die größten Reifen machen den Revoluzzer zum Testsieger. Platz zwei geht an den Evoking, der sich nur dank des günstigeren Preises vor dem Oliver 500 behauptet. Der Tank Type belegt mit und ohne Preiswertung den vierten Rang. Die mäßige Qualitätsanmutung ist dem niedrigen Preis geschuldet. Den fünften und letzten Platz belegt der Bossmann. Sein hohes Gewicht lässt ihn in der Gesamtwertung absacken: Damit ist er nur bedingt empfehlenswert für Camper.

Stichworte:

Elektroroller

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