Das kosten aktuelle Elektroautos

Elektroauto kaufen: Worauf achten

Tipps zum E-Auto-Kauf

Immer mehr Autofahrer denken darüber nach, ein Elektroauto zu kaufen. Welche Fragen sie sich dabei stellen sollten, und worauf bei Preisen, Akkus und Reichweite zu achten ist, erklärt AUTO BILD.

Den Kauf reiner Stromer subventioniert der Bund mit 2000 Euro. Weitere 2000 Euro gibt's vom Hersteller.

Sei es aufgrund drohender Fahrverbote oder wegen des ökologischen Aspekts – immer mehr Autofahrer ziehen den Kauf eines Elektroautos in Erwägung. Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2017 entschieden sich hierzulande 54.492 Autofahrer für ein Elektroauto. Das klingt nach wenig, ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch eine Steigerung um 117 Prozent. Trotzdem liegt der Marktanteil von Elektroautos mit 1,6 Prozent (2016: 0,8 Prozent) bei den Neuzulassungen noch im verschwindend geringen Bereich – trotz staatlicher E-Auto-Prämie und Boni der Hersteller. Zum Vergleich: In Norwegen stellten die Stromer im vergangenen Jahr schon 39,3 Prozent aller Neuzulassungen. Doch die deutschen Autofahrer sind skeptisch. Geringe Reichweiten, eine schlechte Ladeinfrastruktur und hohe Anschaffungspreise machen es vergleichsweise unattraktiv, ein Elektroauto zu kaufen. Doch besteht die Skepsis zu Recht? AUTO BILD erklärt, was beim Kauf eines Elektroautos zu beachten ist und für wen sich der Umstieg auszahlt. Preise, Akkukapazität und Reichweiten aktuell staatlich geförderter Elektroautos zeigen wir in der Bildergalerie.

Das kosten aktuelle Elektroautos

Elektroauto kaufen: Akku ist der größte Preistreiber

Ein großes Manko bei der Anschaffung: Wer ein Elektroauto kaufen möchte, sieht sich einem hohen Kaufpreis gegenüber. So kostet ein VW e-Golf aktuell 35.900 Euro – für 10.000 Euro weniger gibt's aber schon einen umfangreich ausgestatteten Golf mit Verbrenner (130-PS-TSI, Austattung Highline). Selbst der Golf GTI Performance liegt preislich knapp 3000 Euro unter seinem Elektro-Bruder. Warum sollte sich der Autokäufer also für den Vernunft-Golf entscheiden, wenn er für weniger Geld die Spaßrakete haben könnte? Zunächst: Die hohen Anschaffungspreise kommen nicht von ungefähr. Der Preistreiber Nummer eins bei Elektroautos ist der Akku – mit Abstand. Aktuell sind Lithium-Ionen-Speicher die führende Technologie. Hier kostet eine Kilowattstunde Batteriekapazität im Schnitt 209 US-Dollar (ca. 168 Euro) (Stand: Dezember 2017). Die 35,8-kWh-Batterie des Elektro-Golfs schlägt nach dieser Rechnung also schon mit rund 7482 Dollar (ca. 6019 Euro) zu Buche – ohne dass überhaupt ein Karosserieteil gefertigt wurde. Aber es gibt gute Nachrichten für alle Elektroauto-Interessenten: Die Akku-Preise sinken. Seit 2010 hat sich der kWh-Preis bei Lithium-Ionen-Akkus um gut 80 Prozent verringert. Tendenz weiter fallend. Bis zum Jahr 2025 könnte die Kilowattstunde unter die 100-Dollar-Grenze sinken.

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Akku mieten statt kaufen

Eine Möglichkeit, den Preis beim Kauf eines Elektroautos zu drücken, ist das Leasing der Batterie. Anstatt den Akku zum vollen Kaufpreis mitzuerwerben, bieten einige Hersteller ihre Akkus zur Miete an. Das lohnt sich besonders für Autofahrer, die schon zum Zeitpunkt des Kaufs wissen, dass sie ihr Elektroauto nach einigen Jahren gegen ein neues tauschen wollen. Mit der Akku-Miete reduziert sich der Kaufpreis des Autos um den Preis der teuren Batterie. Dafür wird dem Hersteller ein monatlicher Betrag gezahlt. Wie hoch diese Rate ausfällt, ist von mehreren Faktoren (z.B. Kilometerleistung, Leasingdauer) abhängig. Wird die Laufleistung überschritten, werden Gebühren fällig. Beim Renault Zoe (Kaufpreis 22.100 Euro) liegt die Batteriemiete für den 41-kWh-Akku bei 69 Euro/Monat. Dabei ist eine jährliche Laufleistung von 7500 Kilometern inbegriffen. Für jeden Mehr-Kilometer werden fünf Cent berechnet. Höhere Laufleistungen lassen sich individuell vereinbaren. Beim Miet-Akku werden zwar die monatlichen Fixkosten fällig, doch dafür ist man auf der sicheren Seite: Ist der Stromspeicher defekt oder sinkt seine Kapazität signifikant, gibt es kostenfrei Ersatz. Trotzdem sollten sich Elektroauto-Käufer im Klaren sein, dass die geleaste Batterie nicht ihr Eigentum ist. Dementsprechend könnten einige Nutzungen vertraglich ausgeschlossen sein, wie zum Beispiel das bidirektionale Laden (Elektroauto-Akku wird als vorübergehender Stromspeicher z.B. für Solarenergie genutzt).

