Elia 350Z Le ManZ und Väth Crossfire V35

Elia 350Z Le ManZ und Väth Crossfire V35 Elia 350Z Le ManZ und Väth Crossfire V35

Elia 350Z Le ManZ und Väth Crossfire V35

— 26.08.2004

Die jungen Wilden

Sie sind neu, heiß und schauen ganz schön zornig: Elia 350Z Le ManZ und Väth Crossfire V35. Sind die erschwinglichen Zweisitzer die neuen Stars am Sportwagen-Himmel? Mit je 300 PS haben sie auf jeden Fall gute Karten.

Schnittige Zweisitzer liegen voll im Trend

Stoßen Sie Ihren Chrysler Voyager ab, geben Sie Ihren Nissan Primera in Zahlung – in dieser Saison liegen Sportwagen voll im Trend. Schnittige Zweisitzer werden neuerdings als ernsthafte Alternative akzeptiert. Sogar Hersteller, die für Sport, Spiel und Spannung bisher weniger berühmt waren, drücken neuerdings bezahlbare Modelle in den Markt. Und jetzt stellen Elia und Väth der neuentstandenen Spaßgesellschaft die entscheidende Frage: Seid Ihr endgültig bereit, den Pfad der Vernunft zu verlassen und das Potential Eurer Autos voll auszuschöpfen? Ja? Dann erwarten Euch üppige Tuningprogramme für 350Z und Crossfire.

Elia beweist mit seinem Zubehör für den 350Z, daß die Außenhülle des bulligen Japaners durchaus noch Verbesserungspotential birgt. Die weißlackierten 20-Zöller stehen so prall in den Radhäusern, daß kein Fingernagel mehr zwischen Reifen und Blech zu passen scheint. Eine Spoilerlippe an der Frontstoßstange verringert die Distanz zwischen Kunststoff und Straße auf gefühlte null Zentimeter. Der Heckschürzenansatz in Diffusor-Optik und ein flotter Flügel unterstreichen die ausladende Form des Hinterteils, das Rubens nicht hätte eindrucksvoller zeichnen können.

Ob der Nissan-Besitzer zum "Madame Butterfly"-Auspuff greift, muß er mit sich selbst ausmachen. Wer sich dem Avantgardismus dieses kühn geschwungenen Stücks Edelstahl nicht gewachsen fühlt, dem bietet der Tuner auch eine konventionellere Anlage mit je zwei Endrohren links und rechts an. Im Innenraum begnügt sich Elia mit einem Zierteilesatz für die Mittelkonsole in Leichtmetalloptik. Bei genauerem Hinsehen hat das Dekorset zwar nur wenig Ähnlichkeit mit echtem Aluminium, lockert den dunkelgrauen Plastiklook im Nissan aber doch erfreulich auf.

Mehr Hubraum für den Crossfire

So extrovertiert sich Elia gibt, so zurückhaltend geht Väth zu Werke. Spoiler hat der Motorenexperte nicht zu bieten. Einzige optische Unterscheidungsmerkmale von der Serie sind der mittige, ovale Doppelauspuff und rundum formschöne, mehrteilige Räder in 19 Zoll. Den Innenraum rührt Väth nicht an, schlägt dafür unter der Haube umso heftiger zu. Der Hubraum des Crossfire wächst auf 3,5 Liter, die 218 Werks-PS erhalten 82 Pferdestärken Zuwachs. Das maximale Drehmoment steigt von 310 auf 400 Newtonmeter.

Der getunte Crossfire setzt sich eindrucksvoll in Szene. Der Motor überzeugt mit seiner Durchzugsstärke und mit lässiger Überlegenheit. Bereits beim Anlassen grollt der Ami in einem Timbre, das eher an Big Block als an Little Six erinnert. Unter Last bieten die Klänge ein Crescendo, das auch dem rauhesten Klotz Freudentränen über die Wangen rinnen läßt. Überhaupt erkennen wir den Crossfire kaum wieder – nur zur Erinnerung: Der Ami basiert auf dem alten Mercedes-Benz SLK – und dessen Sportlichkeit war durchaus überschaubar. Aus, vorbei, vergessen! Nach dem Väth-Doping fließt in den Adern des Crossfire pures Testosteron.

