Edo GT2 R

Der König von Oschersleben: Edo GT2 R Der König von Oschersleben: Edo GT2 R

Edo GT2 R

— 21.12.2005

Der König von Oschersleben

Der König ist tot, es lebe der König: Der Edo GT2 R übernimmt als würdiger Thronfolger die Spitze in der Sportscars-Hitliste. Seinem Vorgänger aus dem Hause Koro rannte er locker davon.

542 PS und ein Rundum-Sorglos-Paket

Eigentlich ist es ganz einfach, sich auf den Spitzenplatz in unserer Hitliste (Auszug siehe unten) zu kochen: Man nehme einen Cup-Porsche, verpasse ihm einen richtigen Motor, würze ihn mit einem trockenen Fahrwerk und verleihe ihm einen vernünftigen Flügel. Anschließend erhitze man das Ganze vorsichtig, gebe dann für etwa 98 Sekunden richtig Gas und lasse es noch eine Runde ausköcheln. Hat man alles richtig gemacht, zergeht das Ergebnis auf der Zunge: Bestzeit!

Im Fall des Edo GT2 R hat Chefkoch Edo Karabegovic nichts falsch gemacht. Getreu der alten Gourmet-Regel, der zufolge leckere Gerichte nur aus perfekten Zutaten entstehen können, schöpfte der Porsche-Profi im westfälischen Ahlen aus dem vollen: Für Vortrieb sorgt der Motor des GT2 auf pikante 542 PS angeschärft mit Titanpleueln und liebevoller Bearbeitung von Zylinderköpfen, Turboladern und Auspuffkrümmern. Auf den Teller kommt das Hochleistungsmenü über ein starr aufgehängtes Cup-Getriebe mit Rennkupplung, eine 40/60er Differentialsperre und verstärkte Antriebswellen.

Und damit die Leckerei vor lauter Dynamik nicht vom Tisch schlittert, schnürte Maître Edo ein Rundum-Sorglos-Paket in Form eines 14fach einstellbaren Gewindefahrwerks, einer Brembo-Bremsanlage mit Vierkanal-Renn-ABS und praller 315er-Walzen an der Hinterachse. Genauso delikat präsentiert sich die Verpackung, die sich eng an Vorbilder aus dem Rennsport anlehnt.

Wie kam dieses Auto nur durch den TÜV?

Wie etwa der monumentale Heckflügel, der sich über die gesamte Breite der Karosserie erstreckt und auf den schönen Namen Le Mans hört. Oder der Kevlar-Frontspoiler, der bis zum Lenkgetriebe nach hinten reicht und den gesamten Vorderwagen nach unten verkleidet. Oder die handgefertigten Alu-Einlaßkanäle für die Ladeluftkühlung.

Was man nicht sieht, aber beim Fahren deutlich hört und spürt, ist das reduzierte Gewicht: Bis auf die Teppiche im Fußraum flog das gesamte Dämmaterial in die Tonne, Heck- und Seitenfenster bestehen aus Makrolon, die Rücksitze sucht man ebenso vergebens wie ein Radio. Statt dessen finden wir im Innenraum einen filigranen Überrollkäfig, der das Einsteigen nicht gerade leichter macht. Auch der frei im Raum stehende Schaltknüppel dokumentiert auf schlichte Weise, daß hier kein Hobbykoch zu Werke ging.

Was sich aber nach dem Starten des Motors abspielt, geht trotzdem voll unter die Haut. Zum heiseren Röhren des Motors gesellt sich ein dramatisches Rasseln aus dem Getriebe, trotz frostiger Temperaturen und fehlender Heizung wird es einem warm ums Herz und flau in der Magengrube. Hinzu kommt die Frage aller Fragen: Wie kam dieses Auto durch den TÜV? Wir verdrängen sie einfach, geben Gas und erleben ein blaues Wunder.

Fahrleistungen und Fazit

Denn der Edo fährt sich lange nicht so brutal, wie er aussieht. Die Kupplung tritt sich ganz normal, der Motor packt schon bei 2000 Umdrehungen ordentlich zu. Sein maximales Drehmoment von 755 Newtonmetern (!) entwickelt er schon bei 4300 Touren – wer schnell durch die Gänge kommt, ist schon nach zwölf Sekunden auf Tempo 200. Bis zur abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h dauert es dann zwar etwas länger, imposant ist es aber allemal.

Schwierig wird es nur, wenn die erste Kurve naht. Der Grenzbereich zwischen Durchkommen und Abfliegen ist extrem schmal, die Semislicks von Michelin machen ihn noch schmaler. Die direkte Cup-Lenkung hilft da nur bei sehr schnellen Reaktionen. Wenn alles klappt, ist man allerdings auch sehr schnell. Und merkt spätestens an der Rundenzeit, daß man bei Edo nicht nur mit Wasser kocht.

Fazit: Mann, oh Mann, was für ein Auto: Nichts für den Kindergeburtstag, ganz schlecht für Urlaubsreisen und nur bedingt zum Repräsentieren geeignet. Der Edo GT2 R fühlt sich auf der Rennstrecke am wohlsten. Nur dort läßt sich sein ganzes Potential ausloten. Wenn man es denn kann. Und wenn nicht, verhindern dort wenigstens Kiesbetten und Leitplanken das Allerschlimmste. Alles in allem ein würdiger Rekordhalter, aber auch ein ziemlich grenzwertiger. Wer hat schon eine Viertelmillion für einen Zweitwagen?

Autor: Hermann J. Müller

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