Elf Autos im Bedienungs-Test

Bedienungs-Test: Was lenkt im Straßenverkehr wirklich ab? Bedienungs-Test: Was lenkt im Straßenverkehr wirklich ab?

Elf Autos im Bedienungs-Test

— 26.10.2006

Der alles entscheidende Augen-Blick

Wohin gucken wir beim Autofahren? Erstmals haben AUTO BILD und der TÜV Süd gemessen, was uns am Steuer wirklich ablenkt. Von komplizierten Radios und idiotischen Navigations-Menüs. Ein Test, der uns die Augen öffnet.

Die A 24 kurz vor Hamburg. Seit zwei Monaten ist die Autobahn komplett gesperrt, der Verkehr wird umgeleitet. Anfang Oktober musste die Polizei ein Auto weit hinter der Absperrung bergen. Aus einem Sandhaufen, der Fahrer hatte die Abfahrt verpasst. Weder Sekundenschlaf noch überhöhte Geschwindigkeit waren schuld. Der wahre Grund: Der Mann am Steuer war mit seinem komplizierten Navigationsgerät beschäftigt.

Ein Problem, das uns nicht nur im Auto verfolgt. Diese vertrackten Bedieneroberflächen der Marke Hieroglyphen begegnen uns überall. Wer hat nicht schon mal frustriert seine Fernbedienung in die Ecke gefeuert? Wer,

Tester Dr. Dirk Marsitzky bei der Arbeit. Ob er den Lkw gesehen hat?

bitte schön, kennt alle Detailfunktionen seines Handys, wer ist noch nie am Fahrkartenautomaten verzweifelt?! Aber während sich so etwas daheim oder wenigstens auf dem Bahnsteig sicher klären lässt, ist die Fahndung im dritten Untermenü während der Fahrt ebenso unverantwortlich und gefährlich wie Alkohol am Steuer. Der Blindflug kann im Ernstfall so aussehen wie auf dem gestellten Foto oben. Tatsache ist: Der Krieg der Knöpfe ist in vollem Gange und lenkt uns immer mehr vom eigentlich Wichtigsten ab – vom Straßenverkehr. Wir wollten wissen, wie groß dieses Risiko tatsächlich ist. In einem aufwendigen Versuch haben wir gemeinsam mit dem TÜV Süd geprüft, was uns ablenkt, und vor allem, wie lange wir den Blick von der Straße nehmen.

Der Test: 19 Aufgaben auf einem 25-Kilometer-Kurs.

So haben AUTO BILD und TÜV Süd getestet: ein Rundkurs mit 19 Aufgaben

Auf einem 25-Kilometer-Kurs im Norden Münchens wechseln sich Stadt, Landstraße und Autobahn ab. Die Verkehrsdichte variiert je nach Tageszeit, es ist nicht zu viel und nicht zu wenig. Unsere Testfahrer umrundeten den Kurs ungefähr 35 Minuten und erledigten nebenbei 19 Aufgaben. Im Testauto fuhr nur ein Instrukteur mit, der die Aufgaben ansagte und die Erfüllung überwachte. Das Dikabris-System, das die Fahrer trugen, sendete permanent an einen Rechner im hinterherfahrenden Transporter. Dort überwachten Techniker von der TU und vom TÜV Süd das Geschehen, alle Fahrten wurden zur späteren Auswertung präzise aufgezeichnet. Eine dieser Aufnahmen sehen Sie nebenstehend – das Kreuz markiert jeweils den Punkt, auf den der Fahrer gerade blickt, in diesem Fall häufig Radio und Navi. Weitere Videos finden Sie in der Multimedia-Galerie!

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Dirk Branke

Was nicht da ist, kann nicht ablenken – der Mercedes-Oldie schnitt deshalb am besten im Test ab.

Der Krieg der Knöpfe endet mit eindeutigem Ergebnis: Die Bedienung moderner Autos ist zu kompliziert, sie lenkt uns zu sehr vom Verkehr ab. Der Fahrer ist mit den oft schwierig zu bedienenden Systemen intensiv beschäftigt, meist überfordert und blickt nicht mehr auf die Straße. Manchmal kilometerlang. Diese Aussage gilt zwar nur den teilnehmenden Autos, ist aber durchaus auf andere Modelle übertragbar. Autos mit vermeintlich schlauen Systemen liegen hinten, Autos, die darauf verzichten, weiter vorn. Aktueller Gewinner ist der Porsche 911, der zeigt, dass es nicht an der Anzahl der Schalter oder der Elektronik liegt, sondern an Ordnung und Struktur. Aber ganz vorn fährt ein simpel gestrickter Oldie. Für viele nicht wirklich eine Überraschung.Den ausführlichen Report mit allen Testergebnissen – Bedienzeiten in den verschiedenen Autos bei verschiedenen Aufgaben, blind zurückgelegter Weg, Gesamtwertung – können Sie in AUTO BILD 43/2006 nachlesen (von Freitag, 27. Oktober, bis Donnerstag, 2. November 2006, im Handel) – zusammen mit vielen anderen exklusiven Testberichten.

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Autor: Dirk Branke

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