Die Besatzung sollte hart im Nehmen sein, das Gewindefahrwerk gibt sich äußerst unnachgiebig. Bei hoher Geschwindigkeit führt jede Unebenheit zu Versetzern – was vor allem in Autobahnkurven zu schweißtreibenden Momenten führen kann.

Fahrleistungen und Komfort

Elia fährt in Sachen Leistungssteigerung einen zurückhaltenderen Kurs. Herzstück der PS-Kur ist eine Sportauspuffanlage mit Fächerkrümmer. Resultat: vergleichsweise bescheidene 23 zusätzliche Pferde. 303 PS leistet der 350Z von Elia jetzt. Das Drehmoment wächst von 363 auf 390 Newtonmeter. Subjektiv macht sich das alles kaum bemerkbar. Kein Wunder, die gewaltige Bereifung dürfte die Zusatz-Power fast neutralisieren. Trotzdem federt der Nissan rückenfreundlicher als der Chrysler. Die Meßwerte untermauern unseren Eindruck: Das Auto liegt weitgehend auf Serienniveau (AUTO BILD TEST & TUNING-Meßwerte). Von null bis 100 km/h braucht der getunte 350Z sogar ein Zehntel länger. Dafür wächst die Höchstgeschwinigkeit auf 265 km/h an.

Die Meßwerte des Chrysler überraschen uns weit mehr. Das Auto, das sich so kraftstrotzend anfühlt, entpuppt sich als Papiertiger. Weder bei Beschleunigung noch Elastizität kann sich der veredelte Crossfire von der von uns gemessenen Serienversion absetzen. Von null auf 200 km/h benötigt er gerade eine halbe Sekunde weniger als das normale Fahrzeug.

Dafür punktet das Gefährt von Väth auf der Rennstrecke. Hier zahlt sich die knüppelharte Abstimmung aus. Querkräfte beeindrucken dieses Auto überhaupt nicht – die Seitenneigung tendiert gegen null. Der getunte Crossfire ist auch mit abgeschaltetem ESP narrensicher zu fahren und gibt sich so neutral wie die Schweiz. Selbst bei Lastwechseln bleibt das Heck voll auf Kurs. Nur Kleinigkeiten stören: Die Lenkung ist einen Tick zu indirekt, der Bremse fehlt ein exakter Druckpunkt.

Technische Daten und Testwerte

Der Nissan macht sogar eine noch bessere Figur. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung. Schließlich ist der 350Z schon ab Werk ein veritabler Racer. Das Gewindefahrwerk von Elia entlockt dem Fahrzeug das letzte Quäntchen Performance. Das Auto fährt sich einfach hervorragend. Ähnlich gutmütig wie beim Crossfire zeigt sich bei Lastwechseln eine hilfreiche Tendenz zum dezenten Übersteuern.

Preise, Kontakt und Fazit

Abgerechnet wird zum Schluss: Wer alle Preise addiert, erkennt, daß der schon ab Werk teurere Chrysler spätestens nach dem kostspieligen Väth-Tuning seinen Schnäppchen-Status verliert. Den Titel "Volkssportwagen" gewinnt somit der 350Z. Kontakt: Elia, Tel. 09101/ 906950, www.elia-ag.de; Väth Motorentechnik, Tel. 06021/ 454740, www.vaeth.com.



Fazit Der Nissan 350Z von Elia kann in fast jeder Disziplin punkten: perfekt in der Abstimmung, imposant im Auftritt, kraftvoll im Antritt. Allerdings bleibt festzuhalten: Der getunte Nissan beschleunigt keinen Tick schneller als die Serie. Väths Crossfire trägt kafkaeske Züge. Der entspannte Ami-Cruiser wird zur Bestie: unmenschlich hart, überirdisch laut, unglaublich gut zu fahren. Doch auch hier gilt: Er ist kaum schneller als ein gewöhnlicher Crossfire.

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