eCarTec 2010: Messerundgang

Elmoto HR-2 EV II Mitsubishi i-MiEV

eCarTec 2010: Messerundgang

— 21.10.2010

Mehr Nische als breite Masse

Die eCarTEc in München bezeichnet sich als "Leitmesse für Elektromobilität". Grund genug für AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber, sich vor Ort mal genau umzusehen.

Längst haben Elektroautos jede futuristische Anmutung verloren. Auf unseren Straßen sind sie zwar noch immer sehr selten, aber immer mehr Modelle drängen auf den Markt. In München ging jetzt die eCarTec, die "Leitmesse für Elektromobilität" über die Bühne. Erster Eindruck: 2010 war mehr los als 2009, immerhin anderthalb Hallen waren belegt. Dennoch ist die eCarTec noch immer eher eine Randgruppenveranstaltung denn eine Show für die breite Masse. Immerhin, BMW war erstmals mit einem Stand vertreten. Auch Peugeot und Renault waren da, wenn auch mit einem äußerst bescheidenen Auftritt. Wie 2009 war die eCarTec auch in diesem Jahr das Revier der Energiekonzerne, Dienstleister und Nischenanbieter. Allen voran die noch immer zahlreichen kleinen Firmen, die in Zukunft ihr Geld mit Ladesäulen für Elektroautos verdienen wollen. Das geht hin bis zu Geräten, in denen der Kunde 50-Cent-Stücke schmeißen kann, um dafür Strom zu tanken.

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Der Mitsubishi i-MiEV wurde mit dem Bayerischen Staatspreis für innovative und nachhaltige Elektromobilität ausgezeichnet.

Und die Großen? RWE baute aus den bekannten Ladesäulen und -boxen eine Stromtankstelle. Und bei E-On wurde auf einer Preistafel der Strom noch immer in Litern (0,43 Euro/Liter) verkauft. Patzer oder Provokation? Schön aussehen tut so ein Preis jedenfalls. Wichtigster Programmpunkt auf der eCarTec war die Verleihung des Bayerischen Staatspreises für innovative und nachhaltige Elektromobilität. Deutsche Autohersteller gingen leider leer aus. Allerdings wurde die schwäbische Zweirad-Manufaktur Elmoto wurde mit dem mit 7500 Euro dotierten Preis in der Kategorie Motorrad für ihr E-Mofa HR-2 EV II ausgezeichnet. In der Sparte Elektrofahrzeug räumten der Mitsubishi i-MiEV und der baugleiche Peugeot iOn ab. Für hoch gezogene Augenbrauen sorgten Exoten wie der Nemesis, der E-Roadster aus Ungarn. Die Firma Leila Motors aus Györ will das Ding tatsächlich 2011 in Mini-Serie bauen. Mit Lithium-Ionen oder Lithium-Polymer-Akkus, vier Radnabenmotoren von je 40 kW Leistung, das Ganze für über 60.000 Euro. Naja.

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Der niederländische Hersteller "Tuk Tuk Factory" bietet eine E-Version der dreirädrigen Auto-Rikscha an.

Weiter wundern konnte man sich dann gleich ein paar Stände weiter. Dort nämlich gab es Tuk-Tuks mit E-Antrieb zu sehen – und sogar schon zu bestellen. Der niederländische Hersteller "Tuk Tuk Factory" bietet die dreirädrige Auto-Rikscha zu Preisen ab 11.000 Euro an. Dafür gibt es uralte Blei-Akkus mit 15 kWh Kapazität, die für 70 Kilometer reichen. Nicht gerade eine Zukunfts-Technologie. Ein Wiedersehen gab es mit dem Lampo2 von Protoscar aus der Schweiz, den AUTO BILD schon vor Monaten testete, der aber, so Protoscar-Chef Marco Piffaretti, ein Einzelstück bleiben wird. Der Nachfolger, der Lampo3, soll nicht nur ein Technologieträger sein, sondern auch in (Klein-)Serie gebaut werden – wenn die deutschen und arabischen Investoren mitspielen. Der Lampo3 wird ein 2+2-Sitzer mit Targa-Dach. Die Reichweite bleibt wie beim Vorgänger bei rund 200 Kilometern. Aber eine Schnellladung soll beim Lampo3 möglich sein. Erstmals zu sehen sein wird er 2011 auf dem Genfer Salon.

Ach ja, Lotus war auch da. Der Evora 414e Hybrid stand aber nur da, um das von den Briten entwickelte Soundsystem für E-Autos vorzustellen, mit dem man seinem E-Auto einen individuellen Sound verpassen kann. Das auf der eCarTec präsentierte Geräusch klang irgendwie nach einem defekten Verstärker – einfach grauenhaft. Dafür kündigte Colin Peachey an, dass Lotus nach dem Modellfeuerwerk vom Pariser Salon 2010 auch in Sachen Elektrifizierung bald etwas zeigen wird – und muss, um den CO2-Durchschnittsausstoß zu drücken. Was sonst noch war? Naja, irgendwie wusste fast jeder, was die Zukunft bringt, aber alle anderen hier auf der Messe arbeiten ja in die völlig falsche Richtung. "Wir sind die einzigen, die das heute schon anbieten können", war der wohl am häufigsten gesagte Satz auf der Messe. Doch manchmal überraschte eine Aussage dann doch. Ein Leiter einer Energiefirma, der vorher bei einem Autobauer für den Bereich E-Autos zuständig war, flüsterte mir doch tatsächlich zu: "Die ganze Elektromobilität ist ein großer Irrtum." Na, dann bis zum nächsten Jahr.

Autor: Hauke Schrieber

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