Reifen

Einheitsreifen in der Formel 1

— 28.07.2010

Wird Heidfeld Pirelli-Tester?

Im Exklusiv-Interview mit autobildmotorsport.de verrät Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery, dass er Nick Heidfeld als Reifentester verpflichten will und Ferrari trotz italienischer Nähe nicht bevorzugt wird.

Was AUTO BILD MOTORSPORT schon Anfang Juni spekulierte, könnte jetzt wahr werden: Mercedes-Ersatzpilot Nick Heidfeld (33) ist Wunschkandidat für die ersten Testfahrten des neuen Formel-1-Reifenlieferanten Pirelli. "Bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi werden wir mit einem F1-Auto aus dem Jahr 2009 sechs Tests absolvieren", verrät Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery gegenüber ABMS. "Dafür brauchen wir einen extrem erfahrenen, aber auch fitten Piloten, der nach 500 Testkilometern am Tag nicht gleich zusammenbricht. Nick Heidfeld entspricht diesem Profil sehr genau und wäre die ideale Besetzung."

Überblick: Die Motorhomes der Formel-1-Teams

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery wünscht sich Nick Heidfeld als Testfahrer seiner Pneus.

Autobildmotorsport.de erfuhr: Nach den ersten Testfahrten in der vergangenen Woche mit dem nächstjährigen GP2-Auto (Hembery: "Die Reifendimensionen in der Formel 1 und GP2 sind gleich, deshalb geht das!") soll ab August der Formel-1-Toyota TF109 des vergangenen Jahres eingesetzt werden. Die Probefahrten sind in Monza, Barcelona, Jerez und Le Castellet geplant. "Allerdings geht es uns bei den Tests weniger um Rundenzeiten, vielmehr wollen wir einen stabilen und zuverlässigen Reifen entwickeln", betont Hembery. "Um eine Verbesserung der Performance können wir uns dann in den nächsten drei Jahren kümmern."

Erste Reifendaten für die Formel-1-Teams ab September

Pirelli ist alleiniger Reifenhersteller der Rallye Weltmeisterschaft (WRC).

Bis 2013 wird Pirelli die Formel 1 als Exklusivlieferant ausrüsten. Entwickelt werden die Pneus in Mailand (Italien), produziert in der Türkei. Hembery: "Dort haben wir erst 2007 ein neues Werk gebaut, in dem wir bislang die Reifen für die Rallye-WM, die amerikanische GrandAm und 64 weitere Meisterschaften auf der ganzen Welt herstellen." Im September sollen die Formel-1-Teams erste Reifendaten für ihre Simulationsprogramme sowie Reifenmodelle für den Windkanal bekommen. "Die Windkanalreifen stellen für uns eine besondere Herausforderung dar", räumt Hembery ein. "Sie sehen ähnlich aus wie echte Reifen, basieren aber auf einer ganz anderen Technologie, mit der wir wenig Erfahrung haben. Deshalb fahren wir in dieser Hinsicht ein sehr intensives Entwicklungsprogramm."

Vier Reifentypen

Eine noch größere Herausforderung sieht der Motorsportdirektor in der Auswahl der Gummimischungen. Aus insgesamt vier Reifentypen werden pro Grand Prix zwei ausgewählt: "Aus der Nachwuchsserie GP3 kennen wir die Charakteristik vieler europäischer Strecken. Die Kurse in Übersee sind aber weitgehend unbekannt für uns. Dort werden wir entsprechend konservativ an die Auswahl der Gummimischungen herangehen." Die Kritik einiger Teams, innerhalb der einzelnen Gummimischungen würde es bei Pirelli traditionell große Schwankungen geben, weist Hembery zurück: "Da leben einige Leute wohl noch in der Vergangenheit. Natürlich gab es früher dieses Problem, was aber auch daran lag, dass wir sehr aggressive Qualifikationsreifen entwickelt hatten. In den letzten 20 Jahren haben sich die Regeln und Technologien allerdings sehr stark verändert."

Teams dürfen die neuen Reifen bereits nach letztem GP 2010 testen

Sowohl die GP2 als auch die seit 2010 ins Leben gerufenen GP3 wird von Pirelli mit Reifen beliefert.

Auch eine in Bevorzugung mündende Nähe zu Ferrari sieht Hembery nicht: "Den einzigen Vorteil, den Ferrari in der Zusammenarbeit mit uns vielleicht hat, ist dass wir beide italienisch sprechen und Pasta mögen." Erstmals dürfen die Formel-1-Teams die neuen Reifen an zwei Testtagen nach dem letzten Grand Prix in Abu Dhabi (14. November 2010) ausprobieren. Hembery: "Dafür liefern wir unsere ersten zehn Reifensätze pro Team." Obwohl die Teams ab 2011 für die Reifen zahlen müssen, es geht angeblich um eine Million Euro pro Team, arbeitet Pirelli nicht kostendeckend. "Das geht bei den hohen Entwicklungskosten auch gar nicht", weiß Hembery, räumt aber ein: "Wir haben die Werbebudgets so umgeschichtet, dass uns durch die Belieferung der Formel 1 keine höheren Kosten entstehen als in den vergangenen Jahren ohne die Königsklasse." Das letzte Formel-1-Rennen bestritt Pirelli in Australien 1991. Bis dahin hatten die Italiener 44 Siege geholt.





Autor: Bianca Garloff

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