Eddie Irvine im Interview

Eddie Irvine im Interview

— 24.06.2003

"Formel 1 ist bald nicht mehr sexy"

Der Nordire, wie er leibt und lebt. Ein paar knallharte Wahrheiten zur Karriere nach der Formel 1, ber seine lieben Ex-Kollegen und die Zukunft des Motorsports.

"Mir fehlt der monatliche Scheck"

AUTO BILD motorsport: Sind Sie noch an der F1 interessiert? Eddie Irvine: Klar! Ich sehe mir, wenn es geht, alle Rennen an und schreibe eine Kolumne fr eine englische Zeitung und ein italienisches Fachmagazin.

Fasziniert Sie die Knigsklasse immer noch? Ja, vor allem wenn ich sehe, wie sich im Moment junge, talentierte Fahrer so toll entwickeln. Es zeichnet sich ein Generationswechsel ab.

Haben Sie Entzugserscheinungen, oder ist das Leben jetzt besser? Mein Leben ist gut. In Monte Carlo wre ich aber gerne gefahren, weil mir die Strecke sehr gut gefllt. Dort hatte ich auch fast Entzugserscheinungen. Aber am Ende war ich dann doch nicht enttuscht.

Warum nicht? Wenn ich im Auto gesessen htte, htte ich in Bezug auf die Partys und das Nachtleben Abstriche machen mssen. Denn wenn man mitfhrt, kann man an dieser Front nicht so viel Gas geben. Da muss man topfit sein.

Fhlen Sie sich nach dem Rcktritt entspannter? Wie ist Ihr Leben? Klasse. Ich bin total entspannt, fhle nicht mehr den Leistungsdruck, habe mehr Zeit fr mich, fr meine Freunde. Ich stehe jetzt auch oft in der Kche und koche, arbeite sogar im Garten und rume ab und zu mein Haus auf.

Wie lautet Ihre Berufsbezeichnung? Geschftsmann.

Vermissen Sie das Rampenlicht? Ja, durchaus, aber mehr noch fehlt mir der monatliche Scheck meines Teams.

Sie haben doch keine Geldsorgen. Nein, aber ich vermisse den Job, in dem man alle 14 Tage das Resultat seiner Arbeit gesehen hat. Im normalen Geschftsleben dauert so was ein, zwei, manchmal fnf Jahre. Man wei also nicht so schnell wie in der Formel 1, ob man gut ist oder nicht.

Mssen Sie berhaupt arbeiten? Wegen des Geldes nicht, ich arbeite aber, weil es mir Spa macht.

Welche Geschfte betreiben Sie? Immobilien, Bars, Gastronomie.

Irvine trauert der verpassten WM nach

Werden Sie noch mal Rennen fahren, gibt es ein Comeback? Definitiv nicht, dafr geht es mir ohne Rennsport viel zu gut.

Ist eine Karriere als Teambesitzer oder Manager mglich? Vielleicht in der Zukunft.

Wovon hngt das ab? Solange mir mein schnes Leben so gut gefllt, kommt so ein Job fr mich nicht in Frage. Wenn man so was macht, muss man sich dafr 100 Prozent einsetzen, also nicht so wie Niki Lauda, der den Chefposten bei Jaguar als eine Art Halbtagsjob betrachtet hat, sondern so wie Jean Todt oder wie Ron Dennis ohne Wenn und Aber. Dazu bin ich jedoch im Moment noch nicht bereit.

Wo wrden Sie denn gerne arbeiten, wenn es dazu kommt? Nur in der Formel 1, sonst nirgendwo. Alles andere wrde mich schrecklich langweilen.

Wurmt es Sie nach Ihrem Rcktritt besonders, dass Sie 1999 die groe Titelchance verpasst haben? Sicher, vor allem weil ich die Mglichkeit gehabt htte, am Ende des Jahres zu McLaren zu wechseln. Leider hat das dann nicht geklappt, weil Teamchef Ron Dennis weiter auf David Coulthard setzte. Aber abgesehen davon bin ich mit meiner Karriere sehr zufrieden. Ich bin fr Ferrari gefahren, habe mit tollen Leuten wie Michael Schumacher, Jean Todt oder Ross Brawn gearbeitet.

Wo lagen die Probleme bei Jaguar? Zu wenig Kontinuitt beim Teampersonal und zu viel Politik. Beides hat zu viel Energie gekostet.

Wie beurteilen Sie die gegenwrtige Entwicklung bei Jaguar? Die haben einen groen Schritt nach vorne gemacht. Das Auto ist viel, viel besser. Leider haben sie dafr noch nicht gengend Punkte gemacht. Das Team hat mit mir 2002 mit einem viel schlechteren Auto mehr Punkte eingefahren.

Was muss bei Jaguar passieren, um weiter nach vorne zu kommen? Der nchste Schritt wird sehr schwer. Die Fahrer sind nicht erfahren genug. Man msste mehr Geld ausgeben. Man braucht mehr Zuverlssigkeit. Um sich jetzt noch mal zu steigern, braucht Jaguar von allem deutlich mehr.

