Energieausweis für Autos — 11.05.2010

Weichgespültes Etikett

Wie Waschmaschinen sollen Autos einen Energieausweis erhalten. Der Haken an der Sache: Schwere Autos bekommen einen Bonus. Verlierer sind eindeutig die Verbraucher.

Weichgespült. Exakt dieses Prädikat verdient der geplante Energieausweis für Autos. Auf neuen Waschmaschinen, Kühlschränken und Trocknern klebt er bereits. Rote, grüne und gelbe Balken sowie Buchstaben sollen darauf hinweisen, wie umweltfreundlich ein Auto ist. "Eine wertvolle Entscheidungshilfe beim Kauf", jubelt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Doch außer Brüderle findet kaum jemand Gefallen am Auto-Klimapass. "Etikettenschwindel", sagt Winfried Hermann (Grüne), Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag: "Das Problem wird verschleiert." Grund: Neben den CO2-Emissionen wird auch das Pkw-Gewicht zugrunde gelegt. Schwere Autos dürfen mehr CO2 ausstoßen. Eine genaue Berechnungsformel will die federführende Brüderle-Behörde nicht preisgeben. Denkbar ist aber, dass Deutschland es wie die Schweiz macht, wo es einen an Gewicht und CO2 gekoppelten Auto-Energieausweis schon gibt.

CO2-Zwerge: Die umweltfreundlichsten Benziner aller Klassen

Wie stark das Gewicht gewichtet wird, will in Berlin niemand sagen. Schwergewichte sollen aber einen dicken Bonus bekommen, um gegen Leichtgewichte nicht alt auszusehen. In der Schweiz erhält ein BMW ActiveHybrid 7 trotz 219 Gramm CO2 noch ein D – ebenso wie ein Seat Leon 1.6 Style mit "nur" 169 Gramm. Winfried Hermann: "Der Umwelt ist es egal, ob wir sie mit großen oder kleinen Autos zugrunde richten." Der Grüne befürchtet einen Kniefall der Bundesregierung vor Deutschlands mächtiger Autolobby. "Schwarz-Gelb denkt anscheinend, man tut das Beste für die Industrie, indem man sie schont. Für die Hersteller lohnt es sich, ein Auto schwerer zu machen."

Hier finden Sie mehr zum Thema Ökomobilität

Sinnvoller wäre es laut Hermann, neben dem CO2-Ausstoß etwa die Zahl der Sitzplätze zu berücksichtigen. Oder den Radstand. Der Verband der Autoindustrie (VDA) dagegen findet die Neuregelung gerecht: "Wenn kleine Autos pauschal grün und große Autos pauschal rot eingestuft würden, würde das manchen Anbieter zum Ausruhen einladen", so Präsident Matthias Wissmann. Innerhalb der Europäischen Union aber dürfte der deutsche PS-Protektionismus für Ärger sorgen. Kaum vorstellbar, dass Italien und Frankreich mit ihrer Kleinwagenindustrie dem deutschen Vorschlag zustimmen. Es droht ein Flickenteppich von Regelungen. "Es ist nicht logisch zu erklären, dass ein und dasselbe Modell in einem europäischen Land anders eingestuft und gekennzeichnet wird als in den Nachbarländern", sagt Volker Lange, Präsident des Verbandes der Internationalen Kfz-Hersteller (VDIK).

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Kommentare zum Artikel (12)

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Peter
09.09.2010, 23:48Uhr

@BMW_driver; stichwort hybrid: Ich schlage vor, die Sahara zu pflastern. Nur nicht mit Windmühlen, sondern mit Solarzellen. Dann passt das schon mit dem umweltfreundlichen Strom aus der Steckdose.

BMW_driver
14.05.2010, 17:02Uhr

stichwort hybrid:
wo kommt der strom nochmal her? achja aus einem kern- bzw kohlekraftwerk. wenn das anders sein soll können die politiker sich ja schonmal überlegen, welche länder sie mit windmühlen zupflastern wollen, um alles mit regenerativen stromquellen kompensieren zu können.
verblendung pur!

BMW_driver
14.05.2010, 16:59Uhr

das ist doch der reinste irrsinn....
haben die politiker als solche denn nichts besseres zu tun? :D stichwort schulden? :D
das ist alles völlig sinnfrei!

Mario
12.05.2010, 11:55Uhr

Ich bin auch der Meinung, dass alle Faktoren, also auch Herstellung, Nutzungsdauer und Entsorgung miteinfliessen sollten. Zudem sollte auch die Personenzahl berücksichtig werden - wenn ich zu viert in einem grösseren Auto unterwegs bin, dann bin sicher umweltfreundlicher unterwegs als alleine in einem Microcar.

Weitere Infos zur Schweizer Berechnung hier:
http://www.bfe.admin.ch/energieetikette/00886/00909/index.html?lang=de#sprungmarke0_68

4.3 Wieso wird das Fahrzeuggewicht als Vergleichsbasis verwendet?
5.2 Wie wird der Verbrauchsvergleich berechnet?

frankos
12.05.2010, 11:36Uhr

Ein Energielabel für PKW ist prinzipiell eine gute und sinnvolle Idee, wenn denn die zu Grunde liegenden Kriterien in allen europäischen Ländern gleich und somit nachvollziehbar sind!

Darüber hinaus sollte endlich mal in Deutschland ein generelles Tempolimit auf Autobahnen eingeführt werden; auch das verringert den CO2-Ausstoß und trägt zudem zu mehr Sicherheit bei. Dann werden auch die rasenden Dreckschleudern der deutschen Nobelhersteller Mercedes, BMW oder Porsche weniger Emissionen ausstoßen!

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