Eine Regenfahrt im Smart Crossblade

Was taugt dieser Smart? Was taugt dieser Smart?

Eine Regenfahrt im Smart Crossblade

— 24.07.2002

Was taucht dieser Smart?

Kein Dach, keine Türen, keine Scheiben – der Crossblade macht seinen Fahrer richtig nass. Und amüsiert das Volk.

"Der Crossblade ist ein Auto wie kein anderes. Wer ihn wagt, gewinnt mehr Sonne, mehr Wind und mehr Weite." Diese blumigen Worte verkündet der Werbeprospekt. Logisch: So ein Hochglanzpapier verbreitet schöne heile Welt. Aber wie sieht die Realität aus? Wie der Alltag in Hamburg? Anders. Ganz anders. Es ist Juli; Hochsommer und damit beste Crossblade-Saison. Zumindest theoretisch. Um sieben Uhr stöhnt der Radiowecker was von sintflutartigen Regenfällen: "Achtung, örtlich bis zu 100 Liter Wasser pro Quadratmeter." Egal. Ich bin Hamburger. Und Hamburger kennen das.

Der Vollvisierhelm ist ein Muss

Feuchtfröhliches Vergnügen: Ohne Türen, Dach und Scheiben fährt der Crossblade wie in einer Waschmaschine. Eine saubere Sache.

So ein Wetterbericht ist kein Grund, auf die Testfahrt im straßenzugelassenen Autoscooter zu verzichten. Also raus aus der Tiefgarage und gleich wieder rein. Regenkombi vergessen. Lehre Nummer eins für Crossblader: Verlasse das Haus nie ohne wasserdichte (Biker-)Klamotten. Dieses Auto macht dich nass. Aber nicht nur das. Mit dem Crossblade schwimmt man nicht nur gegen den Strom, sondern fährt selbst bei Rückenwind gegen den Sturm. Echt geil, wenn es ein Scirocco oder Mistral wär. Aber dies ist ein atlantischer Nordnordost. Sonne und Weite? Von wegen. Wolken und Regen! Es pustet und pladdert. Wie Nadelstiche picksen kalte Tropfen im Gesicht. Der Sturm zerrt an Haut und Harren, reißt an Wangen und Nase, drückt auf Augen und Lippen. Lehre Nummer zwei: Bei solchem Wetter ist ein Vollvisierhelm ein Muss.

24.360 Euro kostet der Crossblade. Das ist verrückt für dieses Nichts von Auto. Es ist das radikalste Cabrio seit dem Renault Sport Spider ohne Frontscheibe. Mehr Frischluft gibt es in keinem anderen Gefährt mit vier Rädern. Doch nicht immer bietet der offenherzige Smart ungetrübtes Vergnügen. Ein 40-Tonner steht neben mir an der Ampel. Erst wird es grün, dann dunkel. Der Lkw pumpt dicke Dieselschwaden durch das große Loch unter den Türbalken ins Cockpit. Schnell weg. Doch die Flucht nach vorn verhindert die Smarttypische Motor- und Getriebe-Charakteristik. Er fährt einfach zu behäbig los. Mein Fuß drückt voll aufs E-Gaspedal. Erst nach zwei, drei Sekunden schiebt der Turbo-Dreizylinder den Smart befriedigend nach vorn, nur um kurz darauf von der nervigen Schaltpause wieder eingebremst zu werden. Mensch, MCC, könnt ihr den Kraftschluss nicht endlich verbessern?!

Wohin nur mit dem Knöllchen?

Duschen kostenlos: Welches Auto bietet das schon? Bei Regen hat der Crossblade so weing Schutz wie ein Autoscooter. Nichts für wasserscheue Weicheier.

Mangelnde Leistung ist jedenfalls nicht das Problem. Die Ingenieure haben dem 0,6-Liter-Motor mehr Ladedruck (1,2 bar) verpasst und so die Leistung des Zweiventilers auf 70 PS erhöht. So können Besitzer des Top-Smart sicher sein, dass sich ihr extravagantes Spielzeug nicht nur optisch vom Exemplar der Sekretärin und des Pizza-Boten absetzt, sondern auch durch innere Werte. 18,4 Sekunden braucht er auf Tempo 100, und bis zur Höchstgeschwindigkeit packt er noch mal 35 km/h drauf. Das reicht allemal. Deutsche Autobahnen wird er selten sehen. Das Revier der rollenden Windmaschine sind die Riviera und die Côte d’Azur. Aber das hier ist Hamburg. Hamburg im Regen.

Bei diesem Schmuddelwetter ist der dachlose Smart so witzig wie ein Clown auf einer Beerdigung. "Der Crossblade ist nicht für Dauerbetrieb im Regen ausgelegt", warnt die Bedienungsanleitung. Stimmt nicht. Selbst stundenlanges Fahren durch Pfützen und Gewitter macht das Auto gut mit. Sogar die Waschanlage überlebt der Kleine mit Bravour. Der gesamte Innenraum ist aus wasserfestem Material, Armaturenbrett, Sitze und Cockpitboden sind mit Ablauflöchern bestückt. Dafür fehlen Innenrückspiegel und Scheibenwischer. Vorteil: Gierige Politessen werden ihre Probleme haben. Wohin nur mit dem Knöllchen? Ein super Extra, das im Prospekt nicht mit einem Wort erwähnt wird.

Stattdessen sieht man Sonne, Palmen und coole Menschen. Ganz klar: Wer sich einen Crossblade leistet, sollte exhibitionistisch veranlagt sein. Gaffer und Glotzer sind sein ständiger Wegbegleiter. Mein Auto als Burg. Vergiss es. Dieser Smart ist ein automobiler Präsentierteller mit der Botschaft: Hey, ich hab was ganz Besonderes und ihr nicht. Ein besseres Aufreißauto gibt es nicht. Schließlich fährt auch Schmusesänger Robbie Williams so ein Teil. Aber bestimmt nicht im Regen.

Das sagt der Tester

Redakteur Peter Oberndorfer über den Crossblade: "Wir sind DaimlerChrysler dankbar, dass sie so ein verrücktes Auto bauen. Nüchtern betrachtet, ist der Crossblade allerdings sehr arm: arm an Wetterschutz, arm an Fahrleistungen, arm an Zubehör und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Gut, dass sich 60 km/h in ihm anfühlen wie 100. So fällt nicht auf, dass der Crossblade mit dem auf 70 PS erstarkten Motor langsamer ist als der 61-PS-Serien-Smart. 18,4 Sekunden sind verdammt langsam.

Dazu kommt der hohe Verbrauch von 6,9 Liter Super plus. Schuld daran ist die Sechsgang-Halbautomatik, die hier wieder träger wirkt, als die verbesserte Auslegung der "Coupés". Die riesigen 16-Zöller bremsen ihn zusätzlich ein, verbessern aber die indirekte Lenkung. Der Crossblade ist deutlich agiler als die Serie, ohne kritischer im Grenzbereich zu sein. Eine Notbremsung aber bekommt das Auto mit halb so großen Rädern genauso gut hin."

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