"Schumacher wird wieder Weltmeister"

Wie erklren Sie sich bisweilen die Einbrche von Ferrari? Reifengegner Michelin ist viel strker als Bridgestone. Ferrari hat das beste Auto, den besten Motor. Nur die Reifen sind ein Problem.

Michael Schumacher fhrt jetzt bis 2006. Sind Sie berrascht? Null Komma null. Was sollte er sonst tun? Er gewinnt Rennen, liebt seinen Sport, das Team liebt ihn.

Kann Michael sich und das Team bis 2006 gengend motivieren? Klar! Die Siege sind Motivation genug. Fr alle im Team. Da habe ich berhaupt keine Sorgen. Er wre sicher kein guter Profi-Fuballer oder -Golfer. Soll er etwa zu Hause rumsitzen und sich nur noch um die Kartbahn kmmern?

Hat Schumacher immer noch einen Bonus gegenber den jungen Fahrern wie Alonso oder Rikknen? Ja, er ist in jeder Beziehung immer noch der Beste, aber Alonso wird ihm definitiv in Zukunft eine Menge Probleme bereiten. Der ist richtig klasse.

Und Rikknen? Der wird Michael nicht so konstant rgern wie Alonso. Kimi ist schnell, aber leider nicht konstant schnell und macht zu viele Fehler, whrend Alonso der komplettere Fahrer ist. Genauso schnell, aber er macht weniger Fehler, ist zielgerichtet, einfach fhiger und weiter. Fr mich ist Alonso der Fahrer des Jahres. Sein Problem ist, dass er nicht so ein gutes Auto wie Michael hat, sonst htte der schon jetzt groe Probleme.

Wer kann eigentlich Michael Schumacher dieses Jahr schlagen? Niemand. Er wird zum sechsten Mal Weltmeister.

Welche Fahrer haben Sie bisher enttuscht? Ralf Schumacher macht sich selbst klein und steht sich damit selbst im Weg. David Coulthard entwickelt sich zurck. Pizzonia ist als GP-Fahrer Zeitverschwendung. Montoya ist okay, aber er ist nicht der groe berflieger, wie viele geglaubt haben. Barrichello hat das geleistet, was man von ihm erwartete.

Eddie Irvine im Kurzportrt

Finden Sie das Leben ohne F1, ohne Wettbewerb, nicht merkwrdig? Ich habe gengend Herausforderungen als Geschftsmann. Es macht mir Spa, Geld zu verdienen, aber manchmal ist es mir auch fast schon wieder zu viel Stress.

Kann es nach der Formel 1 noch andere Dinge geben, die hnlich faszinieren auer Frauen? Rennen und Frauen faszinieren immer, je nach Ort und Zeitpunkt. Im Zivilleben lasse ich mich gerne berraschen.

Wie wird sich die Formel 1 in den nchsten fnf Jahren entwickeln? Sie wird von Geld und Macht bestimmt werden und deshalb ihren Sexappeal verlieren.

Warum? Weil die Hersteller mit ihrem Geld die Macht bernehmen werden. Die wollen dann, dass alles nur noch schn und sauber und perfekt ist und dass die Fahrer ausschlielich schne und nette Dinge ber ihre Autos und Arbeitgeber sagen. Es wird also komplett in die entgegengesetzte Richtung laufen, die ich vertrete und bevorzuge. Ich mag es so, wie es in den siebziger und achtziger Jahren war. Da ging es weniger um PR, dafr mehr um Rennsport und Wettbewerb auf der Strecke. Die Hersteller wollen im Gegensatz dazu nur ihre Autos verkaufen.

Eddie Irvine im Kurzportrt Geboren 10. November 1965 Geburtsort Newtonards (Nordirland) Wohnort Miami (USA), Dublin (Irland) Nationalitt Grobritannien Familienstand ledig, eine Tochter (Zoe, sechs Jahre) Erlernter Beruf Rennfahrer Hobbys Feiern, Snowboard, Musik

Schumis Beifahrer Vier Jahre nach seinem Karrierestart in der irischen Formel-Ford-1600-Meisterschaft gewann Irvine 1987 die britische Formel-Ford-1600-Meisterschaft, wurde 1990 mit Jordan Dritter der F3000-EM. Nach drei weiteren Jahren in der Formel Nippon debtierte er in Japan in der Formel 1 (Jordan). 1996 bernahm er den vakanten Sitz neben Schumi bei Ferrari (vier Siege bis 2000), wo er 1999 knapp am Titelgewinn vorbeifuhr. 2000 Wechsel zu Jaguar, wo er Ende 2002 ausgemustert wurde.

Pokerface Irvine nennt sich jetzt Geschftsmann: Er besitzt ca. 70 Immobilien, zockt heftig an der Brse und belchelt Ex-Kollegen, die an der Playstation Rennen fahren. Er lenkt sein Love-Boat mit Models, kocht selbst fr seine Familie, mht Rasen, rumt auf.

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