Nach Kaufprämie: die beliebtesten E-Autos

Erste Bilanz Umweltprämie nach FahrzeugenErste Bilanz Umweltprämie nach Fahrzeugen

Reichweite richtig einschätzen

Egal, ob die Batterie gemietet oder gekauft ist: Elektroauto-Käufer sollten nicht am Akku sparen, denn er ist ausschlaggebend für die Reichweite. Es ist ganz natürlich, dass sich die Akkukapazität mit der Zeit verringert. Bei einer Lebensdauer von acht bis zehn Jahren büßt der Akku bis zu 40 Prozent seiner Kapazität ein. Auch bei Kälte sinkt die Reichweite schnell ab. Im Zweifelsfall greifen Kunden deswegen lieber zu einem Modell mit höherer Batteriekapazität, auch wenn dies vielleicht etwas teurer wird. Wichtig: Bei der Reichweite nicht allein auf die Herstellerangaben verlassen. Diese sind meist unter realitätsfernen Bedingungen erhoben worden und können im Alltag nicht erreicht werden. Deswegen ist es ratsam, sich vor dem Kauf beim Händler nach der Reichweite im Realbetrieb zu erkundigen. Dann sollte aufgrund des Kapazitätsverlustes nochmal etwa ein Drittel Puffer eingeplant werden. Wer den Wagen also für mindestens 100 Kilometer am Tag nutzt, sollte ein Auto mit mindestens 150 Kilometern (realer) Reichweite kaufen. Dann macht das Elektroauto auch ein paar Jahre später noch Freude.

Ladestation sollte in der Nähe sein

Zum Nachladen sollte zuhause am besten eine Wallbox installiert sein.

Neben dem Thema Reichweite, sollte auch das Thema Laden in die Kaufentscheidung für oder gegen das Elektroauto einfließen. Wer ein Elektroauto kauft, ohne sich vorher über die Ladeinfrastruktur in seiner Umgebung zu erkundigen, wird wohl mehr Frust als Spaß an der emissionsfreien Mobilität haben. In jedem Fall sollte zuhause eine Möglichkeit zum Laden verfügbar sein. Hier eignet sich am besten eine Wallbox, ein Starkstromanschluss speziell für E-Autos, dessen Installation etwa 1000 bis 2000 Euro kostet. Mieter müssen sich hier mit ihrem Vermieter auseinandersetzen. Vielleicht ist er sogar bereit einen Anschluss zu installieren oder zumindest etwas zu den Kosten beizusteuern. Ein Elektroauto lässt sich meist auch an der Haushalts-Steckdose aufladen, das sollte jedoch eher die Ausnahme sein als die Regel. Der Vorgang dauert viele Stunden und belastet den Anschluss. Manche Anschlüsse (z.B. in älteren Gebäuden) sind dafür gar nicht geeignet. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, sollte klären, ob es dort eine Möglichkeit zum Nachladen gibt.

Steuervorteile und Prämien

Auf einigen Parkplätzen parken Elektroautos während des Ladevorgangs kostenfrei.

Beim kostenlosen Laden auf der Arbeit genießen Elektroauto-Besitzer Steuervorteile: Räumt der Arbeitgeber eine Möglichkeit ein, das E-Auto kostenfrei aufzuladen, muss der Gratis-Strom in der Steuererklärung nicht als geldwerter Vorteil angegeben werden. Auch von der Kfz-Steuer sind Elektroautos für die ersten zehn Jahre befreit. Zudem hat der Bund die Kaufprämie für Elektroautos ausgelobt, um die Verkäufe anzukurbeln. Beim Kauf eines reinen Stromers profitieren die Kunden von insgesamt 4000 Euro Zuschuss. Viele Händler geben zudem einen Umwelt- oder Klimabonus obendrauf. Weitere Vorteile genießen Elektroauto-Fahrer übrigens beim Parken: In vielen Parkhäusern sind mittlerweile kostenfreie Parkplätze mit Ladesäulen für Elektroautos eingerichtet. Auch auf vielen öffentlichen Plätzen parken E-Autos – zumindest während des Ladevorgangs – frei.

