Tanken E10

E10 treibt Spritpreis hoch

— 29.08.2011

Wir zahlen bereits mehr

Weil sie zu wenig E10 absetzen, verkaufen die Ölmultis andere Kraftstoffe teurer. Sie wollen sich gegen eine drohende Geldbuße absichern, falls sie die Quote nicht erfüllen.

(dpa/sb) Für Autofahrer ist kaum etwas so undurchsichtig wie der Benzinpreis. Das wird beim wenig geliebten Biosprit E10 zunehmend zum Problem: Denn während etwa die Aral-Mutter BP wegen zu wenig verkauftem E10 mit Strafzahlungen von bis zu 400 Millionen Euro im Jahr 2011 rechnet, ist das für die Biokraftstoffindustrie noch längst nicht ausgemacht. Und die Regierung betont, dass das Ausmaß möglicher Strafzahlungen erst 2012 feststehen wird. Dennoch werden die Autofahrer laut ADAC für das Debakel längst zur Kasse gebeten, weil Mehrkosten auf den Spritpreis aufgeschlagen würden. Die Mineralölwirtschaft hat jetzt entsprechende Vermutungen von Verbraucherschützern bestätigt, wonach Tankstellen bereits seit dem Frühjahr herkömmliches Superbenzin E5 teurer verkaufen, als es eigentlich angemessen wäre.

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"Durch jeden Liter herkömmlichen Superbenzins E5, der bei uns getankt wird, entsteht eine Fehlmenge, die es uns unmöglich macht, die geforderte Biokraftstoffquote zu erreichen", sagte Karin Retzlaff, Sprecherin des Mineralölverbandes MWV, dem Berliner "Tagesspiegel". Daher würden die beteiligten Unternehmen "rund zwei bis drei Cent" auf jeden verkauften Liter Superbenzin (E5) aufschlagen. Und das, obwohl schon länger zum Erreichen der Bio-Quote getrickst wird: Seit Jahren ist es gängige Praxis, dass die Mineralölwirtschaft den Verkauf von reinem Biodiesel (B100) in großen Mengen auf die Quote anrechnen lässt", betont Frank Brühning vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Praktisch der gesamte B100-Absatz 2010 sei verwendet worden, um die gesetzlich vorgeschriebene Quote zu erfüllen. Das Ganze funktioniert laut VDB so: Der Biodieselproduzent verkauft Biodiesel zum Beispiel an eine Spedition und erhält dafür eine Gutschrift. Diese verkauft er an ein Mineralölunternehmen, das sich den verkauften Biodiesel auf seine Quote anrechnen lässt.

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Auch vor der Einführung von E10 sei so die Ethanolquote von 6,25 am gesamten Absatz erreicht worden, sagt Brühning. Und das ohne das Super Benzin E10, das zehn Prozent Ethanol enthält. Der ADAC betont, die Mineralölwirtschaft habe auch bisher "schon Mittel und Wege finden müssen, die Quote zu erfüllen“. Karin Retzlaff vom MWV bestätigt, dass Biodiesel eine Alternative zur Erfüllung der Quote ist. "Aber es gibt immer weniger Fahrzeuge, die mit reinem Biodiesel gefahren werden können." Sie betont, die Zahlen für möglichen Strafzahlungen seien nicht vorschnell in die Welt gesetzt worden, sondern beruhten auf ausführlichen Marktanalysen der vergangenen Monate. Die Verkaufszahlen, Ethanolbeimischungen und anderen Möglichkeiten zur Erfüllung der Quote ließen sich hochrechnen. Daher könne recht genau vorhergesagt werden, in welchem Umfang die Quote verpasst wird. Für jeden zu wenig beigemischten Liter Ethanol würden rund 40 Cent Strafe fällig. Jeder statt E10 verkaufte Liter Super Benzin mit fünf Prozent Ethanol schlage mit zwei Cent Strafe zu Buche. Zuletzt seien statt ursprünglich erwarteten 90 Prozent E10-Absatz beim Super nur neun bis zehn Prozent des verkauften Benzins E10 gewesen. Klarheit, wer wieviel durch E10 zu zahlen hat und ob der Autofahrer zu stark belangt wird, gibt es erst 2012, bis dahin sind kaum verlässliche Aussagen möglich.

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