Elektro-Autos: Conti-Studie — 16.12.2011

Elektro-Traum geplatzt?

Große Chancen in der Zukunft, klare Grenzen in der Gegenwart: Elektroautos gewinnen an Akzeptanz, dürften für Autobauer und Zulieferer aber lange ein Nebengeschäft sein. Das ergab jetzt eine Studie im Auftrag von Continental.

(dpa/sb) Wo rollen wann mehr E-Mobile als normale Autos über die Straßen? Die Autobranche fiebert der Marktreife der zurzeit noch teuren und reichweitenschwachen E-Flitzer entgegen. Wie lange es dauert, bis der Verbrennungsmotor von den emissionsfreien "Stromern" wirklich abgelöst wird, steht allerdings weiter in den Sternen. Mit immer mehr Studien versuchen die Unternehmen deshalb, Klarheit zu gewinnen. So hat jetzt auch der Autozulieferer Continental aus Hannover forschen lassen. 4000 Personen in vier Ländern wurden vom Forschungsinstitut Infas befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein gemischtes Bild: Während die Offenheit der Autofahrer gegenüber der Elektromobilität generell hoch ist, zeigen sich deutliche nationale Unterschiede. Und wenn es darum geht, den Kauf eines E-Mobils konkret zu planen, äußern sich die Autobesitzer erst recht zurückhaltend.

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Gerade einmal vier Prozent der deutschen Pkw-Besitzer können sich vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen – die entsprechende Zahlungsbereitschaft und überwiegende Nutzung für Kurzstrecken bis 150 Kilometer pro Tag vorausgesetzt. Ganz anders in China: Dort äußerten immerhin 14 Prozent der potenziellen E-Autofahrer eine "wahrscheinliche" oder "sichere" Kaufbereitschaft. In den USA, wo schwere Straßenkreuzer traditionell noch häufiger unterwegs sind, waren es nur zwei Prozent. Frankreich kam überraschenderweise nur auf ein Prozent. Dabei fördert Paris den Kauf jedes Elektroautos schon jetzt mit 5000 Euro.

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Ein Zauberwort, das manche für überbewertet halten, ist auch bei der E-Mobilität das Carsharing. Conti-Marktforscher Klaus Sommer sagt: "Die Zahlen bei jungen Leuten steigen dramatisch an, auch wenn das natürlich noch nicht 50 Prozent der Autonachfrage ausmacht." Mit ihrer Zuversicht sind die Hannoveraner nicht allein. Auch der europäische Branchenprimus VW sowie die Konkurrenten Daimler und BMW sehen die Teilzeit-Vermietung elektrisch angetriebener Autos als Mittel, um den Autofahrern ein Gefühl für die bisher kostspielige Technik zu geben. Als VW vor kurzem sein eigenes Carsharing-Projekt in Hannover startete, gab der Chef der Finanztochter, Frank Witter, die Richtung vor: "Die Frage ist: Wie machen wir Elektromobilität für viele erschwinglich?"

Die Zwischenbilanz von VW zu einem Projekt in Berlin, Hannover und Wolfsburg, bei dem seit Juni 2011 80 Elektro-Varianten des Golf im Alltag getestet wurden, fiel aus Sicht des Unternehmens positiv aus. "Anhand der Rückmeldungen können wir sagen, dass wir mit unseren Entwicklungsaktivitäten gut auf Kurs liegen", sagt der Leiter Elektroantriebe, Rudolf Krebs. Private Haushalte hätten Interesse angemeldet, ein E-Mobil als Zweitfahrzeug im Stadtverkehr zu nutzen. Und das Reizthema Reichweite? Für die Mehrzahl der Tester hätten sich 150 Kilometer als ausreichend erwiesen, stellt Krebs fest – denn das Zielgebiet seien ohnehin Innenstädte. Conti fürchtet ebenfalls nicht, dass die "Reichweiten-Angst" für die wirklich interessierten Kunden ein ernstes Problem ist. Für die Mehrheit der Skeptiker schon, schränkt Sommer ein: "Drei Viertel der Deutschen würden sich daran stören, wenn ihr Auto alle 150 Kilometer an die Ladestation muss."

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Kommentare zum Artikel (10)

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gpunkt
20.12.2011, 18:48Uhr

da brauchen's keine studie machen!
wenn der benzinpreis auf über 2,5 - 3 euro steigt und e-autos um die 20 - 25.000,- verfügbar sind, kackt doch jeder auf den reinen benziner!

plugin-hybride sind die einzig mittelfristige zukunft. die decken reichweite UND sparsamkeit ab. problem ist aktuell nur der preis! 35.000 - 40.000 zahlt kein mensch (aus verständlichen gründen).

ibinsofrei
20.12.2011, 10:47Uhr

@ gemini
und bei uns bekommen die Windkraft-Betreiber staatliche Prämien, dass sie ihre Windräder abschalten, weil das Leitungsnetz fehlt, ihn in Deutschland zu verteilen.
Dafür verbrennen wir Weizen, Mais und andere Lebensmittel, als Biosprit.
Eine echte Alternative ist diese Politik nicht.
Noch fahre ich auch Diesel.

Georg
20.12.2011, 01:39Uhr

Für Langstrecke wird ein e.Antrieb nicht so schnell kommen. Das ist klar, da reicht die Energiedichte der Akkus noch nicht aus. Letztendlich hat der Vorgang laden, entladen und in Drehbewegung umsetzen bei Akku + Elektromotor 60-70% Wirkungsgrad. Zusätzlich noch Bremsenergierückgewinnung. Mit deinem Diesel kommst du ab Tanksäule vielleicht auf 30-40%. Im Stadtverkehr noch viel weniger.

Oskartxo
19.12.2011, 23:40Uhr

Passat Variant TDI, 170 PS, 220 kmh spitze, Mehr als 1.000 km Reichweite mit 90 Euro (ohne Blue Motion Technologies, da Bj. 2009), 600 Kg. Zuladung. Mit einer Batterie von 80 Wh/kg, um eine lange Reise von München nach Berlin (650 km) mit Tempo 150 (dafür braucht man 75 kW), mein Auto 75 kW mal 5,33 Std = 400 kWh Energie. Mit 80 W/kgspezifischer Akkuleistung, brauche ich dafür 500 kg Batterie. Und 16 Std. Ladezeit mit einer elektr. Leistung von 25 kWh. Neee. Ich fahre lieber Diesel... Und... wie viel kostet 1 kWh Strom??

Georg
19.12.2011, 20:21Uhr

Wenn die Jungs ihr Zulieferer- und Ölimperium aufrecht erhalten wollen, dann sollen sie dafür sorgen, dass der Benzinpreis deutlich unter 1,50€ bleibt. Sonst haben sie mich als Kunden verloren. Für mich ist der Preis einfach unattraktiv geworden, deswegen fahre ich seit einem Jahr zumindestens teilelektrisch. Funktioniert gut. Für den tägl. Weg zur Arbeit würde mir ein e.Kleinwagen reichen. Verbrennungsmotoren sind für Kurzstrecke einfach nicht geeignet. Egal wie billig Benzin ist.

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