Kfz-Versicherung des Elektroautos

Bei der Versicherung des Elektroautos gilt das gleiche, wie bei jedem anderen Fahrzeug: vorab Tarife vergleichen. Viele Versicherungen bieten für Elektroautos Rabatte, über die sich Käufer vor der Anschaffung informieren sollten. Verpflichtend ist auch bei E-Autos nur die Haftpflichtversicherung. Allerdings ist eine Vollkasko-Police ratsam. Wichtig: Der Versicherungsschutz sollte den Akku vollumfänglich mit abdecken. Dazu zählen auch Schäden durch Bedienfehler, wie zum Beispiel durch eine Tiefenentladung. Im Allgemeinen sind die Kfz-Versicherungen für Elektroautos im Gegensatz zu vergleichbaren Modellen mit Verbrennungsmotor günstiger. Das liegt vor allem an ihrer noch sehr geringen Zahl auf den Straßen. Hier fehlen den Versicherern schlicht die Erfahrungswerte, die in Typklassen und Regionalklassen einfließen könnten. Zudem gelten Fahrer von Elektroautos nicht als auffällig im Straßenverkehr.

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Geringe Wartungs- und Betriebskosten beim Elektroauto

Ein eindeutiger Preisvorteil des Elektroautos im Gegensatz zu einem Verbrenner ergibt sich aus den geringeren Wartungs- und Reparaturkosten. Typische Verschleißteile wie Zahnriemen, Zündkerzen oder Kupplung fallen weg. Auch regelmäßige Ölwechsel gibt es nicht mehr. Die Bremsen verschleißen dank Rekuperation langsamer. Natürlich steht auch hier einmal jährlich die Inspektion ins Haus, doch sie ist gut ein Drittel günstiger als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Der wichtigste Kostenpunkt für die Fraktion Pro-E-Mobilität ist aber der Kraftstoff: Der Strom für Elektroautos ist um einiges günstiger als Benzin oder Diesel. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 29,16 Cent/kWh (Jahresdurchschnitt 2017) kostet ein Kilometer im VW e-Golf rund 3,7 Cent (Verbrauch von 12,7 kWh/100 Kilometer laut NEFZ). Ein vergleichbar motorisierter Benziner (VW Golf, 1.5 TSI) kommt bei einem durchschnittlichen Kraftstoffpreis von 1,37 Euro (Dez. 2017) auf einen Kilometerpreis von 6,7 Cent (kombinierter Verbrauch von 4,9 Liter/100 Kilometer laut NEFZ). Besonders lohnenswert ist das E-Auto also für Viel-Fahrer oder Autofahrer, die vom kostenfreien Laden am Arbeitsplatz profitieren.

Absoluter Wertverlust durch hohen Kaufpreis hoch

In Sachen Wertverlust stehen Elektroautos aktuell gut da: Im Schnitt liegt ihr Wert nach drei Jahren bei rund 45 Prozent. Dies ist jedoch stark von der Art des Modells abhängig. "Spaßbetonte" Elektroautos wie der BMW i3 haben nach drei Jahren noch einen Restwert von über 50 Prozent des Kaufpreises, während "Vernunftsstromer" wie der Mitsubishi i-MiEV schon bei unter 40 Prozent liegen. Käufer sollten hier auch den absoluten Wertverlust im Auge behalten: Aufgrund des hohen Kaufpreises liegt dieser natürlich höher, als bei vergleichbaren Verbrennern. Wem es bei der E-Mobilität allerdings nur darum geht, Geld zu sparen, der ist nicht unbedingt richtig bedient. Der ADAC hat die Anschaffungs- und Betriebskosten auf Kilometerpreise umgerechnet und E-Modelle mit ähnlichen Verbrenner-Modellen verglichen. Das Ergebnis: Die meisten Elektroautos haben keinen finanziellen Vorteil gegenüber Benzinern oder Dieseln. Nur zwölf Elektroautos bewertet der ADAC als finanziell rentabel (ADAC-Kostenvergleich).

Diese Fragen sollten sich E-Auto-Käufer stellen

• Welche Strecke muss täglich/regelmäßig gefahren werden? Die maximale Reichweite im Realbetrieb sollte mindestens ein Drittel darüber liegen.
Passt das eigene Fahrverhalten zum Elektroauto? Wer gerne lange Auto fährt, kommt mit der Reichweite vermutlich nicht hin.
• Welche Möglichkeiten zum Laden gibt es in unmittelbarer Umgebung? Ohne die richtige Ladeinfrastruktur droht Frust.
• Welche Bedürfnisse muss das Auto erfüllen? Möglicherweise sollen mehrere Personen mitfahren oder Gegenstände transportiert werden.
• Erhoffe ich mir einen Kostenvorteil? Wer mit dem Elektroauto sparen will, sollte alle Kosten berechnen und mit einem Verbrenner vergleichen. Realistisch bleiben!
• Lohnt es sich, den Akku mitzukaufen? Möglicherweise könnte Akku-Miete eine günstigere Alternative sein.
• Kann ich von Zuschüssen profitieren? Vorab unbedingt über aktuelle Prämien, Hersteller-Boni und Steuervorteile informieren.
• Ist es mir wichtig emissionsfrei zu fahren? Nur mit "grünem" Strom ist das E-Auto wirklich umweltfreundlich.

Ratgeber gebrauchte E-Autos

Autor: Lena Trautermann

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